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Neue Geschichte.
zehrte, da beschloß der König, zur Wiedererlangung seiner Macht das Waffcn-glück zu versuchen. Er begab sich nach den nördlichen Provinzen (Dort), woer noch viele Freunde hatte, sammelte daselbst Truppen und erklärte (August1642) das Parlament und dessen Anhänger für Verräter. Das Parlamentjedoch rüstete gleichfalls ein Heer, und so entstand ein blutiger Bürgerkrieg(1642—1646), der vier Jahre lang mit abwechselndem Glücke geführt wurde,zuletzt aber zum Verderben des Königs ausschlugCromwcll. 3. Einer der ersten Anführer des Parlamentsheercs war Oliver Ero m-well. Er (geb. 25. April 1599 zu Huntingdon 2) stammte aus einer alt-adeligen, doch wenig bemittelten Familie, in welcher puritanische Frömmigkeitund Sittenstrenge geübt wurden, die sich frühzeitig auf Cromwcll übertrugen.Die Gerüchte, daß dieser eine leichtsinnige, wüste Jugend durchgemacht habe,sind grundlos. Nachdem er ein Jahr in Cambridge 2 studiert und einigeZeit in London zugebracht hatte, lebte er als fleißiger, stiller Gutsbesitzerund besuchte eifrig die Versammlungen der Puritaner. Beim Zusammentrittdes langen Parlaments ward er von Cambridge zum Deputierten erwählt.In den Sitzungen erregte er durch seine feurige Beredsamkeit Aufsehen, undals der Zwiespalt mit dem König ausbrach, trat er als Offizier in dasParlamcntshecr ein. Hier schuf er aus den ihm ergebenen Puritanern eineAnzahl Musterkompagnien. Die Schärfe seines Blickes, die Schnelligkeit seinerEntschließungen und die FestigkeitseinesWillcnserfüllten die Schlaffen mitFnrcht,die Thätigen mit Verwunderung, und obwohl er erst im 43. Jahre das Kriegs-handwerk ergriff, so führte er doch das Kommando wie der geübteste General.
Seitdeni Cromwcll das Heer niit seinem Geiste befeuert hatte, wurde derKönig überall aus dem Felde geschlagen, am entscheidendsten bei Marstou-Naseby Moor^ (12. Juli 1644) und Naseby^ (24. Juni 1645). Zuletzt mußte1645. er, um nicht ein Gefangener seiner Unterthanen zu werden, sich zur FluchtKart I. in nach Schottland entschließen. Nur von zwei Dienern begleitet, langte KarlSchottland. (Mai 1646) im Lager der Schotten au. Diese wußten anfangs nicht recht,ob sie den Flüchtige» als König oder als Gefangenen behandeln sollten. Endlichaber gaben sie dem Andringen des Parlaments nach und lieferten den KönigAusliese- für 400 000 Pfund Sterling (8 Millionen Mark) an dasselbe aus. Karlrung ans ,Erde nach dem festen Schloß Holdenby^ geführt und daselbst unter Auf-1E^" stcht mehrerer Parlamentsmitglieder bewacht (1647).
So hatte das Parlament einen vollständigen Sieg gewonnen; doch schonschickte sich die Armee an, ihm denselben zu entreißen. Unzufrieden mitmehreren Parlamentsbeschlüssen, brachte ein Reitertrupp den König in dasLager, worauf Cromwcll mit dem Heere uach London zog und elf ihm ver-haßte Mitglieder aus dem Parlament trieb.
Flucht des Inzwischen (21. November 1647) war der König nach der Insel Wight^Königs, entkommen, aber der Befehlshaber derselben nahm ihn gefangen und lieferte
' Auf feiten des Königs kämpften die Edelleute, d. h. „die Kavaliere," auffeiten des Parlaments die Puritaner (Kaufleute, Bürger und freie Bauern), welchewegen ihres kurzgeschnittcncn Haares „Rund köpfe" hieße».
' Huntingdon, Stadt in der gleichnamigen Grafschaft, 90 Kilometer nördlichvon London. — Cambridge, Universitätsstadt in der gleichnamigen Grafchast, süd-östlich von Huntingdo». — Marston-Moor, Dorf, 11 Kilometer westlich von S)ork.— Nasebp, Dorf, 45 Kilometer westlich von Huntingdon. — Holdenbh, 15 Kilo-meter nördlich von Huntingdon. — Wight, Insel an der Südküste Englands.