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Neue Geschichte.
Nachdem Anfang März die Regenten der Klein- nnd Mittelstaaten zurBefriedigung der Volkswünsche gezwungen worden waren, hatte Wien amMärztage 13. März und Berlin am 18. März 1848 einen Volksaufstand, der dort1848. dm Fürsten Metternich (S. 218) stürzte und hier Friedrich Wilhelm denIV. zu zeitgemäßen Zugeständnissen bewog.
Die größten Hoffnungen aber setzte das Volk auf die freierwählteNational- deutsche Nationalversammlung 1, welche in der Panlskirche zu Frankfurtverfamm- g M den ig. Mai 1848 eröffnet wurde. Diese hatte den Auftrag, fürdas gesamte Vaterland. eine Verfassung zu entwerfen. Die Mehrheit derVersammlung gehörte mit dem Vorsitzenden, dem Freiherr» Heinrich vonGagern. Gagern, der konstitutionellen Partei an und war von Eifer für eine wür-dige Neugestaltung Deutschlands beseelt. Aber beides konnte den Mangelan politischer Erfahrung nicht ersetzen. Mag auch die Wahl des ErzherzogsJohann von Österreich (S. 199) zum Reichsverweser (29. Juni 1848)Grund- am Platze gewesen sein, mit Beratung „der Grundrechte des deutschenrechte. Volkes" aber beschäftigte man sich zu lange (9. Juli bis 21. Dezember1848) und so wurde die Zeit versäumt, in welcher mit den deutschen Für-sten Vereinbarungen hätten getroffen werden können. Als aber die Ver-sammlung später in Beratung der eigentlichen Verfassung eintrat, waren diedeutschen Regierungen und besonders die beiden Großstaatcn bereits soweiterstarkt, daß sie ihren Einfluß auf die Gestaltung unseres Vaterlandes auf-recht zu erhalten wußten.
Österreich. Die österreichische Monarchie schien nach den Märztagen des Jahres
1848 in Auflösung begriffen zu sein. In Wien herrschte Gesetzlosigkeit, undein Centralkomits aus Abgeordneten der Bürgcrwehr und der akademischenLegion harte mehr Ansehen, als die Regierung. Dazu kam, daß die italie-nischen ^ Provinzen abgefallen waren, Ungarn ein Gleiches befürchten ließund sich in Böhmen gefährliche Unruhen zeigten. Doch die, welche den Um-sturz wollten, vergaßen, daß die Säulen des Reiches, die Truppen, noch fest
Radetzky. standen. Der Fcldmarschall Radetzky besiegte die Italiener bei Cnstozza^Windisch- (25. Juli) und zwang sie zum Waffenstillstandes Fürst Windischgrätzgrätz. trieb die Böhmen (17. Juni) zu Paaren und zog dann vor Wien, welcheser (31. Oktober) einnahm. Auch nach Ungarn rückte er vor und machteanfangs gute 'Fortschritte, doch konnte dieses Land wegen des hartnäckigenKossuth. Widerstandes, welchen der Diktator Kvssuth organisiert hatte, erst im August
1849 mit Hilfe russischer Truppen unterworfen ^ werden.
' Für die Nationalversammlung war auf je 50000 Einwohner ein Ab-geordneter gewählt worden, so daß die Versammlung 605 Mitglieder zählte. BeiEröffnung des Parlaments waren 830 Abgeordnete anwesend.
» ^ Österreich besaß seit dem Wiener Kongresse tS. 20!U die italienischen Pro-
vinzen Lombardei nnd Veuetieu, das sogenannte lombardisch-venetianische Königreich.
2 Lustozza, Dorf westlich von Verona.
^ Der Friede erfolgte erst später. Karl Albert, der König von Sardinien(S. 184 Anm. 2.), welcher die Lombarden in ihrem Aufstand unterstützte, kündigte(16. März 1849) den Waffenstillstand, wurde aber von Radetzky bei Mortara <21.März) und bei Novara (23. März) so entschieden geschlagen, daß er abdankte undseinem Sohne Viktor Emanuel überließ, sich mit den Österreichern zu vertragen,was im Frieden zu Mailand <5. August) geschah.
° Die Ungarn konnten mit 135060 Mann gegen 275 000 Mann das Feldnicht behaupten. Am 11. August 1849 legte Kossuth die Diktatur in die HändeGörgcis nieder, der sich am 13. August samt seinem Heer (30 000 Man») bei Bi-llig os an den russischen General Rüdiger ergab.