Ludwig XIV. 1643—1715.
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Frankreich mit allen ihren DeP end enzen (Zubehör) abgetreten," untersuchensollten, was Frankreich noch alles zukomme. Offenbar war mit dem Zusätze„Dcpendcnzen" nichts anderes gemeint, als diejenigen Länder, welche zur Zeitder Übergabe dazu gehörten. Die Richter aber dehnten diesen Artikel "ausalle Landstriche aus, welche nur in irgend einem Verbände mit Elsaß gestandenhatten, und sprachen so eine Menge pfälzischer und anderer Herrschaften demKönige zu. Dieser ließ hierauf die Besitzer auffordern, dem neuen Obcrherrnzu huldigen, und zog, als sie nicht erschienen, ihr Eigentum als verwirktesflehen ein. Die Verletzten klagten beim deutschen Reichstage; aber dieser verlordie Zeit mit Streitigkeiten über rote und grüne Sessionsstühlc und über dieRechtschreibung des Wortes Kurfürst. Endlich vereinigte man sich zu einer Zu-sammenkunft in Frankfurt a. M., wohin auch Ludwig Gesandte zu schickenversprach. Während aber dort die deutschen Abgeordneten noch stritten, obman bei den Beratungen im Kreise, im Viereck oder in Hufeisenform zusitzen habe, ließ Ludwig Straßburg (30. September 1681) überfallen und Straßburgmit Truppen besetzen. So kam die deutsche Stadt ohne Schwcrtschlag in ^^1.französische Hände, von welcher Karl V. zu sagen pflegte: „Wenn der Türkevor Wien und der Franzose vor Straßburg steht, würde ich zuerst dem be-drängten Straßbnrg beibringen!"
' Die Unterhandlungen zu Frankfurt blieben übrigens ohne Erfolg. LudwigsGesandte wichen mit französischer Glätte jeder ernsten Untersuchung aus undbeharrten bei ihren Forderungen; ja sie überreichten dieselben zum erstenmalin ihrer Sprache, ungeachtet früher bei politischen Verhandlungen nur dielateinische gebraucht worden war. Alle Gegenvorstellungen der kaiserlichen FranzösischBevollmächtigten gegen diese anmaßende Neuerung wiesen die französischen mit Diplo-der Erklärung zurück: „So sei es der Befehl ihres KönigS!" und — man spcnchc^gab nach. Seit jener Zeit wurde es immer mehr Sitte, diplomatische Aktenstückein französischer Sprache abzufassen. — Der Kaiser Leopold (S. 173) hätte gerngegen die übermütigen Franzosen das Schwert gezogen; aber Unruhen in Ungarnund ein neuer Türkenkricg, den Ludwig selbst hatte anschüren helfen, hinderten ihndaran, und er mußte Frankreich im Besitze der gemachten Reunionen lassen.
III. Die Türken vor Wien 168.8.
Empörung der Ungarn unter Tökcly 1678. Ihr Bündnis mit den Türken. Musta-Pha vor Wien 1683. Karl von Lothringen, Stahrembcrg„und Sobiesky. Hilft derReichsfürstcn. Der Kampf. Niederlage der Türken. Arger Ludwig des XIV.
In Ungarn (S. 132 Anm. 3) waren schon seit dem Jahre 1670 Un-ruhen gewesen. Das Volk klagte laut über die Erpressungen und Aus-schweifungen der deutschen Truppen, über die verfassungswidrige Besetzungder ersten Stellen des StaatcS mit Ausländern, über den Druck der Abgaben.
Zudem beschwerten sich die protestantischen Unterthanen-über die ihnen ge-.schmälerte Religionsfreiheit. Die Erbitterung nahm mit den Jahren zu underzeugte 1678 offenen Aufruhr, als die Unzufriedenen an dem Grafen Tökclyeinen entschlossenen Anführer fanden. Er brachte fast ganz Ungarn unter die Bündnis derWaffen und schloß sogar ein Bündnis mit den Türken. Zum Glück fand der ""dKaiseri an dem Polenkönig? Sobiesky (1674—1696) einen tapferen Bundes-
' Im Jahre 1683 war in Deutschland der letzte Reichstag, welchem ein Kaiser(Leopold I.) in Person beiwohnte.
^ Polen stand seit Wladislaws Tode (S. 113) wieder unter eigenen Königen.
Johann Sobiesky zeichnete sich frühzeitig im Kampf gegen die Türken aus undwurde darum 1674 von den Polen zum König erwählt.