Erster Kreuzzug 1096—1099.
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und anderen Teilen Frankreichs auf verschiedenen Wegen heranziehenden Heereabzuwarten. Als diese eingetroffen waren, setzte man im Frühjahre 1097 l097.nach Kleinasien über und hielt hier eine allgemeine Heerschau. Man zählte300 000 Streiter zu Fuß, über 100 000 zu Roß; mit Weibern, Kindernund Knechten eine Masse von 600 000 Köpfen. Jeder Fürst führte seine Schar.
Das größte Ansehen aber genoß Gottfried vonBouillon. Er war damalsin derBlüte seiner Jahre (36 Jahre alt) und wie durch schönen, kräftigen Wuchs,so durch Heldenmut, Menschenfreundlichkeit und Gottesfurcht ausgezeichnet.
Am 5. Mai 1097 lagerte sich das Kreuzheer vor Nicäa*, der West- Nicäa.lichen Feste des seldschuckischen Reiches. Die Stadt war bereits, vorzüglichdurch Gottfrieds Tapferkeit, der Übergabe nahe gebracht, als sie sich durchdie List der Griechen^ an diese und nicht an die Kreuzfahrer ergab (20.
Juni). Um keine Zeit zu verlieren, beschlossen die Fürsten die Fortsetzungdes Zuges. Während es nun durch die weiten, Wasserlosen Hochebenen desmittleren Kleinasiens weiter ging, hatten die Kreuzfahrer überall mit Notund Beschwerden, sowie mit dem unablässig angreifenden Feinde zu kämpfen.
Dazu kam noch, daß zwischen Tankred und Balduin, dem Bruder Gott-frieds, ein Streit ausbrach, infolgedessen letzterer das Hauptheer verließ, sichmit seinem Heerhaufen gegen den Euphrat wandte und in dem von ihm er-oberten Edessa* das erste christliche Reich im Orient gründete. — Die Edessa.übrigen, nachdem sie bis Syrien gelangt waren, unternahmen zu Ende desSommers 1097 die Belagerung von Antiochia*. Aber erst nach neun Mo- Antiochianatensiel diese Vormauer Jerusalems (3. Juni 1098) in die Hände der Christen. 1097. 98.
Ein volles Jahr nach dem Fall von Antiochia gelangten endlich dieKreuzfahrer an das heißersehnte Ziel ihrer Pilgerschaft. Von einer Anhöhebei Emmaus* erblickten sie am 6. Juni 1099 im Gold der Abendsonne Ankunft vordie stolzen Kuppeln von Jerusalem. Alle fielen auf die Kniee und dank-ten Gott mit Freudenthränen für diese Gnade: die erduldeten Mühsale undEntbehrungen waren vergessen.
3. Jerusalem war eine stark befestigte Stadt, in der eine Besatzungvon 40 000 Mann lag, während das Heer der Kreuzfahrer nur noch 20 000Fußgänger und 1300 Reiter zählte. Dennoch wagten schon am fünften Tagedie christlichen Streiter einen Sturm auf die äußern Mauern. Mit wildemMut erkletterten sie dieselben und würden ohne Zweifel auch die Haupt-mauer erstürmt haben, wenn ihnen nicht alle Belagerungswerkzeuge, selbstSturmleitern, gefehlt hätten. — Um sich diese zu verschaffen, zerstreuten sie sichin der Holzarmen Gegend, fanden endlich bei Bethlehem ein Gehölz und ar-beiteten mit dem größten Eifer an den Belagerungsmaschinen. Endlich nachVerlauf von vier Wochen hatte man den Bau von zwei hölzernen Türmenvollendet. Sie waren vierseitig, jeder vier Meter höher als die Hauptmauer
Gras Raimund von Toulouse sän der oberen Garonne, in Laimued'ok): FürstBohemund von Tarent (Sohn Robert Guiskards) und dessen Vetter, der edleRitter Tankred.
r Nicäa, Stadt östlich vom Marmarameer (südlich von Nikomedien, S. 73Anm. 1). — Edessa, Stadt östlich vom obern Euphrat, im nördlichen Mesopota-mien. — Antiochia, Stadt im nördlichen Syrien, einst der hauptsächlichste Aufent-haltsort des Apostel Paulus. — Emma» s, Flecken nordwestlich von Jerusalem; vgl.
Lukas 34, 13.
s Die Griechen, denen die Stadt 1080 von den Seldschucken entrissen wordenwar, setzten durch heimliche Unterhandlungen mit den Einwohnern die Übergabe anden griechischen Kaiser Alexius durch.