Band 
Zweiter Kursus.
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Mittlere Geschichte.

auch eine Grafschaft Portugal. Diese war anfangs von Kastilien abhängig,dehnte sich aber durch glückliche Kriege gegen die Araber so aus, daß sie imPPtugal Iahrx 11 Z 9 einem selbständigen Königreiche * erhoben wurde. Später wurden' die Araber immer weiter nach Süden zurückgedrängt und endlich ganz ausdem Reiche vertriebenDamit nicht zufrieden, suchten die Portugiesen ihreKönig Erbfeinde auch jenseits des MeereS, in Afrika auf. König Johann I. (1385Johann, giß i 4 ZZ) sttzte über die Meerenge von Gibraltar und nahm 1415 das festeCeuta^ ein. Der Besitz dieses Hafens gab Veranlassung zu näherer Unter-suchung der afrikanischen Küste.

Namentlich der jüngste Sohn des Königs, Jnfant^ Heinrich, wandtevon nun an sein ganzes Sinnen und Trachten auf Seewesen und Entdeckungs-reisen und widmete sich auf seinem Wohnsitz am Kap Vincent» geographischenund astronomischen Studien. Er sammelte erfahrene Seeleute um sich undrüstete alljährlich Schiffe aus, welche die Westküste Afrikas erforschen sollten.Die öffentliche Meinung aber wirkte dahinziclenden Unternehmungen durchmancherlei Fabeln entgegen. Unter dem Äquator, hieß es, sei das Master kochend,das Land von der Sonne versengt und unbewohnbar; an anderen Stellenwimmele das Meer von Ungeheuern, welche die Schiffe anfielen, sie mit ihrenriesigen Rücken hoch in die Luft schleuderten und zerschellten; und wieder ananderen sei der Salzgehalt des Masters so groß, daß ein Fahrzeug die trägeMäste nicht zu durchschneiden vermöchte. Heinrich ließ sich durch solche Ein-reden nicht beirren, und so ward 1418 die Insel Porto Santo^ «itdeckt.Von da sahen die Portugiesen am Horizonte einen „dunkeln Flecken". Sievermuteten, daß es Land sei, steuerten darauf los und fanden 1419 dieInsel Madeira, deren Namen von matsrios, d. i. Holz (Wald) abgeleitet ist.Darnach erreichten die glücklichen Segler die kanarischen Inseln, welcheAzoren schon den Alten bekannt waren. Von hier aus fuhren sie in nordwestlicher1432. Richtung weiter und entdeckten 1432 die Azoren.

Kap Boja- Südwärts aber war man noch nicht über das Kap Bojadorb hinausgekommen. Endlich gelang es 1434 dem Seefahrer Gilianes, das gefürch-tete Riff zu umschiffen. Diese That machte dem Jnfanten große Freude. — DieAusbeute an der aufgefundenen Küste war zunächst gering; bald aber griffendie Portugiesen bei ihren Landungen Menschen s auf und schleppten sie alsBeginn des Gefangene fort. Damit geschah für die Europäer der Anfang des Sklaven-Handels. Die Unglücklichen, welche man in der Gegend des Goldfluffes ^gefangen hatte, boten für ihre Freiheit Goldstaub. Dies war es, was die hab-

> In Portugal regierten von 1139—1383 Könige aus dem ächt burgnndischenStamme und von 1385—1580 Könige aus dem unächt burgundischen Stamme; imJahre 1580 wurde es durch Philipp den II. mit Spanien vereinigt, erhielt aber 1040seine Unabhängigkeit wieder.

^ In Spanien verloren die Araber ihre letzte Besitzung, d. i. Granada, im' Jahre 1492; diese Stadt wurde durch die Heere Ferdinands von Aragonienund der mit ihm (1460) vermählten Jsabella von Kastilien erobert.

' Ceuta, Stadt an der Nordküste von Afrika, Gibraltar gegenüber. — Sankt Vin-cent, das südlichste Vorgebirge Portugals. — Porto Santo, kleine Insel, zur Ma-deiragruppe gehörig. — Kap Bojador, an der Westküste Afrikas, östlich von denkanarischen Inseln. — Goldfluß sliio äo Oaro), eine breite Bucht, welche tief in dasFestland eindringt, unter dem Wendekreise des Krebses.

^ In fant (von dem lateinischen Worte mla»», d. i. Kind) ist der Titel, den inSpanien und Portugal die Prinzen des königlichen Hauses führen.

° Dies waren Beduinen (mit brauner Hautfarbe); Neger traf man erst weitersüdlich.

Jnfant

Heinrich.

Porto

Santa

1418.Madeira

1419.