Band 
Zweiter Kursus.
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Der dreißigjährige Krieg 161.8—1648.

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2. Unter denen, die unterschrieben hatten, war auch Graf OktavioPiccolomini, ein Italiener. Wallcnstein, der sonst so vorsichtig war, schenkteihm sein ganzes Vertrauen, weil er aus den Sternen zu erkennen glaubte,daß jener sein Freund sei. Allein Piccolomini hatte beschlossen, denHerzogzu stürzen. Er begab sich schleunigst nach Wien und teilte dem Kaiser (erließ denselben um Mitternacht wecken) „die Rebellion von Pilsen" mit. Baldnachher sprach ein kaiserliches Patent (21. Januar) Wallensteins Absetzung I. Absetzungaus und übertrug das Kommando dem Grafen Gallas, mit dem Befehle, Wallcn-sich des Herzogs tot oder lebendig zu bemächtigen. stcins.

Obschon dieser Schritt in großer Heimlichkeit geschehen war, so erhieltdoch Wallcnstein Kunde von dem Verderben, das ihn bedrohte. Er beschloßdaher, in der Festung Eger ^ eine Zuflucht zu suchen; dort befehligte der SchotteGordon, dem er um so eher traute, als er ihn vom gemeinen Soldaten allmählichzum Obersten erhoben und ihn sonst auf mancherlei Art ausgezeichnet hatte.

Am 22. Februar 1634, morgens 10 Uhr verließ Wallcnstein Pilsen, vonseinen vertrauten Freunden, Illo, Tcrzkh, Kinsky und zehn Reiterkompagnienbegleitet, und traf am 24. nachmittags 4 Uhr zu Eger ein. Er war krank Eger.und wurde von zwei Pferden in einer Sänfte getragen. Seine Wohnungnahm er am Marktplatz im Hanse des Bürgermeisters Pachhäbcl.

Oberst Buttler, ein Irländer, hatte zugesagt, Wallcnstein lebendigoder tot zu überliefern; sein Freund Gordon und dessen OberwachtmcisterLeßlie billigten den Plan, und alle drei beschwuren des Feldherrn Tod. Daaber des Herzogs Freunde zu fürchten waren, ward verabredet, daß Gordonsie auf den folgenden Tag zum Abendessen auf die Citadelle einladen sollte.

Es geschah und sie sagten zu.

Sonnabend, den 25. Februar, riefen die drei Verschworenen einige derihnen ergebensten Offiziere, den Obcrwachtmeister Gerald!» und die Haupt-Ermordunglcnte Macdonald und Deveroux von Bnttlcrs Rcgimcnte, zu sich und weihten der Freundesie in das Geheimnis ein. Diese übernahmen es, die erforderliche Anzahl Wallen-entschlosscner Gemeinen aus ihren Kompagnien zu stellen. Am Abend er- '

schienen die vier Geladenen, der Feldmarschall Illo, die Grafen Tcrzkh undKinskh und der Rittmeister Neumann. Aber während sie sorglos schmausctcn,hatte Geraldin mit 30 Buttlerschen Dragonern die Thüren des Spcisesaalsbesetzt; das Thor der Citadelle ward geschloffen und die Zugbrücke aufge-zogen. Auf einmal trat von der einen Seite Geraldin mit 6, auf der anderenDeveroux mit 24 Dragonern in den Saal. Sie riefen: „Holla! wer ist gutkaiserlich?" Gordon, Leßlie und Buttler sprangen auf, ergriffen die Lichterund traten mit den Worten vivat b'sräinanäuZ! an die Seite. Die Dragonerdrangen auf ihre Opfer ein und stießen sie nieder.

Während dies in der Citadelle vorging, herrschte in der Stadt tiefeRuhe. Wallcnstein saß in seinem Zimmer, bei ihm der Astrolog Sein. WallcnsteinDieser war eben damit beschäftigt, das fernere Schicksal seines Herrn aus ^ 1034.der Stellung der Gestirne zu lese». „Die Gefahr ist noch nicht vorüber,"sagte der Astrolog mit prophetischem Geiste. „Sie ist es," sagte der Herzog,entließ den Freund und begab sich zu Bett. Indes naheten schon die Mörder.

Es war eine finstere, unfreundliche Nacht: der Wind heulte, und ein feinerRegen schlug gegen die Fenster. Leßlie übernahm es, die Straßen und den

' Eger, Stadt am gleichnamigen Fluß, im nordwestlichen Böhmen.

Spieß u. Beriet, Weltgeschichte II. 8. Auflage. 11