Band 
Zweiter Kursus.
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Das Christentum.

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21. Das Christentum.

Die Geburt Jesu Christi das wichtigste Ereignis der ganzen Weltgeschichte. DasHeidentum: Ehre und Vaterland; Christentum: das Reich Gottes. Die Entartungder Römer. Die Sendung des Sohnes Gottes. Die damalige Ausdehnung desrömischen Reiches. Die Messiashoffnungen der Juden.

Unter Augustus' Regierung trat mit der Geburt Jesu Christi, daöwichtigste Ereignis der ganzen Weltgeschichte ein.

Bis dahin kämpften und stritten die Menschen für ihre Ehre, zudes Vaterlandes Ruhm; aber das, wofür sie kämpften, war doch nuretwas Irdisches, Vergängliches. Das Höchste, wonach der Mensch ringensoll, das, was ewig und unvergänglich ist, was kostbarer als Gold undEdelstein, das Reich Gottes, welches alle Menschen umfaßt, in welchemes weder Herren, noch Sklaven giebt, wo der König gleich ist dem Bettler,in welchem die Liebe waltet und der Geist des Friedens — dieses Reichwar dem Altertum verborgen; darum waren die Menschen dahingegeben inihres Herzens Lüste und Begierden, darum konnte alle Weisheit und Kunstihnen nichts helfen, darum wandelte das Volk in der Finsternis und imSchatten des Todes. Die Vornehmen und Reichen schwelgten in Prachtund Wohlleben, sie fühlten aber doch das Nichtige ihres Treibens undkonnten die Stimme ihres Gewissens nicht übertäuben. Das Volk betete

und opferte vor den Götzenbildern, es fühlte aber, daß diese Götter ihm

nichts helfen konnten. Die Fcstaufzüge und Opfer, die Wahrsagcrei undZcichendeuterei waren den Priestern selbst zum Spott geworden; wenn sichzwei römische Auguren' begegneten, mußten sie lachen. Die ehrfurchtsvolleScheu vor der Übermacht der Götter, welche früher auch den Kühnstenund Mächtigsten erfüllt hatte, war von Rom gewichen; der ernste Römer-sinn war zur gemeinen Denkart geworden. Mit dem Verfall der Religionnahmen Verbrechen überhand. Wilde Bürgerkriege traten Menschenwürdeund Menschenrechtc mit Füßen und vollendeten das Elend des gott-

entfremdeten Volkes. In dieser Not sehnten sich alle tieferen Gemüter

nach Erlösung, nach reiner Gotteserkenntnis und nach reiner Gottes-verehrung; wer konnte aber das Bessere bringen, wer anders alsGott selber? „Als die Zeit erfüllet war", sandte er seinen eingeborenenSohn, Jesus Christus, in die Welt und machte ihn zum Grund- undEckstein der sittlichen Wiedergeburt des Menschengeschlechts. Vonihm, dem König aller Könige, ward ein Reich gestiftet, das bereits größerist, als die Weltmonarchie eines Alexander oder Augustus, das schon längergestanden hat, als alle Weltreiche der alten und neuen Zeit, und das be-stehen wird bis an den jüngsten Tag.

Und Gottes unendliche Weisheit sandte den Heiland zu einer Zeit,welche der Ausbreitung des Evangeliums großen Vorschub leistete.

Unter Augustus (30 vor Chr. — 14 nach Chr.) erstreckte sich dasrömische Reich über drei Weltteile dahin. Es reichte von den Wasferfällcndes Nils bis zum Rhein und zur Donau, von Portugals (Lusitaniens)Gestaden bis an den kaspischen See und den Euphrat und Tigris; es um-faßte sonnt beinahe den ganzen damals bekannten Erdkreis. Alle Länderum das mittelländische und das schwarze Meer gehorchten einem Zepter.Alle Gebildeten darin verstanden die griechische Sprache, in welcher die> Die Auguren waren Priester, welche aus dem Flug und Geschrei:der Böget,aus der Gestalt der Blitze rc. den Willen der Götter verkündigten.

GeburtChristi1. nach Chr.Heidentum.

Christen-

tum.

Ausdeh-nungdes röm.Reiches.