Band 
Zweiter Kursus.
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Karl XII. von Schweden 1697—1718.

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land, sowie einen Teil von Finnland in seine Gewalt gebracht. Karl aberblieb und blieb auch baun, als man ihm zu verstehen gab, das türkische Ge-biet zu verlasse!,. Der Sultan beschloß daher, Gewalt anzuwenden. Nunverschanzte sich der König in seinem Hause, hielt mit 300 Schweden fast"neu ganzen Tag die stürmenden Angriffe mehrerer tausend Türken aus undward nur mit Mühe bei seinem Versuche, sich nach einem benachbarten Ge- Gefanaembände durchzuschlagen, gefangen genommen (12. Februar 1713). nähme

Darauf brachte man Karl nach DemotikaK Als er dort vernahm, I7l3.baß die schwedische Rcichsvcrsammlung einen Frieden mit Rußland und Polenunterhandle, trat er sofort die Heimreise an (Oktober 1714). Um nicht er-kannt zu werden, hatte er sich als Kurier gekleidet und den Namen KarlFrisch angenommen. Wie im Fluge eilte er dahin: in 14 Tagen legte er286 deutsche Meilen zurück. Freilich waren seine Füße, als er am 22. No- Heimkehrvembcr 1714 in Stralsnnd > anlangte, von dem anhaltenden Reiten so an-geschwollen, daß man ihm die Stiefel Herunterschneiden mußte.

4. Karl war für sein Reich und seinen Ruhm zu lange im Auslandegeblieben. Zu den alten Feinden hatten sich neue gesellt: der König FriedrichNcuc FeindeWilhelm I. von Preußen 2 (1713—1740) hatte einen großen Teil von vonSchwedisch-Pommeru und die Festung Stettin besetzt, und der Kurfürst Georg I. Schweden,von Hannover^ hatte den Dänen die von ihnen eroberten HerzogtümerBremen und Berden um 3 Millionen Mark abgekauft. Endlich fiel auchdie Insel Rügen (1715) in die Hände der vereinigten Dänen und Preußen,so daß Stralsnnd nicht mehr zu halten war und Karl XII. sich am 21.

Dezember 1715 heimlich nach seinem Stammlande einschiffen mußte.

Karb fand sein Land und Volk nach 14jährigem Kriege in einem Zu-stande schrecklicher Erschöpfung: die Verwaltung war in der größten Ver-wirrung, die Staatskasse leer, der Bauer- und Bttrgerstand nicht vermögend,

Steuern zu zahlen. Selbst das Heer traf er im elendesten Zustande. Dennoch Feldzugbeschloß Karl, für seine Verluste in Deutschland sich an Norwegen, das gegendamals zu Dänemark gehörte, zu erholen. Mit Mühe brachte er 27 000 Norwegen.Mann zusammen und rückte (1718) in Norwegen ein. Aber grimmige Kälteraffte den größten Teil seines Heeres dahin, und er selbst erlag in den Lauf- Karlgraben von Friedrichshall^ (11. Dezember) einer feindlichen Kugel. 7 1718.

So starb Karl XII. in der Blüte seines Lebens, erst 36 Jahre alt.

Er hat eigentlich nie regiert, sondern nur zu Felde gelegen. Sein Äußeres Karlsund seine Lebensweise verkündigten auch den Kriegsfürsten. Er war groß söulichkeit.und schlank gewachsen, von gerader Haltung, bräunlicher Gesichtsfarbe undblauen, lebhaft strahlenden Augen. Gewöhnlich trug er einen blauen Sol-datenrock mit kupfernen Knöpfen, gelbe Beinkleider, große Reiterstiefel undlederne Handschuhe, deren mächtige Stulpen bis an den Ellenbogen reichten.

Sein Haar war am Hinterkopf kurz geschnitten, über der Stirn in die Höhe

'Demotika, Städtchen südlich von Adrianopel. — Stralsnnd, S. 186Anm. 1. — Friedrichshall, Stadt und Festung an der Südostgrcnze Norwegens,südlich von Christiauia.

o Friedrich Wilhelm l. war der Sohn und Nachfolger Friedrich des I.

(S. 181 Anm. 2.).

° Georg l., seit 1698 Kurfürst von Hannover (S. 161 Anm. 2.), ward nachdem Aussterben des Hauses Stuart (S. 171) als nächster protestantischer Verwandter<er war ein Enkel der Pfalzgräfin Elisabeth, S. 154 Anm. 2.) 1714 König von Groß-britannien. — Hannover ist ein aus den Stammländern des Welsischen Erbes(S. 97) im 16. Jahrhundert entstandenes Herzogtum.