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Neue Geschichte.
Indessen gelang es doch nicht, die Reformierten in Frankreich gänzlichauszurotten. In den Cevennenl lebte noch immer eine beträchtliche An-zahl, welche den kalvinistischeu Grundsätzen anhing. Als sich mit Beginn des18. Jahrhunderts (1702) die Verfolgung auch auf diese Gebirgsbewohnererstreckte, griffen sie zu den Waffen und machten unter dem BauernsohnCavalier Cavalier selbst französische Heere zittern. In dem Aufruhr fanden mehr1702. als 100 000 Aufständische den Tod; aber dennoch blieben in jenen Wälderneinige Hunderttausend Reformierte übrig.
V. Ludwig des XIV. dritter Eroberungskrieg 1688—16!>7.
Ludwig des XIV. Ansprüche auf die Pfalz. Verheerung der Weingegenden 1689.Deutschland, Holland, England, Spanien und Savoyen wider Frankreich. Siege derFranzosen in den Niederlanden, am Rhein und in Oberitalien; Niederlage bei la Hogue1692. Friede zu RhSwik 1697.
Während Österreich und Deutschland den Erbfeind der Christenheit bc-Ludwia des kämpften, hatte Ludwig XIV. Kräfte zu einem neuen, dem dritten Eroberungs-xiv. An- kriege gesammelt. Ein Vorwand zum Kampfe war bald gefunden. Da derspräche auf Kurfürst von der Pfalz, der Sohn Karl Ludwigs (S. 165), ohne Nachkommendie Pfalz, gestorben war, so erhob der französische König (1688) im Namen seinerSchwägerin, der Herzogin von Orleans,? einer Schwester des Verstor-benen, Erbschaftsanspriichc auf mehrere pfälzische Fürstentümer. Zur Bekräf-tigung der Ansprüche bewegte sich alsbald ein französisches Heer gegen denRhein. General Mälae hatte den Befehl, zunächst die Pfalz zu verwüsten,sowie überhaupt die jenseits des Rheins eingenommenen Orte, welche mannicht besetzen wolle, niederzubrennen. Die Greuel des 30jährigen Kriegeswurden von neuem verübt, ja noch überboten. Man sprengte (1689) dasN . Heidelberger Schloß, dessen Ruinen noch heute ein Zeuge jener Barbarei sind.der Rhein-Äu Speier^ wurden sogar die Gräber der salischcn Kaiser (S. 93 Anm. 2.)gegend. geöffnet und beraubt, die vermoderten Gebeine nmhergestreut.
Solch' himmelschreiendes Verfahren hatte ^1689) die Erklärung des„Neichskrieges", bei dem keinem Fürsten Neutralität (Parteilosigkeit) erlaubtwar, zur Folge. Deutschland stellte ein zahlreiches Heer ins Feld, konnteaber ebensowenig als Holland, England, Spanien und Savohcn, die sich mitdem Kaiser verbunden hatten, gegen die Franzosen etwas Bedeutendes aus-richten. Letztere behaupteten in den Niederlanden, am Rhein und in Ober-Frankreichs ikakien das Übergewicht, wenn sie auch auf die Zurückführung des vertriebenen1699—93. Stuart (S. 171) nach England verzichten mußten und in der Seeschlacht bei laHoguei (gegen die Engländer und Holländer) ihre Flotte vernichtet sahen (1692).
Allgemeine Erschöpfung der beteiligten Mächte führte endlich im JahreFriede 1097 den Frieden von Ryswiki (Reiß weg! sagte man damals) herbei,zu Rpswik Ludwig gab in demselben mit unerwarteter Großmut alle eroberten Orte, mit1697. Ausnahme von Straßburg, heraus und erkannte auch seinen unversöhnlichstenFeind, Wilhelm lll. von Oranien (S. 171),. als König von England an.
' * Levennen, Gebirgskette des südlichen Frankreichs, welche sich zwischen Rhone
und Loire von Süden »ach Norden zieht. — La Hogue, Kap im Nordosten derNorinandie, nordöstlich von Cherbourg. — Nhswik, Schloß und Dorf in Holland,3 bin südlich von Haag.
2 Ihr Gatte, der Herzog (Philipp) von OrleanS, war der einzige Bruder Lud-wig des XIV.
" Wegen der Einäscherung Speiers (31. Mai 1689) wurde das Reichskammer-gcricht 1693 „ach Wctzlar verlegt (S. 124).