Karl Martell 714-741.
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2. Die Araber oder Sarazenen verbreiteten, der Anleitung Muhamcdsgetreu, den Islam mit Feuer und Schwert. Schon unter den vier ersten Kalifen632—661 (Abu Bckr, Omar, OsmannndAli) eroberten sie Phbnicicn,Palästina,
Syrien, Persien und die Nordküste Afrikas. Zu Anfang des 8. Jahrhundertssetzten sie unter dem Feldherrn Tank* nach Spanien über und schlugen 711 denwestgotischcn König Roderich bei leres de la Frontera-. Roderich er- ^strank im Guadalguivir, und Spanien gehorchte den Arabern (S. 63). Nur
der nordwestliche Gebirgsstrich (Galicicn) verblieb den Goten.
Nach der Unterwerfung Spaniens faßten die Araber den Plan, über diePyrenäen zu steigen und von dort aus nach Osten vorzudringen. Hofften siedoch, auf diese Weise ihren Brüdern im Morgenlande, die Kleinasien siegreichdurchzogen und schon zweimal Konstantinopel zu Wasser und zu Lande (668bis 675 und 718) belagert ^ hatten, die Hände zu reichen. Und wirklich brachAbderrahman, der Statthalter von Spanien, in das Frankenreich ein und er-oberte einen Teil des Landes. Da sammelte Karl, der fränkische MajordomuS,seine Scharen und zog dem Feinde entgegen. In der Ebene zwischen Tours Tours undund Poitiers^ schlugen die Völker des Ostens und Westens eine Ricsenschlacht, doitiersdie sieben Tage dauerte (Oktober 732). Und diefeurigeKampfeswutder Sarazenenerlag dem eisernen Arme der Deutschen. Abderrahman selbst sank fechtendin den Tod. Und nur Trümmer seines Heeres entkamen der blutigen Walstatt.
Dieser Sieg bei Tours ist einer der wichtigsten; denn durch denselben wurdefür das Abendland neben der Freiheit und der eigenartigen Sitte das Christen-tum gerettet. Karl bekam (im 11. Jahrhundert) von der Schlacht den Ehren-namen Martell, d. h. der Hammer, weil er durch seine wuchtigen Hiebe dieMacht der Barbaren zertrümmert hatte.
3. Auf Karl Martell folgte (741—768) sein Sohn Pipin, der wegen Pipin derseiner gedrungenen Gestalt „der Kleine" genannt wurde. Dabei besaß er aberriesenmüßige Kraft, und als einst bei einem Tiergcfechte über seine kleine Figur ^ ^ "b-gescherzt wurde, trat er mit dem Schwerte mitten auf den Kampfplatz und hieb
einem Löwen, der eben auf einen Büffel gesprungen war, mit einem so fürchter-lichen Streiche den Kopf ab, daß das Schwert noch tief in den Nacken des Büffelsdrang. Dieser kräftige Mann eignete sich die königliche Würde, welche er der Thatnach schon behauptete, auch dem Namen und Rechte nach zu. MitZustimmnng desPapstes schickte er den letzten Merowinger (Childerich den III). inS Kloster,setzte sich selbst die Krone aufs Haupt und empfing von B o nif a eins, dem Apostelder Deutschen, der Erzbischof von Mainz geworden war, die Salbung (751).
Im Jahre 755 schenkte Pipin aus Dankbarkeit dem römischen Bischof denKüstenstrich von Ankona bis Ravenna 2 , den er den Langobarden entrissen hatte,und legte dadurch den Grund zu dem Kirchenstaats Mit Pipin beginnt
* Von Tarik empfing der Ort, wo er landete, die südlichste Spitze Andalusiens,den Namen „Felsen des Tarik", Oodol -ü 1'arik, d. i. Gibraltar. Bis dahin hießer die Säulen des Herkules.
2 leres dela Frontera, Stadt in Andalusien, südwestlich von der Mündungdes Guadalguivir. — Tours und Poitiers, Städte im westlichen Gallien, ersterean der Loire, letztere südlich davon an der Eisenbahn nach Bordeaux. — Ankona, S.
50 Anm. — Ravenna, S. 62 Anm. — Der Kirchenstaat hat von 755—1870bestanden.
° Konstantinopel widerstand durch die Festigkeit seiner Mauern und die zer-störende Wirkung des sogenannten griechischen Feuers. Letzteres, eine für uns ver-loren gegangene Erfindung des griechischen Mönches Kallinikus, brannte auch unterdem ÄZasser fort und diente zur Anzündnng der feindlichen Flotte.