Band 
Zweiter Kursus.
Seite
78
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Mittlere Geschichte.

ihr König Alarich II. (S. 76) von Klodwig selbst mit dem Speere durchbohrt.Der größte Teil des westgotischen Gebietes (alles Land zwischen der Loire und denPyrenäen) fiel den Franken zu, und nur der Küstenstrich von den Pyrenäenbis zur Rhone verblieb seinen bisherigen Eigentümern.

Nun ging Klodwig daran, auch die übrigen von seinen Vettern be-herrschten Frankcnstämme unter seine Herrschaft zu vereinigen. Allein kaumwar das Reich der Franken durch Eroberung, Blut und Mord aufgebaut, sowurde Klodwig vom Tode überrascht. Er starb 511 im 45. Lebensjahre zu^ ' Paris, welches er (508) zu seiner Residenz gewählt hatte.

29. Die Hausmeier im Frankcnreiche.

Karl Martell 714—741.

1. Teilung des Frankenreichs: Austrasien, Neustrien; Unterwerfung der Thüringer 530und Burgunder 534. Das Amt der Hausmcicr. Pipiu von Heristal 687—714;Karl Martell 714—741. 2. Die Araber: Muhamcd und die 4 ersten Kalifen. (AlmBekr, Omar, Osman u. Ali). Eroberung von Westasicn und Nordafrika. Tarik nach Spa-nien; Schlacht bei Leres de la Frontera 711. Eroberung des westgotischen gleiches.Abderrahman überschreitet die Pyrenäen: Schlacht bei Tours und Poitiers 732. Kart„Martell". 3. Pipin der Kleine, Majordomus 741—751 und König der Franken

751—768. Der Kirchenstaat. Die Karolinger: Karl der Große 768—814.

1. Nach Klodwigs Tode wurde das Frankenreich unter seine vier Söhnegeteilt. Die östliche Hälfte des Ganzen erhielt den Namen Austrasien, d. i.Unterwer- Ostfranken, die westliche hieß Neustrien, d. i. Wcstfranken. DieBrü-fung Thü- ^ dehnten ihre Herrschaft immer weiter aus. Im Jahre 530 unterwarfenringen« 530,sie das Land der Thüringer* und 534 daS Reich der Burgunder. AuchBurgunds um diese Zeit die Herrschaft über den südlichen Teil Alemanniens und534. über die Provence von den Ostgotcn (S. 77) an die Franken über.

Später brachen im Merowingischcn Königsgeschlcchte blutige Zwistigkeitenaus und in einem Zeitraume von etwa vierzig Jahren (575—613) kamensechs Könige durch Schwert oderVergiftung um. Als der Blutdurst des Geschlechtsgesättigt war, gaben sich die Herrscher dem Wohlleben hin und schwelgten,wie ihre Vorfahren gekämpft hatten. Die Regierung überließen sie ihremHausmeier.Hausmeier (mujoräoinus, Großhofmeister). Dieser führte das Heer an, be-setzte alle Stellen und ließ dem Könige nur die Ehre des Namens und derKrone. Bloß einmal im Jahre, bei der Märzversammlung 2 , erschien der Königöffentlich vor denrBolke. Da empfing er die vonderNation dargebrachten Geschenkeund verteilte nach Weisung des Großhofmeisters die erledigten Güter. Hernachfuhr er wieder nach seinem Palast und blieb daselbst bis znm folgenden Märztage.

Seit dem Jahre 687 war Pipin von Heristal^ Hansmeier in Au-Pipiu von strasien, während Neustrien und Burgund von einem andern verwaltet wurden.^ 687 ^ Mischen den beiden Beamten kam es zum Kriege. Pipin gewann 687 die- ' Schlacht bei Testri 3, ward alleiniger Hausmeier und schrieb sich nun Herzog

und Fürst der Franken (äux 6t, xrinosxs k'raneorum). Ihm folgte 714sein kräftiger Sohn Karl Martell, der siegreich der Gefahr begegnete, welcheAraber. Araber von Spanien her über das germanisch-christliche Europa brachten.

* Die Thüringer, eindeutfches Volk, das am oberen Main und an der Saale wohnte.

2 Die Märzvcrsammlung oder das „Märzfeld" war die jährlich«!Zusammen-kunft aller freien Männer, um über das, was die Volksgemeiude (S. 67) anging, Beschlußzu fassen. Pipin der Kleine verlegte diese Versammlung auf den Mai, worauf sie „Mai-feld" genannt wurde. Dieser Brauch hat sich bis nach Karl dem Großen erhalten.

' Heristal, Ort nahe bei Lüttich im heutigen Belgien. — Tcstri, an derSomme, unweit St Quentin.