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Neue Geschichte.
erzogen. Er sollte Geistlicher werden; fein Sinn für das Kriegwesen aberließ ihn spanische Dienste nehmen, die unter Alba (S. 144) und dessenNachfolgern eine treffliche Fcldherrnschule abgaben. Später trat er unter diekaiserlichen Fahnen und kämpfte ruhmvoll gegen die Türken und gegen dierebellierenden Ungarn. Im Jahre 1609 nahm ihn der Herzog Maximilianvon Baiern in Dienst und ernannte ihn zum Generalfcldmarschall. Alssolcher schuf er durch treffliche Einrichtungen eine baierische Kriegsmacht, derMaximilian seine spätere Überlegenheit im Felde zu danken hatte. BeimAusbruche des 30jährigeu Krieges übernahm Tilly die Anführung der ligui-Tilly An- stischen Truppen. Er trug wesentlich zum Sieg am weißen Berg undführer der ^r Unterwerfung Böhmens bei und wußte den katholischen Waffen, trotz derNiederlage bei Wiesloch (S. 153), das Übergewicht in der Rheinpfalz zusichern, indem er den Markgrafen Friedrich bei Wimpfen und Christianvon Braunschweig bei Höchst (S. 154) und bei Stadtlohn (S. 155) aufsHaupt schlug. Im Jahre 1625 erhielt er auch den Oberbefehl gegen Christianden IV. von Dänemark (S. 155) und brachte diesem bei Lütter am Baren-berge^ (27. August 1626) eine völlige Niederlage bei. Nun demütigte erWallenstein. die niedersächsischen Bundesgenossen und rückte darauf mit Wallcnstein,der unterdes aus Ungarn zu neuem Kampfe herbeigeeilt war (S. 155), inHolstein ein. Beide Generale trennten sich aber bald wieder: während Wallcn-stein die weitere Verfolgung des flüchtigen Dänenkönigs übernahm (er bewilligtediesem 1629 zu Lübeck einen günstigen Frieden), ging Tilly über die Elbezurück, um die Holländer von feindlichen Einfällen abzuhalten.
Seit Wallenstein ein kaiserliches Heer aufgestellt hatte (1625), war dieTilly kaiser-Liga und mit ihr Tilly in Schatten getreten. Als aber Ferdinand II. imlicher Ge- Jahre 1630 zur Absetzung seines Generalissimus bestimmt wurde (S. 153" mus 3.), erhielt Tilly auch den Oberbefehl über das kaiserliche Heer und zu-
nächst den Auftrag, das Restitutionsedikt durchzuführen.
2. Die Zerstörung Magdeburgs, den 20. Mai 1631. — Wieschon im schmalkaldischen Kriege, so zeigte sich auch jetzt die Stadt Magde-burg als mutige Verteidigerin des evangelischen Glaubens. Sie war dieeinzige unter den deutschen Städten, welche sich der Ausführung des Re-stitutionsediktes (gegeben 6. März 1629) widersetzte, und die erste, welchesich mit den in Pommern gelandeten (4. Juli 1630) Schweden verbündete.Gustav Gustav Adolf, der in Magdeburg einen wichtigen Waffenplatz erkannte,Adolf freute sich über das Entgegenkommen der Stadt und gab ihr in dem OberstenDietrich von Falke nberg einen tüchtigen Kommandanten. Allein Tillybegriff gleichfalls, wie viel auf den Besitz Magdeburgs ankomme, und eilte,Belagerung dasselbe vor dem Könige zu gewinnen. Noch im Winter des Jahres 1630Magde- mußte sich General Pappenheim (S. 158 Anne. 2.) mit 10000 Mann1631. der Festung nähern, und im April 1631 rückte Tilly selbst mit 30 000, Mann heran und begann sofort die Belagerung. Unablässig wurde die Stadt
beschossen. Der Wall aber trotzte den feindlichen Geschützen, und die Feuer-kugeln, welche die Stadt in Brand stecken sollten, wurden durch trefflicheGegenanstalten unwirksam gemacht. Doch stellte sich in der Festung empfind-licher Pulvermangel ein. Ehe neues Pulver bereitet war, mußte Magdeburgentsetzt sein, oder es war verloren. Mit heißer Sehnsucht blickten die Bürger
* Lütter am Barenberg, Dorf am nordwestlichen Abhang des Harzes imHerzogtum Braunschweig, nordwestlich von Goslar.