Band 
Dritter Kursus.
Seite
89
JPEG-Download
 

89

Die Kultur der Römer im 1. Jahrhundert vor Chr..

Güter des Krassus waren 30 Millionen werth; die des Lentulus fastnoch einmal soviel. Es gab Familien, die 10,000 und mehr Sklavenhatten. Als Antonius und Oktav ian ihr Heer gegen die Republika-ner nach Griechenland führten, versprachen sie jedem Gemeinen 3500 Mark,was, da sie über hunderttausend Mann beisammen hatten, mindestens 350Millionen ausmachte. — Der Aufwand einzelner Bürger ging über alleBeschreibung. Selbst das Meer wurde eingeengt, um die Wohnungen da-hin zu erweitern. Lukullus ließ Berge ebenen und große Teiche aus-gaben, um mitten im Lande Seefische im Meerwasier erhalten zu können.

Dem Hirtius soll seine Fischerei jährlich 600,000 Mark gekostet haben.Hortensius begoß seine Bäume mit Wein und hinterließ doch noch10,000 Eimer des edlen Nasses. Attikus, Cicero's Freund, hatte 300,000Mark geerbt und hieß dennoch ein Mann von geringem Vermögen.

Was war nun aus den anfänglich so einfachen Mahlzeiten geworden?dukullus erhielt einst unerwarteten Besuch an Cäsar und Pompejus, undw Eile ward ein ländliches Abendessen veranstaltet, welches 30,000 Markkostete. Die ägyptische Königin Kleopatra wettete einst mit Antonius,wer von ihnen die kostbarste Mahlzeit geben würde. Antonius ließ dieksinsten Leckerbissen anschaffen, die Königin dagegen bewirthete ihn ganz«nsach, reichte aber zum Schluß der Mahlzeit eine Flüssigkeit herum, inwelcher eine Perle vom Werthe 14/z Millionen Mark aufgelöst war.

Ueberhaupt brachten Schiffe und Karawanen den Römern aus denAtferntesten Ländern Leckereien und Kostbarkeiten. Dabei gefiel nicht das Leckereien.Ginfache und Natürliche, sondern das Außergewöhnliche: überall hatte Ue-berreizung die Natur verdrängt. Man aß Reiher- und Flamingozungen,Wachtelhirn, Nachtigallenherzen und Seekrebse und zahlte für einen fremdenTisch oft mehr, als für einen Ochsen. Dazu war etwas Gewöhnliches, sichdurch ein Brechmittel zu einer Gasterei vorzubereiten, um mit gehörigemAppetit essen zu können.

Und wie im Essen und Trinken, so stieg auch der Luxus in Kleidern Kleider-^std Hausgeräthen. Kopfbedeckung und Fußbekleidung strahlten von Edel- luxus.steinen; die seidenen oder wollenen Gewänder nach asiatischem Schnitt schim-merten von eingewebtem Golde. An den Fingern trug man werthvolleÄstige. Der Kopfputz einer römischen Patrizier'in, welcher nicht selten auseiner Perrücke von dem goldgelben Haar einer gefangenen Deutschen be-stand, war mit reichen Perlenschnüren durchflochten oder von einer Gold-spange zusammengehalten. Im Ohre trug man Perlen oder kostbare«keine, deren Zusammenklingen die Besitzerinnen liebten. Ebenso großwar die Verschwendung in andern Sachen. Das Haus des Cicero hatte«nen Werth von 720,000, das des Klodius von 2,400,000 Mark. Zu Banwndem Paläste des Lepidus, welcher im Jahre 78 vor. Chr. Konsul war,führten Stufen aus ächtem Marmor empor. M. Skaurus, der Stiefsohn°es Sulla, ließ als Aedil auf eigene Kosten ein Theater für 80,000 Zu-Muer bauen und im Innern mit 360 Marmorsäulen, 3000 griechischen«tatuen und den kostbarsten Gemälden ausschmücken, und doch stand es nur^.uen Monat. Noch reicher als die Häuser in der Stadt waren die rö-Mlschen Landsitze ausgestattet. Da gab es Gemächer für jede Jahres- undTageszeit, dann bedeckte Gänge, Rennbahnen, Gebäude für seltenes Geflü-2" u. s. w. Die einzelnen Zimmer strotzten vor Pracht. Die Decken,