Band 
Zweiter Kursus.
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88
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Mittlere Geschichte.

Schwabenu. Baieru917.

Konrad-s- 918.

Heinrich 1.919—36.

Unstrut

933.

Otto I.936—73.

war, hielt es nämlich Konrad nicht für ratsam, die große Macht, welche jenerbesessen hatte, dem hochaufstrebenden Sohne zu übergeben. Er wollte daherThüringen von Sachsen trennen und nur mit letzterem Heinrich belehnen (912).Aber dieser griff zu den Waffen und schlug des Königs Bruder, Eberhard, beiEresburg* (915). Auch gegen den König selbst wußte er sich zu behauptenund so blieb er endlich im Besitze aller Lehen und Würden seines Vaters.

2. Glücklicher war Konrad mit seinen Kämpfen in Schwaben undBaiern. Dort ließ er die unruhigen Großen Erchanger und Berthold hin-richten, und hier nötigte er den aufrührerischen Herzog Arnulf landesflüchtig zuwerden (917). Aber bei den inneren Unruhen mußte er es geschehen lasten, daßdie Ungarn wiederholt (912—915 und 917) in Deutschland einbrachen undnicht nur Thüringen und Franken, sondern auch Elsaß* und Lothringen ver-heerten. Mehr und mehr drängte sich ihm die Überzeugung auf, daß die Machtder fränkischen Herzöge zu gering sei, das Reich mit Nachdruck zu regieren.Als er daher (im Dezember 918) zu Limburg * auf dem Sterbebett lag, spracher zu seinem Bruder Eberhard: „Lieber Bruder! ich fühle, daß mein Endenahe ist, darum höre auf meinen Rat. Wohl haben wir Heere und Waffenund die Zeichen königlicher Hoheit, nur Glück und Geschicklichkeit haben wirnicht. Beides aber, mein Bruder, ist in vollem Maße bei Heinrich; auf denSachsen beruht die Wohlfahrt des Reichs. Darum laß die Feindschaft ruhen,nimm hier diese Kleinodien: die heilige Lanze, die goldenen Armspangen, denKönigsmantel, das Schwert und die Krone, gehe damit zu Heinrich und macheihn dir zum Freunde und Fricdensgenossen auf immer." So sprach der sterbendeKonrad, und Eberhard that, wie ihm der Bruder geheißen, worauf Heinrichvon Sachsen als Heinrich 1. den deutschen Thron bestieg (919).

34. Deutschland: die sächsischen Kaiser 919—1024.

1. Heinrich 1.919—936 und Otto 1. 936-973. 2. Otto II. 973—983. Zug gegenFrankreich 978 und nach Unteritalien 981. Schlacht südlich von Kotronc 982; ch zuRom 983. 3. Otto III. 983—1002; Vormundschaft der Thcophano; Gerbert. OttosGelehrsamkeit. Zwei Römerzüge gegen Crcscentius 996 u. 998. Wallfahrt nach Gnesenund Aachen 1(XX); der dritte Römerzug: Empörung der Römer. Ottos Tod zu Patern»1002. 4. Heinrich II. 1002—1024. Erster Römcrzug nach Oberitalicu 1004. Arduinvon Jvrea; Krönung zu Pavia; Empörung. Zweiter Römcrzug nach Mttelitalicn 1013u. 1014. Krönung zu Rom (der Reichsapfel). Dritter Römerzug »ach Unteritalien1021 u. 1022. Heinrichs Tod 1024. Seine Heiligsprechung (1146).

1. Heinrich I. (919 — 936) war ganz der Regent, wie ihn Deutsch-land damals bedurfte. Er führte die widerspenstigen Großen (die Herzöge vonSchwaben und Baiern) zu ihrer Pflicht zurück, vereinigte Lothringen (925) wiedermit dem Reich und.brachte (933) den Ungarn an der Unstrut * eine entscheidendeNiederlage bei. Auch gab er durch Heranbildung einer tüchtigen Reiterei denAnstoß zum Rittertum, und durch die Gründung fester Plätze, aus denen nach-mals Städte entstanden, ermöglichte er das Emporkommen des Bürgerstandes.

Sein Sohn Otto 1.2 (936—973) schritt auf der eingeschlagenen Bahn

* Eresbnrg, jetzt Stadtberge an der Diemcl, linkem Nebenfluß der Weser.— DasElsaßbiidete den westliche» Teil von Alcmannien.— Limburg, Stadt an derLahn, in der Provinz Hessen-Nassau. — Unstrut, linker Nebenfluß der Saale.

Bei dem Krönungsmahl Ottos I. (zu Aachen) zeigten sich zuerst die später-üblich gewordenen Erzämter des Reiches. Der Herzog von Lothringen war Erz-kämmerer, der Herzog von Franken Erztruchseß, der Herzog von Schwaben Erzmund-schcnk und der Herzog von Baiern Erzmarschall. Die drei Erzbischöfe von Mainz,Köln und Trier nahmen das Krönungsrecht in Anspruch.