Deutschland in den Jahren 1851—187).
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Gleichheit aller vor dem Gesetze aufrecht erhalten und zur Ausführung ge-bracht. — Dazu suchte der Rückschritt in der Begünstigung der hierarchischenInteressen eine weitere Stütze zu gewinnen. Am 18. August 1855 wurdemit dem päpstlichen Hofe ein „Konkordat^ abgeschlossen, in welchem derkatholischen Geistlichkeit eine größere Gewalt verliehen wurde, als dieselbeseit Jahrhunderten besessen hatte.
Erst die Niederlagen im lombardischen Kriege (S. 229) führten zu derEinsicht, daß eine freiere Gestaltung des Reiches notwendig sei. Eine solchetrat ein mit dem Februar-Patent (26. Februar) von 1861, wodurchÖsterreich sich wieder den konstitutionellen Staaten einreihte. Ein Fortschrittauf anderem Gebiet war das Patent vorn 8. April 1861, welches denProtestanten Selbständigkeit in Bezug auf Kirche und Schule gewährte.
In Preußen behütete zwar den König sein Rcchtösinn, die 1850bcschworcne Verfassung (S. 221) zurückzunehmen, doch gewann auch hier diereaktionäre Partei immer größeren Einfluß.
Um diese Zeit (1850) erwarb der preußische Staat die hohcnzollernschcn, im ehemaligen schwäbischen Kreise gelegenen Lande, wo die Wiegedes preußischen Herrscherhauses gestanden (S. 105), indem die beiden daselbstregierenden Fürsten (Hvhenzvllcrn-Sigmaringen und Hohenzollcrn-Hechingen)zu grinsten des Hauptes ihres Stammes abdankten. — Während die preu-ßische Krone auf diese Weise in Süddeutsch land festen Fuß faßte, sah siesich andererseits veranlaßt, dem Fürstentum Nencnburg in der Schweiz,daS ein persönliches Besitztum des Königs war, 1857 zu entsagen.
Je mehr während dieser Zeit das politische Leben Deutschlands dar-niederlag, eine desto reichere Entwickelung zeigte sich auf volkswirtschaft-lichem Gebiet. Für Handel und Verkehr geschahen durch den Bau vonEisenbahnen, durch Vermehrung der Telegraphenstationen, durch Erleichterungim Postverkehr, durch Handels- und Schiffahrtsverträge wesentliche Fort-schritte. Bor allem trug dazu auch die Erweiterung des deutschen Zoll-vereines (S. 217) bei, indem 1851 noch Hannover, Oldenburg undBraunschwcig demselben beitratcn. — Eine besondere Fürsorge FriedrichWilhelm des IV. war die Gründung einer Preußischen Kriegsflotte, derenNotwendigkeit sich im dänischen Krieg (S. 222) dringend herausgestellt hatte.Sie hob sich in rascher Entwickelung besonders durch Erwerbung des Ge-bietes am Iadebuscnü, wo ejn Kriegshafen angelegt ward (1853).
Ein nicht minder reges Leben erblühte in Kunst und Wissenschaft,und auch hier gewahrte Preußens König die dankenswerteste Förderung. Na-mentlich war sein Kunstsinn auf Erhaltung und Wiederherstellung historischerDenkmäler gerichtet, wovon die preußische Herrcnburg zu Maricuburg->(S. 100) und der Kölner Dom (S. 218) rühmliche Zeugnisse ablegen.Auch die Wissenschaft fand würdige Vertretung und eifrige Förderung; vorallem glänzt der Name Alexanders von Humboldt, des Nestors der Natur-wissenschaften (1- 1859). — In Kirche und Schule dagegen begünstigte maneine den Forderungen der Zeit entgegengesetzte Richtung.
Überhaupt empfand Friedrich Wilhelm IV. tief den Widerspruch, welcher
r Das Konkordat ist in Österreich 1670 infolgedessen, daß der Papst sich fürunfehlbar erklärte <S. 232 Am». 1.), aufgehoben worden.
u Jade. Küstenfluß im Großhcrzogtum Oldenburg, westlich von der Wcscrmün-duug. — Marienburg, Stadt südlich von Danzig, an der Nogat (S. 99 Anm. 3.).
Konkordat
1855.
Februar-
Patent
1861.
Preußen.
Hohenzol-
lcru.
Nruknburg.
Fortschritte.
Kriegsflotte'1853.
Kunst undWissen-schaft.