Band 
Zweiter Kursus.
Seite
240
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Neue Geschichte.

Die beider-seitigenHeere.

Einmarschd. Preußen:1. u.

Elbarmee.

II. Armee.

Gitschin.

Königgrätz.

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Die beiderseitigen Heeresinafsen waren an Zahl im ganzen gleich, dochhatte Preußen den Vorteil eines durchschnittlich höheren Maßes von Bildungseiner Mannschaften. Dazu fühlten sich seine Truppen als Söhne einesVolkes, während die österreichische Armee die bunteste Mustcrkarte von Na-tionalitäten darstellte. Aber auch in materieller Beziehung war die Preu-ßische Armee vorteilhafter gestellt. Die Infanterie besaß in dem Zündnadcl-gewchr (S. 116) eine überlegene Waffe; die Militärverwaltung, das Sanitätswesen, die Verproviantierung waren in bestem Stand, so daß alle Teileder zusammengesetzten Maschine regelrecht in einander eingriffen.

Am 23. Juni überschritten, wie erzählt, die I. Armee, 100 000 Mann,und die Elbarmee, 40000 Mann, die sächsich-böhmische Grenze, und biszum 29. Juni waren beide Armeen unter mannigfachen Gefechten bis Git-schin vorgedrungen, wodurch die Bereinigung mit dem von Osten heran-ziehenden Heere des Kronprinzen vorbereitet war.

Diese schlesische oder II. Armee hatte sich am 25. und 26. Juniin Bewegung gesetzt und überschritt in drei Kolonnen von Schlesien auSdas Riescngebirge. Die einzelnen Heersäulen schlugen die Angriffe der sichentgegenstellenden österreichischen Truppenteile zurück und vereinigten sichwieder bei König inho-fi.

2. So hatte die wohlbcrechnetc Bewegung der Preußen es ermöglicht,daß ihre drei Armeen zu einer Schlacht unmittelbar zusammengefaßt werdenkonnten. König Wilhelm, der soeben mit dem Grafen Bismarck angekommen,übernahm den Oberbefehl über sämtliche Truppen und legte (2. Juli) seinHauptquartier nach Gitschin. — Der österreichische Oberfeldherr aber zog(1. Juli) sein Hauptquartier nach Königgrätz> zurück, sammelte alle ver-fügbaren Streitkrüfte (206 000 Mann) und nahm eine feste Stellungzwischen der Elbe und der Bistritz — Auf die Kunde hiervon hielt derKönig in der Nacht vom 2. zum 3. Juli einen Kriegsrat, in dem be-schlossen ward, den Feind am nächsten Morgen mit der gesamten Streit-macht (220 000) anzugreifen, und zwar mit der I. und der Elbarmee imCentrum und auf den: linken Flügel, während der weiter abwärts an derElbe stehende Kronprinz ihm in die rechte Seite fallen sollte.

Am 3. Juli um 7 Uhr begann Prinz Friedrich Karl den Kampf,dessen Leitung'eine Stunde später der König selbst übernahm, umgeben vonden Ministern von Bismarck, von Roon, dem General von Moltke"und anderen. Die angreifende Armee hielt mit bewundernswürdiger Aus-dauer und unerschütterlicher Festigkeit den Kampf aus, namentlich gegendie furchtbare sächsisch-österreichische Artillerie, deren 600 Geschütze aufterrassenförmig sich erhebenden Hügeln aufgestellt waren. Ununterbrochenwogte der Kampf bis gegen Mittag; in äußerster Spannung erwarteten diePreußen die Ankunft des Kronprinzen; verspätete er sich, so war die Schlachtverloren. Der Kronprinz war indessen durch strömende Regengüsse und denaufgeweichten Lehmboden lange hingehalten worden, erschien aber bald nach

' Käniginhof, Stadt an der Oberelbe, nordöstlich von Königgrätz. —Königgriitz, Stadt und Festung an der Elbe. Nördlich von Königgrätz hatte Benedek seineArmee aufgestellt, bei dem Tors Chlum stand das Centrum, der linke Flügel beiSadowa, nach welchem Ort die Schlacht auch benannt werd. — Bistritz, rechterNebenfluß der Elbe.

^ Hellmuth v. Moltke (geb. 1800 zu Parchim in Mecklenburgs hatte als Chefdes Generalstabes die oberste Leitung der Armee und ihrer Schlachtaufstellnng.