Band 
Zweiter Kursus.
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Die Entdeckungsreisen 1415—1522.

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süchtigen Europäer begehrten. Nunmehr entstand ein allgemeiner Eifer fürEntdeckungsreisen; die Goldgier trieb Menschen zu Schiffe, die sich sonstnimmer über den Kreis der ihnen bekannten Welt hinaus gewagt hätten.

Nachdem sich Heinrich von dem Papst eine Urkunde hatte ausstellenlasten, worin dieser den Portugiesen alle Länder zusprach, die bis nach Indienentdeckt würden, ließ er weiter südwärts an der afrikanischen Küste steuern. Sokamen 1445 die Portugiesen nach dem Ausflüsse des Senegal, dem grünenBorgebirge und der vor demselben liegenden Inselgruppe (den kapverdischenInseln). Ja, Heinrich erlebte noch, daß seine Schiffe Guinea erreichten.Hier fand man Gold, Elfenbein und andere Kostbarkeiten, was für die nächstenJahre die Schiffahrt nach Afrika sehr vermehrte. Der Znfant starb im Jahre1460 mit dem Ruhme, das kleine Portugal zu einem der angesehensten StaatenEuropas erhoben zu haben. Mit Recht nennt ihn die Geschichte „den See-fahrer"; denn schiffte er auch nicht selbst mit, so wurden doch alle jeneReisen auf seinen Antrieb und nach seinen Entwürfen ausgeführt.

3. Bartholomäus Dias und Vasko de Gama. — Nach Hein-richs Tode ruhte in Portugal vorerst der Eifer für Entdeckungen; dann aberführte König Johann II. <1481—1495) die Pläne des Infanten mit Glückweiter. Seine Schiffe entdeckten 1484 den Fluß Kongo und brachten dieerfreuliche Nachricht mit, daß Afrika gegen Süden sich nicht erweitere, wiees auf alten Karten abgebildet war, sondern südostwärts abschräge. Lebhafterals je ward nun wieder die Hoffnung, die Südspitze von Afrika umschiffenund auf diese Weise zur See nach Indien gelangen zu können. Befehlshaberdes kleinen Geschwaders, welches Johann 1486 in dieser Absicht aussandte,war Bartholomäus Dias^. Dieser Seemann hatte bei seiner Fahrt mitheftigen Stürmen zu kämpfen, endlich aber erreichte er nach großen Fährlich-keiten die gesuchte Südspitze. Dias nannte dieselbe wegen der heftigen Stürme,die hier wüteten, das Vorgebirge der Stürme. König Johann II. aber rief,als man ihm die glückliche Entdeckung meldete, voll freudigen Vertrauens:„Nein, es heiße das Vorgebirge der guten Hoffnung!"

Johanns Nachfolger, Emanuel der Große (1495—1521), beschloß,den von Dias aufgefundenen Seeweg weiter verfolgen zu lassen. Der See-mann Vasko de Gama ward mit dem Unternehmen betraut und ging am8. Juli 1497 mit vier Schiffen unter Segel. Glücklich umsegelte er am 22.November das Kap der guten Hoffnung und steuerte nun an der OstkttsteAfrikas nordwärts. Je weiter er kam, desto mehr Spuren von Wohlstand undvon Verkehr mit Indien traf er. Im Hafen von Mozambique sah er dieersten mvrgcnländischen Schiffe. An diesen war kein einziger Nagel: die Plankenwurden zusammengehalten durch Bindfaden aus Kokosfasern, mit denen auch

' Dias war ein Schüler Martin B ehaimS. Dieser, um 1459 zu Nürnberggeboren, lernte als Kaufmann, trat aber, von Reiselust getrieben, in portugiesischeDienste und zeichnete sich bei mehreren Seefahrten längs der afrikanischen Küste so aus,daß ihn der König Johann 11. im Jahre 1485 zum Ritter schlug. Behaiin ließ sichdarnach auf der Insel Fayal, einer der Azoren, nieder und heiratete die Tochter desStatthalters. Im Jahre 1491 stattete er seiner Vaterstadt einen Besuch ab. M hieltsich über ein Jahr daselbst auf und fertigte während dieser Zeit auf Wunsch der Bürgereinen Globus, der noch heute in Nürnberg vorhanden ist. AnS demselben erkenntman am deutlichsten, welche falsche Vorstellung man sich damals (d. i. vor der Ent-deckung Amerikas) von den Ländern der anderen Hemisphäre machte. Behaim gingnach Fayal zurück und starb 1507 zu Lissabon.

Senegal

1445.

Heinrich7 1460.

Dias.

Kap dergutenHoffnung1486.

Gamas1. Fahrt.