Band 
Zweiter Kursus.
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Alte Geschichte.

Die Lim-bern ander Etsch.

Vercellä

101 .

Manns' 6.Konsulat.

Sulla geb.138.

Bundesge-

nossenkrieg

91-88.

Inzwischen hatten die Cimbern die tiroler Alpen überschritten undden Konsul Katulus bis hinter die Etsch zurückgedrängt. Um über letzterezu kommen, rissen sie Bäume aus und warfen diese nebst Felsblöcken in denFluß, so daß ein Damm entstand. Eben darum zog sich Katulus mit seinenTruppen hinter den Po zurück. Dort blieb er, bis Mar ius im Jahre 101zu ihm gestoßen war; dann rückten beide Feldherrn dem Feinde entgegen.Die Cimbern forderten noch einmal Land für sich und ihre Strcitgenossen,die Teutonen. „Lasset nur die Teutonen", antwortete Marius, „die habenvon uns bereits Land erhalten, wo sie ewig bleiben werden, und ihr werdetsolches auch zur Genüge empfangen." Zugleich ließ er den gefangenenTcutoboch in Ketten vorführen. Da begehrten die Cimbern zu kämpfen, undihr König Bojorix kam mit Marius überein, am dritten Tage auf derEbene von Vercellä ^ die Entscheidungsschlacht zu schlagen.

An dem festgesetzten Tage (30. Juli 101) begann ein schwerer Kampf.Für die Römer wirkte die Hitze und die Sonne. Denn die Cimbern, inkalten, schattigen Gegenden aufgewachsen, konnten die Wärme und das Lichtnicht wohl ertragen. Der Schweiß entkräftete ihren Körper, und sie hieltendie Schilde gegen die Sonne vor das Gesicht. Es kam zu dem furchtbarstenHandgemenge, in welchem die Römer mit ihren kurzen Schwertern großenVorteil hatten. Treffliche Dienste leisteten auch die von Marius erfundenenSpeere niit Widerhaken, durch welche die Römer der Feinde Schilde herab-zogen, so daß der Mann ohne Deckung dastand. Also geschah es, daß dergrößte Teil der Cimbern getötet wurde. Die vorderste Reihe hatte sich durchKetten verbunden; sie lag wie an einer Schnur dahingestrcckt. Als dieRömer bis zur Wagenburg vordrangen, hatten sie noch einen Kampf mitden cimbrischen Frauen zu bestehen. Viele von diesen erdrosselten ihre eigenenKindleins, damit sie nicht den Römern lebendig, in die Hände fielen, undbrachten sich dann selbst um. Dennoch betrug die Zahl der Gefangenen60 000; die der Getöteten war 120 000. — Marius aber genoß für dieRettung Italiens die größte Ehre. Man bewilligte ihm einen Triumph,nannte ihn den dritten Gründer Roms und übertrug ihm für das folgendeJahr (100) das sechste Konsulat.

3. Die weiteren Schicksale des Marius sind auf das innigste mit denenseines Nebenbuhlers Sulla verknüpft.

Lucius Kornelius Sulla (geb. 138) stammte aus dem patricischenGeschlechte der Kornelier, war in den Wissenschaften unterrichtet und gefieldurch sein liebenswürdiges Betragen. Unter Marius kämpfte er mit Aus-zeichnung in Afrika und zog sich dort, wie schon erwähnt, durch die Aus-lieferung des Iugurtha (106) allgemeines Lob, aber auch des OberfeldherrnHaß zu. — Seinen Kriegsruhm begründete er im Bundesgenossenkrieg91—88, in welchem' die italienischen Völkerschaften (Marser, Samniter,Lukaner* n. s. w.) sich römisches Bürgerrecht erkämpfen wollten. Sullagewann hier eine Reihe glänzender Siege. — Wenn die Römer trotzdemden Bundesgenossen das begehrte Bürgerrecht bewilligten, so lag dies darin,daß eine andgre Gefahr von ihrem Staate abzuwenden war.

' Vercellä, im nordwestlichen Oberitalicn; jetzt Vercelli unweit der Sesia. —Marser, Nachbarn der Samniter nach Norden. — Samniter, S. 31 Amn. 2.— Lukaner, Nachbarn der Samniter nach Süden.