Band 
Zweiter Kursus.
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Ludwig XI V. 1,113-1715.

Geld, mit Offizieren und Ingenieuren unterstützt und ihnen, wie glaubwürdigeSchriftsteller versichern, den Plan zur Belagerung vorgezeichnet: alles inder Hoffnung, daß nach dem Falle WienS das geängstigt«: Deutschland sichihm als dem einzigen Retter in die Arme werfen und seinem Sohne dielangersehnte Kaiserkrone reichen sollte. Diese glänzenden Aussichten warennun mit einem Schlage vernichtet.

IV. Aushebung des Edikts von Nantes 11,85.

Der Beichtvater la Chaise und die Frau von Maintcuou. Die Dragonadcu. Auf-hebung des Edikts von Nautes 1685. Auswanderung der Reformierten (400000).

Die Reformierten in den Cevcnnen (Cavalier 1702).

Durch das Edikt von Nantes (S. 148) hatten die Reformierten inFrankreich Religionsfreiheit erhalten. Diese Begünstigung war den eifrigenKatholiken schon lange ein Dorn im Auge. Sie beschlossen daher, Ludwigden XIV., dessen Befangenheit in Religionsangelegenheit sie kannten, um AufHebung derselben anzugehen. Der Beichtvater la Chaise und die einfluß-reiche Frau v. MaintenoiG wußten dem Könige unaufhörlich vorzureden, Frau vonwelche Gnade er bei Gott erlangen würde, wenn er die vielen Abtrünnigen Maintcnon.zum wahren Glauben zurückführe. Auch fügten sie absichtlich hinzu, daß erso lange kein vollkommener Souverän (unumschränkter Herrscher) sei, so langenoch 2 000000 seiner Unterthanen einem anderen Glauben als dem seinigenhuldigten. Diese Worte verfehlten ihres Eindrucks nicht. Ludwig genehmigtezunächst besondere Summen, um die Bekehrung durch Missionäre zu versuchen,dann (1680) ließ er alle gemischten Ehen verbieten und endlich geradezu be-fehlen, daß die Protestanten zur alleinseligmachenden Kirche zurückkehren sollten.

Bei den Widerspenstigen rückten Dragoner ein und mißhandelten Männer Drago-und Frauen bis aufs Blut. Eltern nahm man die Kinder weg und schickte »ade,,,sie in katholische Waisenhäuser) Greise wurden an die Altäre geschleppt, dasAbendmahl nach katholischer Weise zu empfangen. Wen man auf der Fluchttraf, der wurde als Staatsverbrecher behandelt. Vergebens verwandte sichKurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (S. 173) und die KöniginChristine- von Schweden für die Protestanten, vergebens erklärte selbst derPapst Innoccnz XI., „so habe Christus nicht bekehrt, man müsse die Menschenin den Tempel führen, nicht hinein schleifen"; die Verfolgung dauerte fort,und am 18. Oktober 1685 wurde das Edikt von NantcS förmlich auf- Aufhebunggehoben. Viele (1000 000) traten in dieser Not zum Katholizismus zurück; des Ediktsandere aber gelangten allen Anstalten zum Trotz über die Grenze. Frankreich N")'tes

verlor so in drei Jahren mehr denn 400000 Einwohner. Die Flüchtigen ^waren meist arbeitsame Handwerker oder geschickte Fabrikanten und fanden inden protestantischen Ländern (Schweiz, Nhcinpfalz, Brandenburg, Holland, Eng-land) freundliche Aufnahme. Der große Kurfürst siedelte von den Auswan-derern in den Marken allein gegen 20 000 an und erreichte, daß viele Zeuge,

Spitzen und andere Artikel, welche man bisher aus Frankreich hatte kommenlassen, nun in Deutschland selbst gefertigt wurden.

' Frau v. Maintcuou war anfangs Geliebte und seit 1685, nach dem Todeder Königin (S. 173), heimliche Gemahlin des Königs.

^ Christine, Königin von Schweden (S. 160), die Tochter und NachfolgerinGustav Adolfs, legte 1654 die Krone nieder und trat dann in Rom zum katholischenGlauben über. Sie starb 1689. — Mit ihr schließt das Haus Was« (1523—1654),und es folgt das Hans Pfalz-Zweibrllckeu 1654—1751, zunächst Karl X. 1651—

1660; dann Karl XI. 1660—1697, vergl. S. 173 n. 186.

Spieß u. Beriet, Weltgeschichte II. 8. Aufläge. ^