Die deutschen Karolinger 843—911.
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vom Felde, verwüsteten Städte und Dörfer, ermordeten die wehrlosen Bewohneroder schleppten sie in die Gefangenschaft und waren auf ihren schnellen Rossenlängst entflohen, ehe ein Kriegsheer heranrückte. Die Räuber richteten anfangs(902—907) ihre Streifzüge nach Kärnthen und Baiern, später aber suchten sieauch Thüringen und Sachsen (908), Schwaben (909) und sogar Rheinfranken (910)heim. Sie brachten über Deutschland solche Not, daß man auf das unglücklicheLand den Spruch Salomos (Pred. 10,16) anwandte: „Wehe dem Lande, desKönig ein Kind ist." Doch dieses Kind starb zu seinem und des Landes Heil schonim Jahre 911; mit ihm erlosch das Geschlecht Karl des Großen in Deutschland.
Länger behaupteten sich die Karolinger auf dem französischen Throne. Frankreich.Nach Karl dem Einfältigen (S. 85 Anm.) folgten noch zwei KarolingischeKönige, aber ihre Macht war von herrschsüchtigen Großen zuletzt so beschränkt, daßsie nur noch die Stadt Laon ^ mit Umgegend besaßen. Und als Ludwig der Fauleim Jahre 987 kinderlos starb, ließ sich der mächtige Hugo Kapct, Graf von Hugo KapetParis, Herzog von Francien ^ zum Könige von Frankreich ernennen. Seine 987.Nachkommen, die Kapetinger, hatten den Thron bis 1328 inne.
33. Deutschland: Konrad I. von Franken 911—918.
1. Deutschland: fünf Herzogtümer: Schwaben, Baiern, Franken, Sachsen und Loth-ringen. Konrad I. Abfall von Lothringen. Kämpfe gegen Heinrich von Sachsen.
Schlacht bei Eresburg <915); Friede. 2. Konrad unterwirft Schwaben (Erchangerund Berthold) und Baiern (Arnulf); Einfälle der Ungarn. Konrads Tod 918.
1. Beim Aussterben des Karolingischen Stammes (911) bestand Deutsch-land aus fünf ^ Herzogtümern: aus Schwaben, Baiern, Franken, Sachsen undLothringen. Da die einzelnen Fürsten nach Selbständigkeit strebten, so lag dieGefahr nahe, daß der deutsche Staatskörper in mehrere kleine von einandergetrennte Reiche zersplittert werden möchte. Die Furcht vor auswärtigen Feinden(Normannen, Slaven und Ungarn) aber bewirkte die Wahl eines neuen Königs,welche sich, da Otto von Sachsen (S. 86) die Krone ablehnte, auf den Franken-herzog Konrad lenkte.
Konrad I. (911—918) wird beschrieben als der trefflichste Mann zu Konrad I.Haus und zu Felde, tapfer und besonnen, gütig und freigebig. Seine vorzüg- 911—18.liche Sorge war, das gesunkene königliche Ansehen wieder herzustellen; alleindie unruhigen Großen des Reiches besaßen zu viel Macht, als daß ihm seineAufgabe gelingen konnte. Vergebens suchte er (912) die Lothringer, welchesich bei seiner Wahl dem Könige von Frankreich, Karl dem Einfältigen, unter-worfen hatten, zum Reiche zurückzuführen. Eben so wenig richtete er gegenden Herzog Heinrich von Sachsen aus. Als Otto der Erlauchte gestorben Heinnch
^aon Stadt nordöstlich von Paris, in der Provinz Jsle de France. — Francien, v- SachsenHerzogtum zwischen Seine und Loire, im wesentlichen das Gebiet der späteren ProvinzJsle de France
* Süddeutschland: Alemannicn oder Schwaben von den Vogesen bis zumLcch. Baiern vom Lech bis zum Böhmerwalde und weiter abwärts an der Donau.
— Mitteldeutschland- Franken (mit Hessen und Thüringen) umfaßte da«
Land südlich vom Main bis nördlich zum Harz; die Ostgrenze bildete die thüringischeSaale, die Südgrenze (gegen Schwaben) die Oos, ein Bach, an dem Baden-Badenliegt. Westlich gehörte zu ihm das heutige Rheiubaiern. — Norddeutschland:
Sachsen vom Rhein bis zur Elbe. Zu Sachsen gehörte auch Friesland an derNordsee zwischen Niederrhein und Weser. — Jenseits des Rheins, von dem Südfußder Bogesen bis zur Nordsee dehnte sich das Herzogtum Lothringen aus. (Südlichdavon, das jetzige Südostsrankreich und den Westen derSchweiz umfassend, lag Burgund,das am Ende des 6. Jahrhunderts unter den schwachen Merowingern (S. 78) zu einembesonderen Königreich erhoben wurde).