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Alte Geschichte.
nahte sich ihm Odyfseus mit einer Kanne Weines und sprach: „Da trinkCyklop! Auf Menschenfleisch schmeckt der Wein gut!" Bald hatte er dieKanne geleert und sprach mit Schmunzeln: „Schenk' noch einmal ein undsage mir auch deinen Namen, damit ich dir ein Gegengeschenk geben kann."Dreimal schenkte Odysseus ein und dreimal trank der Thor, so daß ihmder Wein die Sinne umnebelte. Dann sagte der schlaue Grieche: „MeinenNamen begehrst du? Nun so wisse: Niemand heiße ich; Niemand nennenmich Vater und Mutter und alle anderen Leute." „So", stammelte derUnmensch, „da will ich „Niemand" von euch allen zuletzt verspeisen. Dassoll mein Gastgeschenk sein!"
Mit diesen Worten taumelte er um und schlief fest ein. Jetzt langteOdysseus den Pfahl herbei, steckte die Spitze in das Feuer und drehte sieso lange um, bis sie knisternd Funken sprühte. In einem Nu saß demSchläfer der heiße Stachel im Auge! — Grauenvoll war das Gebrüll desRiesen; rings umher hallte es zurück von den Felsen. Da kamen die Nach-barn herbeigelaufen und riefen von draußen: „Was geschah dir für Leid,Polyphem? Will dich jemand mit List oder Gewalt ermorden?" — „Ach,Niemand erwürgt mich, Niemand thut es mit List!" — „Nun, wenn dichniemand antastet, so bist du krank und mußt Poseidon (S. 16 Anm.), deinenVater, um Schutz anflehen", sagten die Nachbarn und gingen davon.
Wie freute sich Odysseus, daß sein angenommener Name die Riesengetäuscht hatte! Aber noch war eine große Gefahr zu bestehen; denn amMorgen setzte sich der Cyklop in die nur halb geöffnete Thür und streckteseinen Arm über den Rücken der vorbeigehenden Tiere, um jeden Griechenzu fassen, der mit ihnen hinausschleichen wollte. Doch auch dagegen hatteOdysseus ein Mittel gefunden. Er hatte während der Nacht je drei unddrei' der stärkeren Böcke mit Weidenruten verbunden und an den mittlereneinen der Gefährten befestigt. Für sich selber aber hatte er den kräftigstenWidder behalten. Glücklich kamen die Dreigespanne mit ihrer Last an demRiesen vorüber; nun kroch Odysseus unter den Bauch seines Widders undhielt sich mit Händen und Füßen in der dichten Wolle fest. Auch er ge-langte unangefochten durch die Thür. Nun eilten die Geretteten zu ihremSchiff und stießen vom Land ab.
Als sie eine Strecke vom Ufer waren, rief Odysseus: „Heda! Cyklop!Merkest du, daß du keinen unrühmlichen Mann beherbergt hast? MeineFreunde hattest du nicht umsonst gefressen! Deine blutige Stirn zeigt dirden Lohn für deine argen Thaten!" — Bei den kränkenden Wortenschleuderte der Riese einen Felszacken nach der Richtung, woher dieWorte gekommen waren. Dicht hinter dem Schiff fiel der Block in dasMeer und erregte mächtige Wellen. — Darauf sing der Grieche wiederan: „Noch eins Cyklop! Befragt dich jemand um deines Auges Er-blindung, so sprich: das hat der Städteverwüster Odysseus gethan, desLaertes Sohn aus Ithaka!" — „Verwünschter Gast!" schrie Polyphem.„So ist also erfüllt, was ein Wahrsager mir prophezeite: Odysseus hat mirmein Auge geblendet! Aber ich dachte immer, ein riesiger Recke würde michheimsuchen und nicht so ein kleiner erbärmlicher Wicht, der nur mit Hilfedes Weins mich meines Auges beraubt!" Dann flehte er von seinem Vateralles Ungemach herab auf das Haupt des Odysseus und schickte noch einmächtiges Felsstück dem Schiffe nach. Die Griechen aber erreichten wohl-behalten ihre übrigen Gefährten.