Band 
Zweiter Kursus.
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Neue Geschichte.

Heilige Liga. In der „heiligen Liga" verbanden sich daher Heinrich VIII. von England, derPapst KlemenS VII. (1523—1534) und die Venetianer mit ihm, und schon1527 entbrannte von neuem der Krieg.

Erstürmung Mitten im Winter (30. Januar 1527) brachen der Herzog von Bour-bon und Georg von Frundsbergi, die noch in Oberitalien standen, mitihren Scharen gen Süden auf, um den Papst, den Urheber der heiligen Liga, zuzüchtigen. Am 5. Mai gelangte man vor Rom und gleich am folgenden Tagewurde ein Hauptsturm untcruommen. Bourbon selbst ergriff eine Leiter, umdurch Voranschreiten seine Haufen anzuspornen. Aber kaum hatte er einigeKarl v. Stufen erstiegen, so ward er durch einen Mnsketenschuß getötet. Dies trieb dieBourbon 4-Deutschen und Spanier zur Rache an. Sie erklommen die Mauern unddrangen unaufhaltsam in die Stadt, wo von ihnen größere Gräuel verübtwurden, als einst von den Westgoten und Wandalen (S. 63 u. 64). Sieplünderten von Haus zu Haus, von Kirche zu Kirche, und was sie nicht weg-Geldbuße bringen konnten, zerstörten sie mit barbarischem Mutwillen. — Der Papst,des Papstes. sich in die Engelsburg (S. 94) geflüchtet, ward gezwungen, dem deutschenHeere 400 000 Dukaten zu versprechen, und wurde bis zp deren Bezahlungin Gefangenschaft gehalten. Sechs Monate nachher gelang es ihm jedoch, zuentfliehen und die Hälfte der versprochenen Summe zu retten.

So erwünscht betn Kaiser die Demütigung des Papstes war, so mußte ihndoch betrüben, daß ein kaiserliches Heer Rom geplündert und den Papst gefangengenommen hatte. Karl schrieb daher an alle Höfe und beteuerte, daß der Zugnach Rom und alles Unglück des Papstes wider sein Wissen und Willen ge-schehen sei. An seinem Hofe ließ er Trauer anlegen und in den spanischenKirchcü für die Befreiung des Papstes öffentlich beten.

Erst nach zehn Monaten rückte das Eroberungsheer von Rom nach Unter-italien. Es war aber durch Ausschweifungen so geschwächt worden, daß Franzvon Frankreich, als er einen neuen Einfall in Italien machte, ohne Wider-stand bis vor Neapel drang. Selbst diese Stadt würde in seine Gewalt ge-Andrea kommen sein, wenn nicht der genuesische ^ Seeheld Andrea Doria unerwartetDoria. ^ Karl übergetreten wäre. Dazu brachen Krankheiten im französischen Heereaus, so daß Franz in dieser bedrängten Lage nichts sehnlicher wünschte, alsden Frieden. Auch der Kaiser wünschte ihn; denn die Sprache und Haltungder Protestanten auf dem Reichstage zu Speier^ (19. April 1529) hatte ihm

' Frundsberg. der den Zug nicht billigte, ward unterwegs vom Schlage ge-troffen und starb, nach Deutschland zurückgebracht, im August 1528.

* Genua, (S. 100 Anm. 1.) hatte sich schon im 9. Jahrhundert bei der Ver-wirrung Italiens unter den letzten Karolingern (S. 86 Anm. 2.) zur Republik er-hoben, war aber wiederholt und zuletzt 1499 in Abhängigkeit von Frankreich geraten.Dieser Abhängigkeit ward es unter Beihilfe Karl des V. durch Doria entrissen.

2 Aus dem Reichstag zu Speier hatte die katholische Mehrheit den Be-schluß durchgesetzt: daß diejenigen Stände, welche bisher das Wormser Edikt befolgthätten, auch ferner bei demselben beharren, diejenigen aber, welche der neuen Lehresich zugewendet hätten, bis zu einer Kirchenversammlung aller weiteren Veränderungenaus kirchlichem Gebiete sich enthalten sollten. Gegen diesen Beschluß reichten nun dieEvangelischen eine „Protestation" ein, von welcher sie später (seit 1541) den NamenProtestanten erhielten. Unterschrieben war der Protest von dem Kurfürsten Johann vonSachsen, dem Landgrafen Philipp von Hessen und einigen andern protestantischen Fürsten.Die beiden ersten waren die Häupter des Torgauer Bundes, der bereits am4. Mai 1526 zum Schutze des evangelischen Glaubens zwischen Kursachsen, Hessen,Braunschweig, Anhalt, Mecklenburg, Mansseld und der Stadt Magdeburg geschlossen