Band 
Zweiter Kursus.
Seite
34
JPEG-Download
 

34

Alte Geschichte.

deren Dienst vernachlässigt hatte. Deshalb wählte man zu seinem Nach-^"^^^folger den Ankns Marcius, einen Enkel des Nnma Pompilius, welcher640-616. Gottesdienst in der Weise seines Großvaters wieder herstellte. DieserKönig regierte 24 Jahre (640—616), besetzte den aventinischen Hügel(S. 35 Anm. 1.) mit Latinern und gründete Ostia i.

14. Servius Tullius 578—534 vor Chr.

1. Tarquinius Priskus 616—578. Das Kapital und die Kloaken. Tod desTarquinius. List der Tanaquil. 2. Servius Tullius 578—534. Bebauung desviminalischen und esquiliuischeu Hügels. Rom Siebenhügelstadt. Verfassung: vier Tribus,sechs Vermögensklasscn, 193 Centurien. 3. Lucius und Tullia. Servius ermordet.Tarquinius Superbus 534—509. Scxtus und Lukrctia. Rom Republik509—30 vor Chr. Konsuln. Krieg mit Porsena; Schlacht am See Regillns 496.

Tarquinius ch 495.

1. Ankns Marcius hinterließ zwei Söhne, die er dem Lukumo,welcher von seiner Vaterstadt Tarquinii in Etruricn den Beinamen Tarquiniusführte, als Vormund anvertraut hatte. Dieser schickte aber, als die Wahldes neuen Königs vollzogen werden sollte, seine Mündel auf die Jagd undbat sich selbst von dem Volk die Königswürde aus. Unter dem NamenTarquinius Tarquinius Priskus, d. i. der Alte, regierte er zur Zufriedenheit der616—578 diömer von 616—578. Die reiche Beute aus seinen glücklichen Kriegengegen die Sabincr und Latiner wandte er auf großartige Bauten. So legteer das Forum (Markt) und den Lirouo maximus an und begann den Bauder Ringmauer. Auch ließ er großartige Abzugskanäle, die Kloaken, mauern,durch welche der tiefliegende Teil Roms entwässert und aller Unrat in denTiber geleitet wurde.

Die Söhne des Ankus hatten bisher gehofft, nach Tarquinius zur Re-gierung zu gelangen. Als sie aber merkten, daß er die Nachfolge seinemSchwiegersohn Servius Tullius zuwenden wollte, machten sie den An-schlag, den König zu töten und sich des Thrones zu bemächtigen. Sie be-stachen zwei Hirten: diese drangen zankend und lärmend in die Wohnungdes Königs ein und baten um Schlichtung des Streites. Tarquinius kamherzu, und während er der Erzählung des einen zuhörte, schlug ihn derandere zu Boden (578).

Dennoch erreichten die Söhne des Ankus ihre Absicht nicht.- Nach Er-Tanaquil. mordung des Königs ließ Tanaquil, dessen Gemahlin, alsbald die Burgverschließen und den Servius holen. Sie zeigte ihm den Leichnam undsprach: „Nicht die Mörder müssen herrschen, sondern dein ist das Reich,wenn du ein Mann bist!" — Darnach gab sie der Menge den Bescheid,Tarquinius lebe noch und befehle, bis zur Genesung seinem Schwiegersöhnezu gehorchen. Das Volk war es zufrieden, die Söhne des Ankus aber entwichenaus Furcht vor der Strafe.

Servius Tullius war von einer gefangenen Fürstin in dem Hause deSTarquinius geboren worden. Schon als Kind erregte er große Aufmerksam-keit, so daß Tanaquil zu ihrem Gemahl sagte: „Gieb acht, dieser Knabewird einst für uns eine Leuchte und für das sinkende Königshans eine Stützesein!" Er empfing eine gute Erziehung und ward später wegen seiner Tüch-tigkeit von Tarquinius zum Eidam genommen. Als Stellvertreter ausgc-

' Ostia, der Hafen Roms an der Mündung des Tiber.