Band 
Zweiter Kursus.
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England im RcformationSzeitalter 1509—1603.

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untreues Weib war. Dennoch fand sich eine Frau, welche sich nach so ent-setzlichen Vorgängen entschloß, Heinrichs sechste Gemahlin zu werden. Es warKatharina Parr, die Witwe eines englischen Lords. Sie wußte den König Katharinadurch ihre geistreiche Unterhaltung zu fesseln, war jedoch auch nahe daran, P°rr.auf dem Schafott endigen zu müssen, als sie bei einem Glaubensgesprächeeinmal anderer Meinung war, als er. Nur durch eine kluge Wendung desGesprächs entging sie der Gefahr, als Ketzerin verurteilt zu werden. Über-haupt nahm mit den Jahren des Königs üble Laune zu, und viele angesehenePersonen fielen als Opfer derselben. Zum Glück starb er bereits 1547 im Heinrich56. Jahre seines Alters. ' vm.

H. Eduard VI. 1547-1553; Maria die Katholische 1553-1558. ^ ^

Eduard VI. 1547—1553. Herzog von Somerset, Protektor. Ausbreitung der Re-formation durch Cranmer. Eduards Tod 1553. Johanna Gray. Maria die Katho-Igche 1553—1558. Gegenreformation sLranmer ch). Marias Vermählung mitPhilipp dem II. 1554. Verlust von Kalais. Marias Tod 1558.

Als Heinrich VIII. starb, war sein einziger Sohn, Eduard VI., erstneun Jahre alt. Es übernahm daher dessen Oheims der Herzog vonSomerset, unter dem Titel „Protektor" (Beschützer), die Vormund- Somerset,schaftliche Regierung. Dieser war ein Anhänger der Reformation und sorgtemit dem Erzbischof Cranmer für deren Verbreitung. Die Protestanten Cranmer.freuten sich dessen, fürchteten aber, die Begünstigung möchte von nicht langerDauer sein. Denn des Königs schwächlicher Körper wies auf seinen baldigenTod hin, und nach ihm gehörte der Thron seiner ältesten Schwester Maria(S. 137 Anm. 2 .), die als eifrige Katholikin bekannt war. Auf diese Stim-mung baute der Herzog von Northumberland, der sich zu des KönigsRatgeber emporgeschwungen hatte, den Plan, die königliche Krone an seinHaus zu bringen. Als daher Eduard auf dem Sterbebette lag, wußte erihn dahin zu bestimmen, daß er die evangelisch gesinnte Johanna Gray,eine Nichte Heinrich des VIII., zu seiner Nachfolgerin ernannte. Wenige Tagenach dieser Verfügung starb Eduard VI. ( 6 . Juli 1553), und Johanna Gray, Eduard VI.die mit Guilford Dudley, Northumberlands Sohn, vermählt war, wurde P 1653.auf Betrieb ihres Schwiegervaters zu London als Königin ausgerufen. Aber Johannabei all' ihrer Liebenswürdigkeit fand sie keinen Anhang: das Volk haßte den Gray.ränkevollen Northumberland und war überzeugt, daß der Thron der PrinzessinMaria gebühre. Diese empfing daher die Huldigung der Nation und zog Mariatriumphierend in die Hauptstadt ein. Gern verließ nun Johanna den Thron, 1553—58.den sie neun Tage zuvor widerwillig bestiegen hatte. Dennoch wurde aufMarias Geheiß zuerst der Herzog von Northumberland (1553), dann Johannaselbst nebst ihrem Gemahle hingerichtet (1554).

Bor ihrer Thronbesteigung hatte Maria gelobt, nichts an den Reli-gionsgesctzen ihres Halbbruders zu ändern, und darum war ihr das Volk soschnell zugefallen. Kaum aber hatte sie die Krone auf dem Haupte, so begannsie die Wiederherstellung des katholischen Kirchentums. Sie hob die Neue-Gegenrefor-rungcn Eduard des VI. und Heinrich des VIll. auf, brachte England wieder mation.unter den päpstlichen Schutz und bedrohte jeden, der sich weigerte, zur altenKirche zurückkehren, mit den härtesten Strafen. Mehr als 300 Protestanten,

r Eduard Seymour, der Bruder von Johanna Seymour, hatte 1536 denTitel eines Herzogs von Somerset erhalten; neidisch auf seinen Einfluß, ließ ihn derHerzog von Northumberland 1552 hinrichten.