Band 
Zweiter Kursus.
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Theseus 1300 — 1250 vor Chr.

er stöhnend zur Erde fiel. Thcscus nahm die Waffe des bestraften Keulcn-schwingcrs und zog weiter. — Darnach gelangte er zu Sinnis, dem Fich- Sinais,tcnbenger, welcher am Eingänge der korinthischen Landenge hauste. Dieser bogda zwei Fichten zusammen und lud die Vorüberreisendcn ein, das Kraftstücknachzumachen. Konnten sie das nicht, so band er sie an die Wipfel undließ sie durch die zurückschnellenden Bäume zerreißen. Theseus zeigte sichaber stärker als der Niese. Er faßte ihn an der Gurgel und ließ ihndie Marter erdulden, welche derselbe so vielen unschuldigen Wanderern an-gethan hatte. — Theseus kam Athen, dem Wohnorte seines Vaters, immernäher; aber ein Hauptkampf stand ihm noch bevor. Am Ufer des Cephiffus^hauste ein Riese, Prokrnstes, der Ausdchner, genannt. Er lud alle Fremd- Prokrustes.linge zu sich ein, bewirtete sie und führte sie abends in ein Gemach, wozwei Bettgestelle standen, ein großes und ein kleines. War der Gast vonkleiner Statur, so legte er ihn in die große Bettstelle, band ihm die Füßean das untere Ende an und zog dann so lange am Kopf, bis der Scheiteldas obere Ende berührte — eine Folter, die immer mit dem Tod endigte.

War der Gast aber groß, so warf er ihn in die kleine Bettstelle und hiebihm die hervorragenden Beine ab. Bei Thcscus kam der Riese aber übelan; denn dieser drückte ihn selbst auf das kleine Bettgestcll und tötete ihn.

3. Nun gelangte Theseus nach Athen. Von seinem Vater wurde er Theseusfreundlich empfangen, aber die Söhne seines Oheims Pallas, die bei der Athen,vermeintlichen Kinderlosigkeit des Ägcus auf die Thronfolge gerechnet hatten,waren ihm desto mißgünstiger. Sie versuchten, ihn gewaltsam aus demWege zu räumen, doch Theseus besiegte sie. Bald sah auch ganz Athen,welch' ein Wohlthäter ihm in Theseus gekommen war. Ein ingrimmiger h^sStier irrte damals in den Feldern von Marathon umher; es war derselbe, Enrysthcus.den Enrysthcus losgelassen hatte. Niemand wagte sich an das Tier, aberTheseus erlegte es.

Auch befreite Thcscus Athen von einer entehrenden Abgabe. Der Kreta.König Minos von Kreta hatte die Athener gezwungen, ihm alle neun Jahresieben Jünglinge und sieben Jungfrauen zu schicken, die in das Labyrinth 2gesperrt wurden. Aus den vielen Jrrgängen dieses Gebäudes konnte sichniemand heraus finden, und jeder Dareingewvrfene wurde zuletzt eine Beutedes Minotaurus, eines Ungeheuers, das halb Mensch und halb Stier Minotaur.war. Eben sollte wieder der verhaßte Tribut nach Kreta abgehen: da erbotsich Theseus, frciweillig an dem Zuge teilzunehmen. Mit blutendem Herzensah der alte Vater den blühenden Sohn scheiden; dieser versprach, wenn ersiegreich heimkehre, ein weißes Segel aufstecken zu lassen anstatt des schwar-zen, mit welchem die traurige Fahrt zu geschehen pflegte.

Thcscus kam nach Kreta, und dort gab ihm die Königstochter Ari- Ariadne.adnc, deren Liebe er gewonnen, einen Knäul, um ihm die Rückkehr ausdem Labyrinthe zu sichern. Nachdem der Held am Eingänge den Fadenfestgeknüpft hatte, drang er mutig bis zum Minotaur vor und hieb ihmmit dem Schwerte den Kopf ab. Nach dieser That wurde Athen von demschimpflichen Zinse entbunden, und Theseus schiffte sich darauf mit seinenGefährten und der geliebten Ariadne, die er aber auf der Insel Naxos^treulos verließ, nach Attika ein.

r CephissuS, Fluß in Attika, der in den Hafen von Athen mündet. — Naxos,nsel im ägeischen Meere, zu den Lykladen gehörig.

2 Das Labyrinth aus Kreta ist nicht mit dem in Ägypten zu verwechseln.