Band 
Zweiter Kursus.
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Neue Geschichte.

kunstreich zusammen und versuchte, sie ganz gleichgehcnd zu machen. Oftglaubte er, das Ziel erreicht zu haben, aber immer wieder ging die eine zufrüh, die andere zu spät. Da rief er endlich aus: „Nicht einmal zwei Uhren,die meiner Hände Werk sind, kann ich zur völligen Übereinstimmung nacheinem Gesetze bringen, und ich Thor wähnte, so viele Völker, die untereinem anderen Himmel wohnen und andere Sprachen reden, wie ein Uhrwerkregieren zu können!" Manche behaupten sogar, daß Karl kurz vor seinemTode sein eigenes Leichenbegängnis gefeiert habe. — Er starb zwei Jahrenach seiner Abdankung, am 21. September 1558.

Karl war in seiner Äugend und ehe Krankheit ihn beugte, ein schöner,stattlicher Mann; sein kraftvoller Körper hatte durch die Jagd und ritter-liche Übungen eine bedeutende Gewandtheit erlangt. Sein Haar war hell-blond, seine Augen blau; auf seinem blassen Antlitz ruhte ein tiefer Ernst,und sein ganzes Wesen flößte Ehrfurcht ein; doch lag etwas Stolzes undAbgemessenes in seinem Benehmen, in welchem man überhaupt mehr diespanische, als die deutsche Eigentümlichkeit erkannte. Er war der erste Fürst,der sich „Majestät" nannte, ein Titel, den nach ihm die Kaiser und KönigeEuropas statt des früher üblichen „Gnaden" und „Hoheit" annahmen.

46. Ulrich Zwingli, der Schweizerreformator, 4 1531.

1. Zwiuglis Bildungsgang; seine Wirksamkeit als Pfarrer zu GlarnS (1506), Ein-siedeln (1516) und Zürich (1519). Ablaßkrämcr Samson. 2. Hadrian VI. DasReligionsgespräch und die Reformation zu Zürich 1523. Zwiuglis Heirat 1524.Das Buch von der wahren und falschen Religion. Abweichung von Luther, DasGespräch zu Marburg 1529. Die „Reformierten." Urteil Zwiuglis über Luther unddie Wittenberger. 3. Ausbreitung der zwinglischen Lehre in der Schweiz. Feindschaftzwischen den reformierten (Zürich, GlarnS, Schaffhauscn, Appcnzell, Graubünden,Bern) und katholischen (Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug) Kantonen. Schlacht

bei Kappcl 1531. Zwinglis Tod. Johann Kalvin, geb. 1509, gest. 1564.

1. Fast zu derselben Zeit, als Luther (S. 126) in Sachsen auftrat, hatte Ul-rich Zwingli in der Schweiz das Werk der Reformation begonnen. Er (geb.1. Januar 1484) war der Sohn eines Amtmannes (Uli Zwingli) zu Wild-h"usr in St. Gallen und empfing von seinem frommen Oheim, dem'ganm " Landpfarrer Zwingli (in Wesens, seine erste Erziehung. Än Basel» undBern», wo er nacheinander auf der Schule war, legte er sich mit dem größtenEifer auf die Wissenschaften. Seine Mußestunden verwandte er auf Musik,zu der er gleich Luther große Lust bezeigte. Später begab er sich auf dieUniversität Wien, um Philosophie zu studieren; viel Fleiß wandte er auchauf Disputierübungen, was ihm nachmals sehr zu statten kam. Nach seinerRückkunft ins Vaterland widmete er sich seit 1502 in Basel dem Studiumder Theologie, in der er Thomas Wittenbach zum Lehrer hatte. Wit-tenbach gab seinem Schüler Reuchlins und Erasmus' (S. 114 Anm. 1.)Schriften in die Hand, leitete ihn zum fleißigen Lernen in der heiligenSchrift an und mag überhaupt die ersten Zweifel gegen das herrschendeKirchentum in ihm erregt haben. Im Jahre 1505 erlangte Zwingli dieSeine Wirk- Magisterwürde und 1506 ward er Pfarrer in Glarus». Er predigteGlarus" stetig und kam durch eifrige Forschungen in der Schrift zu der Überzeugung,

1506. i Wildhaus, Marktflecken in der schweizerischen Grafschaft Toggenburg (Kan-

ton St. Gallen). — Wesen, Dorf am Wallensee, 30 Kilometer südwestlich von Wild-haus- — Basel, Stadt am Rhein. — Bern, Stadt an der Aar. — Glarus,Hauptort des gleichnamigen Kantons, südlich von St. Gallen.