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Mittlere Geschichte.
Araber
637.
Peter vonAmiens1094.
Piacenza
1095.
Clermont
1095.
1. Kreuzzug1096.
Boden zu betreten, wo der göttliche Erlöser gewandelt und gelitten, der Glaube,daß solch' frommes Werk zum Himmel führe, spornte Unzählige an, das Ge-lobte Land zu besuchen. Die Araber, die im 7. Jahrhundert (637) Palästinadem griechischen Reiche entrissen (S. 92 Anm. 1), störten die Pilger nicht. Alsaber die Seldschuckischen TürkeiU 1072 das Heilige Land eroberten, wurdensowohl die einheimischen Christen, als auch die Wallfahrer hart gedrückt undgröblich mißhandelt. Ergriffen von solcher Not, entschloß sich der MönchPeter von Amiens?, solchem Greuel abzuhelfen. Nachdem er aus demGelobten Lande zurückgekehrt war und der Papst sein Vorhaben gebilligt hatte,setzte er sich alsbald barfuß und mit entblößtem Haupt, angethan mit einemgrauen Pilgerkleide, das er mit einem Stricke gürtete, auf einen Esel, nahmein Kruzifix in die Hand und durchzog predigend Italien und Frankreich(1094). Durch seine begeisterten Reden erregt, gelobten Tausende, sich auf-zumachen und die heiligen Orte den Ungläubigen zu entreißen. Da beriefim März des folgenden Jahres (1095) der Papst Urban II. eine Kirchen-versammlung nach Piacenza?, wo von der versammelten Menge der be-schlossene Kriegszug gegen die Feinde des Kreuzes genehmigt wurde.
Acht Monate darauf, im November, hielt der Papst eine zweite Ver-sammlung zu Clermont?. Die weite Ebene war mit Menschen angefüllt,die sich mit dem lauten Rufe: „Gott will es! Gott will es!" zum Kriegs-zug nach Palästina verpflichteten und sich durch Anheften eines roten Kreuzesauf die rechte Schulter zu diesem Zuge weihen ließen. (Davon ihr NameKreuzfahrer; denn „fahren" heißt so viel als reisen oder ziehen). — Inganz Italien und Frankreich entstand eine allgemeine Bewegung, welche sichbald auch dem westlichen Deutschland mitteilte; überall rüstete man; allesdrängte sich herbei, das Kreuz zu nehmen. Bis Mitte August 1096 solltendie Rüstungen beendigt sein, allein viele Ungeduldige mochten diesen Zeit-punkt nicht abwarten. Daher brachen schon im Mai (1096) der MönchPeter von Amiens und der Ritter Walter von Habenichts an der Spitze un-geordneter und schlechtbewehrter Scharen auf. Achtzig Tausend waren ausge-zogen, von denen aber kaum einer Jerusalem sah; denn da sie wie Räuberm den Ländern, die sie durchzogen, hausten, wurden sie wie Räuber erschlagen.
2. Gottfried von Bouillon?, der Herzog von Niederlothringen,brach am 15. August 1096 mit einem trefflich gerüsteten Heere (80000Mann zu Fuß und 20000 Reitern) von den Ufern der Maas auf und durch-zog, die strengste Mannszucht haltend, ohne Unfall Deutschland, Ungarn,Bulgarien? und das griechische Reich. Unter den Mauern Konstantinopelslagerte er sich, um die Ankunft der übrigen? aus Italien, der Normandie
> Die Türken sind ein Nomadenvolk aus dem mittleren Asien, wo noch jetztihr eigentliches Stammland, östlich von dem Kaspischen Meere, durch den Namen Turanan sie erinnert. — Seldschucken hieß ein türkischer Stamm, der, nachdem er denIslam angenommen hatte, im 11. Jahrhundert teils den Griechen, teils den Araberndas westliche Asien entrissen hatte.
r Amiens, Stadt an der Somme, im nordöstlichen Frankreich (in der Pikardie).— Piacenza, Stadt am Po, unterhalb Pavia. — Clermont, Stadt im südlichenFrankreich (in der Auvergne). — Das Stammschloß Gottsrieds, im Mittelalter Bulliogenannt, ist die jetzige Stadt Bouillon im belgischen Luxemburg. — Bulgarien,S. 112 Anm 1.
s Unter den Führern der übrigen ragten besonders hervor: Graf Hugo vonVermandois (Landschaft in der Prkardie), Bruder des Königs Philipp des I. vonFrankreich; Herzog Robert von der Normandie, Sohn Wilhelm des Eroberers;