Band 
Zweiter Kursus.
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Neue Geschichte.

genossen, an den deutschen Fürsten wider Gewohnheit rasche Helfer und an deinHerzog Karl von Lothringen* einen trefflichen Führer seines Heeres.

Im Frühlinge des Jahres 1683 führte der Großwcsir Mustapha einMnswpha Heer von 200000 Mann durch Ungarn auf Wien los. Bestürzung und"°1683^ Äugst erfüllten die Stadt. Der Kaiser flüchtete nach Linz 2, viele Einwohnerfolgten; die anderen aber waffnetcn sich zur Gegenwehr, und die Langsamkeit derKarl v. Türken, die sich mit Plünderung der Ortschaften aufhielten, verstattete demLothringen. Herzog von Lothringen, 12 000 Mann als Besatzung in die Stadt zu werfen.Sichrem- Der Graf Rüdiger von Stahrcmberg war Befehlshaber der Stadtberg. und suchte dieselbe in Eile so gut als möglich in Verteidigungsstand zusetzen. Wer arbeiten konnte, half. Im Juli erschienen die Türken vor derStadt und schlössen dieselbe ein. Nach zwei Tagen schon eröffnete der Wesirdie Laufgräben: bald ertönte der Donner der Geschütze, und vor allemgruben die Feinde Minen, um die Mauern in die Luft zu sprengen. Alleindie Verteidiger hielten sich tapfer; was niedergeworfen war, wurde in derNacht wieder ausgebessert; jeder Schritt wurde auf das tapferste verfochten.Dennoch gewannen die Türken allmählich an Raum: Ende August hattensie sich in dem Stadtgraben festgesetzt, und am 4. September ließen sie eineMine unter der Burgbastei springen. Die entstandene Lücke war so groß,daß die Feinde Sturm laufen konnten; dreimal wurden sie zurückgeschlagen;noch hielt die Tapferkeit der Besatzung stand. Als aber eine neue Mineunter der Bastei sich entladen hatte, da stieg die Gefahr aufs höchste. GrafStahrcmberg sandte Boten auf Boten an den Herzog von Lothringen. Endlicham 11. September sahen die Wiener an den Bewegungen im feindlichenLager, daß Hilfe nahe sei; abends 5 Uhr erschienen die christlichen Kriegs-völkcr auf dem Kalenberg^ und thaten ihre Ankunft durch KanonenschüsseSobiesky. kund. Der König Sobiesky, die Kurfürsten von Sachsen (Johann Georg III?)und Baiern (Maximilian ll. Emannel) waren mit frischen Truppen ange-kommen. Nun konnte es Karl von Lothringen wagen, gegen den Feind zuziehen-, doch war sein Heer nur 46 000 Mann stark.

Schon tags darauf (12. September 1683) verschritt der Herzog vonLothringen zum Angriff. Jeder Hohlweg, jeder Schutthaufen wird von denSieg über Türken verteidigt; aber der christlichen Tapferkeit vermögen die Mosleminsdie Türken. z„ widerstehen: um 6 Uhr abends ist der Sieg entschieden; die Türkenstürzen in wilder Flucht nach Raab 2 zu. Ihr ganzes Lager, die Kricgs-kafse, das prächtige Zelt des Großwcsirs fallen in die Hände der Sieger.

Das erlöste Volk sandte innige Dankgcbete zum Himmel, und die NamenSobiesky, Lothringen und Stahrcmberg waren in aller Munde. — Auch hattendie Österreicher Ursache, für ihre Errettung dankbar zu sein; denn der furcht-bare Feind wüstete nicht allein nach gewöhnlicher Kriegsweise, sondern schleppteMenschen ohne Unterschied als Sklaven mit sich fort.

Ärger Lud- Ganz Europa nahn: an der Rettung Wiens den lebhaftesten Anteil, nurwigdesxrv. Ludwig XIV. empfand darüber großen Verdruß. Er hatte die Türken mit

> Herzog Karl, dem Lothringen (S. 110) 1669 als Erbe zugefallen war, wurdevon Ludwig dem XIV. seines Landes beraubt und trat hierauf in kaiserliche Dienste.

2 Linz, Stadt am rechten Donauufcr, im Erzherzogtum Österreich. — DerKalenberg, Bergzug nördlich von Wien. — Raab, ungarische Stadt südöstlich vonWien, an der Mündung der Raab in die Donau.

' Johann Georg 111. (1680—1691) hatte zum Großvater Johann Georg den 1-(S. 150 Anm. 2.) und zum Vater Johann Georg den 11. (1656—1680).