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Neue Geschichte.
Markt zu besetzen, um jeder Unruhe vorzubeugen. Buttler, Geraldin undDeveroux aber gingen mit einem Haufen Dragoner nach des Herzogs Woh-nung. Es war nachts 11 Uhr. Die Schildwachen ließen sie sorglos ein,worauf Buttler die vordere, Geraldin die Hintere Hansthüre besetzte. Deverouxstieg mit 6 Mann die Treppe hinauf. Ein Kammerdiener im Vorzimmer,der sie abhalten wollte, ward niedergestoßen. Ein anderer schrie: „Rebellen!Rebellen!" und entfloh. Der Herzog, von dem Lärm geweckt, sprang ausdem Bett und eilte zum Fenster. In dem Augenblick erbrechen die Dragonerdie Thür, und Deveroux dringt mit vorgehaltener Hellebarde hinein. „Bistdu der Schelm," rief er, „der Seiner Kaiserlichen Majestät die Krone vomHaupte reißen will? Du mußt jetzt sterben!" Ohne einen Laut von sich zugeben, empfing Wollenstem den Stoß der Partisane, und röchelnd lag inseinem Blute der Mann, der noch vor wenig Stunden das Geschick vonNationen in seinem Haupte abgewogen hatte.
Der Kaiser weihte dem Schicksale seines Generals eine Thräne und ließfür die Ermordeten zu Wien 3000 Seelenmessen lesen; zugleich aber vergaßer nicht, die Mörder mit goldenen Gnadenkettcn, Kammerherrnschlüsseln undRittergütern zu belohnen. Um die That zu rechtfertigen, wurde dem Er-mordeten in einer Schrift eine lange Reihe von Verbrechen zur Last gelegt;allein bis auf den heutigen Tag schwebt über Wallensteins Schuld oder Un-schuld noch ein geheimnisvolles Dunkel; die Akten sind noch nicht geschlossen.
VI. Kaiser Ferdinand III. 1637-1657.
1. Erzherzog Ferdinand. Graf GallaS. Die Schlacht bei Nördlingcn 1634. PrägerFriede 1635. Verbindung der Schweden mit Frankreich (Richelieu). Schlacht beiWittstock 1636. 2. Ferdinand UI. 1637—1657. Sieg Bernhards von Weimar beiRheinfclden 1638. Eroberung von Breisach 1638. Tod Bernhards 1633 und Bauers1641. 3. Torstcnson. Schlacht bei Brcitenfcld 1642. Schwedisch-dänischer Krieg.Torstenson in Holstein. Niederlage der Kaiserlichen bei Jankau 1645. (Friede mitDänemark und Waffenstillstand mit Sachsen 1646.) Wrangel und Tnrenne. Königs-mark in Prag. 4. Die Friedcnsverhandlnngen zn Osnabrück und Münster. Derwestfälische Friede 1648. Tod Ferdinand des 111. 1667.
1. Nach Wallensteins Tod erhielt der Erzherzog Ferdinand, desKaisers ältester Sohn, den Oberbefehl über das Heer, doch ward dem 26jührigcnFürsten der im Kriege erfahrene Gallas zur feite gestellt. Ferdinand erwarbsich die Liebe seiner Truppen und erfüllte auch das Vertrauen, welches derKaiser in ihn gesetzt hatte. Er nahm Regensburg (S. 159) ein und rücktesiegreich über Jngolstadt* und Donanwörth^ gegen Nördlingcn das denNSrdlingen Schweden anhing. Diese wollten die Stadt retten und eilten zum Einsätze1634. herbei, wurden- aber am 6. September 1634 geschlagen. Der GeneralHorn ward gefangen, und nur mit wenigen Truppen entkam Bernhardvon Weimar über den Rhein.
Die Schlacht bei Nördlingcn verschaffte den kaiserlichen Waffen wiederdas Übergewicht und hatte die wichtige Folge, daß der Kurfürst von SachsenPräger das schwedische Bündnis verließ und zn Prag (30. Mai 1635) mit dem, Friede Kaiser einen Sonderfrieden schloß. Johann Georg erhielt die ihm verpfändete^E>- Lausitz (S. 154) als wirkliches Eigentum und die Erlaubnis, die eingezogenenKirchengüter noch vierzig Jahre lang zu behalten, machte sich dafür aber an-
> Jngolstadt, S. 151 Anm. 2. — Donanwörth, (baierische) Stadt an derDonau, oberhalb der Lechmündung. — Nördlingen, (baierische) Stadt an der GrenzeWürtembergs, nordwestlich von Donanwörth.