Band 
Erster Kursus.
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Wilhelm l.

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durch Sachsen nach dem Herzen des preußischen Staates zu ziehen, vollführenkonnte, rückten die Preußen in drei Armeen unter mehreren siegreichen Tref-fen in Böhmen ein und nötigten so die Österreicher zu einer Entscheidungs-schlacht: dies war die Schlacht bei Königgrätz'.

Als die Vereinigung der preußischen Armeen inAussicht stand, hatteKönigWilhelm am 30. Juni 1866 in Begleitung des Kriegsministers v. Roon,des Chefs des Generalstabs v. Moltke und des Ministerpräsidentenv. Bismarck Berlin verkästen, um sich selbst auf den Kriegsschauplatz zubegeben. Nachdem er am 2. Juli im Hauptquartier zu Gitschin' ange-kommen, ging die Nachricht ein, daß die österreichische Armee eine feste Stel-lung zwischen Elbe und Bistritz', nordwestlich von Königgrätz eingenom-men habe. Sofort beschloß man, Benedek am nächsten Morgen (3. Juli)mit allen Kräften anzugreifen und zwar mit der ersten Armee (unter PrinzFriedrich Karl) im Centrum, während die Elbarmee (unter Herwarthv. Bittenfeld) nach Überschreitung der Bistritz ihm in die linke Seite unddie vom Schlachtfelde am weitesten entfernte zweite Armee (unter demKronprinzen) ihm in die rechte Seite fallen sollten.

Bis zum Eintreffen der II. Armee, welches voraussichtlich nicht vor KöniggrätzMittag erfolgen konnte, hatten die I. und die Elbarmee einen blutigen Kampf 3. Juliinsbesondere gegen die österreichisch-sächsische Artillerie, welche auf den Höhen ^66.hinter der Bistritz aufgestellt war, zu bestehen. Doch gelang es demKronprinzen, obschon seinem Vordringen große Hindernisse, namentlich ver-anlaßt durch den vom Regen aufgeweichten Lehmboden, sich entgegenstellten,mit der II. Armee noch zeitig genug einzutreffen und die I. Armee aus ihrerschwierigen Lage zu befreien. Die bisher hin und her schwankende Schlachtentschied sich nun rasch zu Gunsten der Preußen, die Höhe von Chlum,der Schlüssel der österreichischen Stellung, wurde genommen und die öster-reichische Schlachtlinie zum Rückzug gezwungen. Gegen 4 Uhr nachmittagsleitete der König, an der Spitze der Reserven, die Verfolgung des Feindesein, welche bis zum Einbruch der Dunkelheit fortgesetzt wurde.

3. Wie tief Österreich bei Königgrätz gedemütigt und geschwächt war, Folgen vongeht aus dem Umstände hervor, daß unmittelbar nach dieser Schlacht der Königgrätz.österreichische General v. Gablenz in das preußische Hauptquartier abgesandtwurde, um eine Waffenruhe zu erlangen. Er wurde abgewiesen. Die preu-ßische Armee rückte weiter vorwärts. Allgemein erwartete man eine zweiteSchlacht, entweder bei Olmütz oder vor den Mauern Wiens. Da trafplötzlich die überraschende Nachricht ein: „Der Kaiser von Österreich, nach-dem er die Ehre seiner Waffen in Italien" gewahrt hat, tritt Venetien anden Kaiser der Franzosen ab und nimmt die Vermittelung desselben zur Her-beiführung des Friedens an." — Unter französischer Vermittelung kamhierauf am 23. August 1866 der Friede von Prag zustande. — In- F^ede zufolge desselben blieb der Länderbesitz der österreichischen Monarchie unverändert, Pragmit Ausnahme von Venetien, welches von dem französischen Kaiser an 1866.Italien (S. 227 Anm. 2) abgetreten wurde. Dagegen erkannte Österreichdie Auflösung des deutschen Bundes an und gab seine Zustimmung zu

> Königgrätz, Stadt und Festung an der oberen Elbe in Böhmen. — Git-schin, Städtchen nordwestlich von Königgrätz. — Bistrih, rechter Nebenfluß der Elbe.

2 Die österreichische Südarmee hatte die Italiener in der Schlacht bei Lu-st ozza am 24. Juni 1866 geschlagen. Ebenso trug die österreichische Flotte ani20. Juli in der Seeschlacht bei Liisa den Sieg davon.