Band 
Erster Kursus.
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Der Dreißigjährige Krieg 1618—1648.

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so daß man seinen Grundbesitz auf 30 Millionen Gulden (60 MillionenMark) schätzte.

Wallenstein schlug seine Weideplätze in Böhmen, Franken und Schwa-ben auf und, gelockt durch den Ruf seines Namens, strömten aus allen Ge-genden Leute unter seine Fahnen. Mit richtigem Blick wählte er die Tüch-tigsten zu Anführern aus und brachte durch Strenge und Takt bald einebewunderungswürdige Einheit in die bunt zusammengewürfelte Masse, anderen Spitze er als „Kaiserlicher Generalissimus" und Feldmarschall stand.

Als solcher sprach er wenig, aber mit Nachdruck: den Tapfern versagte ernie gebührendes Lob; dabei war er freigebig gegen Hohe und Niedere, ver-langte jedoch auch Unerschrockenheit und strengen Gehorsam. Feigheit wardsogleich mit dem Tode bestraft, und bei dem geringsten Ungehorsam warsein Wort, welches statt alles Kriegsgerichtes galt: „Laßt die Bestie hängen!"

Sein Anblick hatte etwas düsteres und unheimliches und stimmte zur Klei-dung und sonstigen Haltung. Hosen und Mantel waren von scharlachrotemZeug, sein Reitrock von Elensleder, der Halskragen nach spanischer Art ge-kräuselt, der Hut mit einer roten Straußenfeder geziert; seine Gestalt warlang und hager, sein Blick finster und argwöhnisch, die Gesichtsfarbe gelblich,sein schwarzes Haupthaar kurz abgeschnitten, der Bart sorgfältig gepflegt.

2. Mit einem Heere von 40 000 Mann rückte Wallenstein nach Nie-dersachsen, schlug Mansfeld (25. April 1626) an der Dessauer Brücke' Defsauerund verfolgte ihn hierauf bis Ungarn. Von da zurückgekehrt, fiel er in die BrückeStaaten des Königs von Dänemark (den unterdessen Tillh bei Lütter' am 1626.Barenberg, 27. August 1626, geschlagen hatte) ein. Er eroberte Hol-stein, drang durch Schleswig bis in den Norden von Jütland vor und jagteden Feind auf seine Inseln. An der Spitze eines Heeres von 100000Mann vertrieb hierauf der „Friedländer" die Herzöge von Mecklenburg,die Anhänger Christians von Dänemark, und ließ sich deren Länder vomKaiser zusprechen (1628). Während der Herzog von Pommern, von solcherMacht geschreckt, den kaiserlichen Truppen seine Städte öffnete, war es dieeinzige Stadt Stralsund', welche dem stolzen Sieger, der sich bereits Stralsund.„Admiral der Ostsee" nannte, zu trotzen wagte und seinem Heer ihre Thoreverschloß. Zornig erschien Wallenstein vor der Stadt, deren Belagerungsein Feldherr Arnim bereits begonnen hatte, und schwur, „die Stadt zuerobern, und wenn sie mit Ketten an dem Himmel hinge!" Aber weder diewiederholten Stürme, noch die heftige Beschießung, bei der an einigen Tagenüber 1500 Kugeln in die Stadt geworfen wurden, konnten den Mut derBürger brechen. Die Einwohner verteidigten sich, von Dänemark undSchweden unterstützt, mit heldenmütiger Tapferkeit. Endlich ließ Wallen-stein die Belagerung, welche 10 Wochen gedauert und ihm 12 000 Manngekostet hatte, aufheben (August 1628).

Im folgenden Jahre schloß Wallenstein mit Christian von DänemarkFrieden zu Lübeck (1629) und gab ihm gegen das Versprechen, sich nicht ^ferner in die deutschen Angelegenheiten zu mischen, seine Länder zurück. Lübeck- 1629.

»Dessau, jetzt Hauptstadt des Herzogtums Anhalt-Dessau, an der Mulde,die sich eine halbe Stunde unterhalb der Stadt in die Elbe ergießt. — Lütter,

Dorf an den nordwestlichen Ausgängen des Harzes. — Stralsund, Stadt an demSunde, welcher das Festland von der Insel Rügen scheidet, im nordwestlichen Pom-mern. Die jetzige Provinz Poinmern (S. 125 Anm. 1) stand bis 1637 untereigenen Herzögen.