Band 
Zweiter Kursus.
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Zwingli, -j- 1531.

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daß die Bibel der einzige Schiedsrichter in Glaubcnssachen, der höchsteGesetzgeber in der Kirche Christi sei. Mit Freuden nahm er daher (1516)die Pfarrstcllc zu Ein siedeln^ einem vielbesuchten Wallfahrtsorte, an; denn Einsiedelnhier hoffte er durch Predigen viel Nutzen zu schaffen und die Erkenntnis ^16.Christi unter viele Völker zu bringen. Er erklärte dort, daß Wallfahrtenund andere äußere Zeremonien keinen Wert hätten, wenn der innere Menschsich nicht bessere, und lehrte insonderheit, daß man Christum, den alleinigenMittler, und nicht Marien anbeten und anrufen müsset

1518 ward Zwingli zum Pfarrer am Münster zu ZürichZürichr berufen und hielt am Neujahrstage 1519 seine Antrittspredigt. 1519.In derselben teilte er mit, daß er seiner Gemeinde in zusammenhängendenVortrügen (Homilien) die wichtigsten Bücher der heiligen Schrift erklärenwerde. Er begann mit der Erklärung des Evangeliums Matthäi, ging dannzur Apostelgeschichte über, erläuterte die Briefe des Paulus, die Psalmen, denIesaias und das 1. Buch Mosis. Er eiferte wider Aberglauben undGleisnerei, deckte der Geistlichen Verderbnis und der Kirche Mißbräuche aufund hieß alle Menschen, allein auf Jesum Christum, als den einzigen Heiland,vertrauen. Das Volk strömte ihm zu; denn er predigte das lautere Evan-gelium, frei von menschlichen Zusätzen und Verdrehungen.

Bald hatte Zwingli Gelegenheit, siegreich den Ablaßhandel anzugreifen.

Denn auch in der Schweiz zog ein Ablaßkrämer, der FranziskanermönchSamson, umher. Als dieser nach Zürich kam, ward ihm infolge von Samson.Zwinglis Widerspruch die Eröffnung seines Geschäfts versagt.

2. Der Papst Hadrian VI. (1522 u. 23) schlug gegen Zwingli einenanderen Weg ein, als sein Vorgänger, Leo X.(S.126), gegen Luther. Er bezeugteihm sein vorzügliches Vertrauen und versprach ihm Gewinn und Ehre, wenner in guter Treue gegen den apostolischen Stuhl beharren wolle. AlleinZwingli achtete die Ehre bei Gott und den Schatz im Himmel fürhöher, als menschliche Ehre und lehnte alle Anträge ab. Alsbald fielen diePäpstlichen über Zwingli her, schalten ihn einen Ketzer und beschwerten sichbeim Nat der Stadt über die von ihm eingeführten Neuerungen. Um dieGerechtigkeit seiner Sache darzuthun, bat Zwingli den Rat um ein öffent-liches Rcligionsgespräch. Es ward ihm gewährt, und alle Geistlichen, Religions-die Zwinglis Lehre widerlegen zu können vermeinten, wurden nach Zürich gcsprächentboten. Das NcligionSgcspräch fand am 23. Januar 1523 unter An-Wesenheit von 600 Geistlichen statt. Au diesem, wie in noch zwei anderenbald darauf gehaltenen Disputationen erschienen Zwinglis Ansichten seinenMitbürgern so überzeugend, daß auf seinen Vorschlag die Messe, der Cölibat, Refor.das Weihwasser, die letzte Ölung, die Fronleichnams-Prozession und andere . mationKirchcngcbräuche abgeschafft, die Reliquien vergraben und die Bilder aus den Zürrch.Kirchen weggenommen wurden. Die Geistlichen fingen an, sich zu verheiraten,

* Einsiedeln, Kloster im Kanton Schwyz. — Zürich, Stadt am Ausflußder Limmat aus dem Zürchersee.

- Obwohl dies Zwingli einige Jahre vor dem Auftreten Luthers predigte,so ist doch die Kirchenverbesscrung' des 16. Jahrhunderts vor allem ein Werk des letz-teren. Johannes Müller, der Schwcizcrgeschichtsschreiber, sagt in Bezug darauf:

„Meister Ulrich Zwingli hatte schon früher gegen die herrschenden Mißbrauche gezeugt:aber ohne Luthers verzehrenden Eifer und ohne desselben immer erneuerten Stoß aufden gemeinschaftlichen Feind würde der Schweizer unbemerkt oder doch ohne so durch-greifende Wirkung geblieben sein."