Wilhelm I.
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sainmlung zu Bordeaux: Friedensbedingungen. Einzug in Paris 1. März. Friedezu Versailles 2. März und zu Frankfurt a. M. 10. Mai 1871.
1. Dus Vorspiel. — Was König Wilhelm I. bei der Eröffnungdes ersten Reichstages des Norddeutschen Bundes in Aussicht genommenhatte, „die Wiederherstellung und Erhöhung der deutschen Macht und derdeutschen Ehre", das erfüllte sich nach Gottes Fügung schon nach wenigenJahren, und der alte Erbfeind Deutschlands, Frankreich, das seit dreiJahrhunderten immer das eine Ziel im Auge behalten hatte, Deutschlandzu schwächen und in Zerrissenheit zu erhalten, sollte wider seinen Willendas Mittel werden, unser Vaterland auf die Höhe zu heben, die ihmunter den Völkern gebührt.
Die Erfolge Preußens im Jahre 1866, die wachsende Macht dieses Veranlas-Staates, die immer mehr und mehr in Aussicht stehende Einigung der sung zumdeutschen Stämme und Völker hatten die Eifersucht und den Neid Frankreichs Krieg,erregt. Hatten es doch die Franzosen seit den Zeiten Ludwig des XIV.als ein Vorrecht ihrer „großen Nation" angesehen, daß sie in Europa diegebietende Macht seien. Nun sahen sie auf einmal ein Reich entstehen,welches bei seiner Größe, Macht und Lage naturgemäß ihren Einfluß be-drohte ; während Deutschland bei seiner früheren Zerrissenheit und Spaltungden Franzosen vor allem Vorteil geboten hatte. Dieses Werk in seinerWeiterentwicklung zu hindern, „Rache für Sadowa' zu nehmen", das wardaher seit dem Tage von Königgrätz der Plan der kaiserlichen Regierung inFrankreich. Nachdem aber alle Versuche, den Fortgang der deutschen Eini-gung zu hindern, bis daher gescheitert waren, machte Kaiser Napoleon 1H.
(S. 221) eine unbedeutende Streitfrage zum Kriegsfall.
Im Jahre 1868 hatten die Spanier ihre Königin Jsabella vertriebenund hierauf eine neue, freiere monarchische Verfassung aufgestellt. Abernoch war es ihnen nicht gelungen, für dieselbe auch den erforderlichen Königzu finden. Da kamen sie auf den Gedanken, dem Prinzen Leopold vonHohenzollern die Krone anzutragen. Derselbe, 1815 geboren, war ka-tholischer Konfession, mit einer Prinzessin von Portugal vermählt und durchseine Mutter dem Kaiser von Frankreich nahe verwandt, weshalb man ver-muten konnte, seine Berufung werde auch diesem angenehm sein. Aber un-glücklicherweise stammte er, wie dies schon sein Name „Prinz von Hohen-zollern" besagte, aus einer Nebenlinie der preußischen Königsfamilie, und Na-poleon und sein Anhang erblickten in der Erhebung eines Hohenzollers denVersuch, Preußens Macht und Einfluß zu vergrößern, und drohten mit Krieg,wenn dieser Plan nicht aufgegeben würde. Als Prinz Leopold, der die An-nahme der Krone bereits zugesagt hatte, erfuhr, welche Gefahr für den euro-päischen Frieden seine Wahl haben würde, verzichtete er freiwillig auf den spani-schen Thron. KönigWilhelm, davon unterrichtet, billigte die Verzichtleistung.
Damit war man inPar i s jedoch nicht zufrieden: vielmehr wurde der fran-zösische Botschafter Benedetti angewiesen (Juli 1870), an König Wilhelm, Benedettiwelcher in Eins' zu seinerErholung weilte, die Zumutung zu stellen, er solle die m Ems.bestimmte Versicherung erteilen, daß auch in Zukunft ein derartiger Antragnicht angenommen werden würde. König Wilhelm hielt es aber unter seiner
'Sadowa Dorf, nordwestlich von Königgrätz, nach welchem die Schlacht beiKöniggrätz auch benannt wird. — Ems, Badeort in der Provinz Nassau an derLahn (rechtem Nebenflüsse des Rheins).