Band 
Zweiter Kursus.
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Der dreißigjährige Krieg 1618—1648.

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sich nach Lothringen und an die französische Grenze und verbreiteten Schreckenbis nach Paris hin. Zuerst wollten sie den Hugenotten, die damals von Ludwigdem XIII. (S. 149) bedrängt wurden, zu Hilfe ziehen, dann aber nahmensie das Anerbieten der Holländer an, ihnen gegen die Spanier zu dienen.

Als sie hier wieder entlasten worden waren, brachen sie abermals in West-falen ein. Bei Stadtlohn^ (6. August 1623) jedoch wurde Braunschweig Stadtlohnvon Tilly so geschlagen, daß sowohl er als Mansfeld für gut befanden, das 1623.Feld zu räumen. Beide begaben sich nach Holland und sprachen von dortaus den Schwiegervater des Pialzgrafen (S. 154 Anm. 2.) um Hilfsgelder an.

Als (1625) die niedersächsischen Stände (Holstein, Mecklenburg, Braun-schweig, Magdeburg) zu ihrer eigenen Sicherheit und zur Verteidigung desProtestantischen Glaubens unter Christian dem IV. von Dänemark ei» ChristianIVHeer aufstellten, da warben auch jene beiden unermüdlichen Abcntenerer,

Mansfeld und Braunschweig, wieder Truppen. Christian von Braunschweigvereinigte seine Scharen mit den Dänen, Mansfeld hingegen rückte zur Be-kämpfung Wallcnsteins an die Elbe. An der Dessauer^ Brücke kam es Dessauerzur Schlacht (25. April 1626). Mansfeld erlitt zwar eine Niederlage, die ^26°ihn alles Geschütz und 7000 Mann kostete, verlor aber den Mut nicht. Mitkühner Entschlossenheit wandte er sich plötzlich nach Schlesien und von danach Ungarn, wo er sich mit dem unruhigen Großfürsten von Siebenbürgen,Bcthlcn-Gabor, verbinden wollte. Dieser hatte aber Geld verlangt undkeine hungrigen Soldaten und zog es daher vor, mit dem Kaiser sich zu ver-tragen. So blieb dem tapferen Mansfeld, der durch den ihm folgenden Wollen-stem vom Rückzug abgeschnitten war, nichts anderes übrig, als sein Geschützund Hecrgerät zu verkaufen, seine Krieger zu entlasten und mit wenigen Ge-treuen nach Venedig zu flüchten. Von dort wollte er nach England reisen,wo er Unterstützung an Geld erwarten durfte. Aber noch ehe er Venedig er-reichte, ward er in Bosnien krank. Der Arzt eröffnete ihm, daß er nur nochwenige Stunden zu leben habe; da ließ er sich mit seinem Kriegsrock bekleiden,den Degen umgürten und erwartete stehend, auf zwei Offiziere gestützt, dasEnde (20. November 1626). So verließ sein kriegerischer Sinn ihn erst mit demletzten Atemzuges— Kurz vor ihm (6.Mai 1626) war auch sein Wassengefährte,

Christian von Braunschweig, erst 27 Jahre alt, in Wolfenbüttcl^ gestorben.

IV. Johann Tserklas, Graf van Tilly, -s- 1632.

1. Anführer der Liga. Sieg am weißen Berge. Niederlage bei Wiesloch; Siege beiWimpfen, Höchst, Stadtlohn und Lütter am Barenberg (1626). Tilly verdunkelt durchWallenstein. Walleusteins Absetzung 1630: Tilly kaiserlicher Generalissimus. 2. Zer-störung Magdeburgs, 20. Mai 1631. 3. <Leipzigcr Konvent). Lilly in Sachsen.

Bündnis zwischen Schweden und Sachsen. Schlacht bei Breitcnfeld, 17. September1631. (Pappenhcim st 1632). 4. Tilly in Baiern: Schlacht bei Rain: Tillys Tod1632, sein Charakter und seine Persönlichkeit.

1. Johann Tserklas, Graf von Tilly, 1559 auf dem SchlosseTilly' im südlichen Brabant geboren, wurde von den Jesuiten streng katholisch

' Stadtlohn, Stadt in der Provinz Westfalen, westlich von Münster. — Dessau,

Hauptstadt von Anhalt, an der Mulde, kurz vor deren Einmündung in die Elbe. —Wolfenbüttel, Stadt im Herzogtum Braunschweig, westlich von Magdeburg; bis1754 Residenz der Herzöge von Braunschweig. — Tilly, Schloß unweitLüttich in Belgien.

* Ei» Zeitgenosse beschreibt den Grafen Mansfeld also: „Zusammengeschrumpftund häßlich, doch nie ohne Weiber; hascnschartig, aber löweumutig; arm, aber dieWelt als Anwartschaft betrachtend".