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Neue Geschichte.
wollte lieber alles wagen, als etwas thun, was einer Flucht ähnlich sehe.So ging denn der Zug weiter nach Poltawader Hauptstadt der Ukraine.
Poltawa war fest und hatte eine russische Besatzung von 8000 Mann.Im April 1709 eröffnete Karl die Belagerung, hatte aber zu wenig Geschütziiiur 16 Kanonen), als daß er die Stadt nachhaltig hätte beschießen können.Auch gelang es den Russen, eine ansehnliche Verstärkung in die Festung zuwerfen. Seit der Zeit machten die Belagerten öfters Ausfälle; bei einemsolchen geschah es, daß Karl am Knöchel des linken Beines eine Schußwundeerhielt (27. Juni). Und gerade jetzt rückte der Zar mit 65 000 Mannheran, denen die Schweden nur 20 000 Mann gegenüberstellen konnten. AmPoltawa 8. Juli kam es zur Schlacht. Karl mußte die Leitung derselben einem seiner1709. Generale überlasten, er selbst konnte ihr nur in einer von zwei Pferden ge-tragenen Sänfte beiwohnen. Die Russen erfochten einen glänzenden Sieg.Karl warf sich in einen Wagen und jagte mit Mazeppa und einem kleinenGefolge dem Dniepr zu.
Vom Dniepr eilte der flüchtige König zum Bug und trat, diesen FlußKarl XII. überschreitend, auf türkisches Gebiet. Der Sultan, Achnied III., gewährtein d. Türkei. Schweden gastfreie Aufnahme und ließ für sie bei Bender > ein Lagererrichten. Auch erklärte er auf Karls Andringen an die Rüsten den Krieg.
Im Frühling 1711 setzten sich die türkischen Truppen, angeführt vomGroßwesir, in Bewegung. Ihnen entgegen rückte ein russisches Heer, beiKatharinaI.dem sich Peter selbst und seine Gemahlin Katharina I. befanden. Letzterewar die Tochter eines livländischen Bauern, die, früh verwaist, in Marien-burg > ein Unterkommen fand. In ihrem 17. Jahre (1701) heiratete sieeinen schwedischen Dragoner, der bald darauf ins Feld rücken mußte. Beider Einnahme Maricnburgs durch die Russen (1702) kam sie in Gefangen-schaft und zuletzt in das Haus Mentschikows, des Ministers Peter des Großen.Hier gefiel sie dem Zaren bei einem Gastmahle so, daß er sie zu sich nahm>1703) und später (1707) sich mit ihr vermählte. Sie besaß eine bewun-derungswürdige Gcschicklichkeit, sich seinen Launen zu fügen, und wußte sichbis aus Ende im Besitze seiner Liebe und Achtung zu erhalten. Auf demerwähnten Kriegszuge war sie ihm von besonderem Nutzen.
Die Russen Die Russen fielen in die Moldau ein und zogen längs dem Pruth'am Pruth. hinab, wurden aber Plötzlich von den Türken eingeschlossen. In dieser Notsandte Katharina einen Friedensboten mit ihrem Geschmeide und anderen Kost-barkeiten an den Großwesir. Die Edelsteine blendeten den habsüchtigen Türkenso, daß er den Russen einen günstigen Frieden bewilligte (23. Juli 1711).Während der Zar sich mit seinem ganzen Heere hätte ergeben müssen, kamer nun mit dem Verluste von Asow' davon. Karl tobte vor Wut, als erdie Rüsten abziehen sah, doch ließ es der Sultan bei dem verabredeten Frieden.
- Längst hätte der schwedische König abreisen sollen. Denn sein verwaistes
Land bedurfte dringend seiner Anwesenheit. Bald nach der Schlacht bei Pol-tawa war der Bund der feindlichen Nachbarn wieder aufgelebt: August ll-hatte Stanislaus Leszinsky vertrieben und den Polnischen Thron wieder ein-genommen, und der Zar hatte außer Ingermaunland noch Livland und Esth-
* Poltawa, Stadt östlich vom Mittellauf des Dniepr. — Bender, Stadtin Bessarabien. am Dniestr. seit 1812 russisch- — Marienbnrg. Stadt im östlichenLivland. — Pruth, Nebenfluß des linken Donaunfers. — Asow, Stadt undFestung am Don, unweit dessen Mündung ins schwarze Meer.