Band 
Dritter Kursus.
Seite
101
JPEG-Download
 

Einleitung.

101

Als aber die Kirche sich mehr und mehr von dem evangelisches Christen-thurne entfernte und das Papstthum zu einer allgewaltigen Hierarchie aus-artete, da erklang gegen das Ende des Mittelalters lauter und lauter derRuf nach einer Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern. AuchMf die Begründung einer festen Königsgewalt, das Aufblühen der Städteund manche wichtige Entdeckung und Erfindung die „neue" Zeit mit an-bahnen.

44. Die ältesten Stämme der Deutschen.

Auf die Urbewohner Deutschland's, die Kelten, folgen die Germanen. Einthei-Mng derselben in fünf Hauptstämme: 1. Jngävonen. 2. Jstävonen. 3. Her-mionen. 4. Vindiler und S. Peuciner, oder in zwei Gruppen: in suevischeund nichtsuevische Germanen.

Als Urbewohner Deutschland's werden die Kelten genannt. Nachthuen folgten die Germanen, welche vor der Völkerwanderung allesLand östlich vom Rhein und nördlich von der Donau bis zur Weichselwne hatten. Die ganze Nation mag aus mehr als fünfzig kleinen Völ-kerschaften bestanden haben, doch unterschied man schon frühzeitig 5 Haupt-stämmc. Es waren dies:

1. Die Jngävonen an der Meeresküste zwischen Oder- und Rhein-Jngävonen.Mündung. Dazu gehörten die Teutonen, die Ambronen, die An-

geln, Sachsen und Friesen.

2. Die Jstävonen in den Gegenden zwischen Rhein und Main. Jstävonen.Dazu gehörten die Sigamber, Usipeter und Tenchterer.

3. Die Hermio nen in der Mitte von Deutschland. Zu ihnen ge-Hermionen.hörten die Semnonen in Brandenburg, die Hermunduren in Thü-

nngen, die Cherusker im Norden und die Chatten im Südwesten desHarzgebirges, dann die Langobarden im Lüneburgischen, die Marko-mannen in Böhmen und die Qna den in Mähren.

.. 4. Die Vindiler zwischen Ostsee und Donau. Dazu zählte man: Vindiler.

me Gothen jenseit der Weichsel bis zum Pregel, die Rugier undHeruler an der Ostseeküste, zwischen Oder- und Weichselmündung, dieBurgunder an der Netze und Wartha, die Wandalen am Riesengebirgeand die Gepiden an der oberen Weichsel.

5. Die Peuciner an der untern Donau. Peuciner.

. Wie die Deutschen jetzt in Oberdeutsche und Niederdeutsche zerfallen,

'o kann man auch die alten Bewohner unseres Vaterlandes in zweiGruppen trennen, in suevische Germanen und nichtsuevische Germa- Sueven;Zu jenen würden dann die Hermionen, Vindiler und Peuciner, zu Nichtsueven.^ Jngävonen und Jstävonen zu rechnen sein. Ein Gegensatz»nuschen Sueven und Nichtsueven hat sich lange in Sitten und GesetzenEhalten. Die Sueven liebten ein nomadisches Leben, streiften umher,

^saßen die Ländereien in Gemeinschaft und kannten noch keinen erblichen^undbesitz; die Nichtsueven saßen schon zeitig fest in Erbgütern. Und alsspäter beide Volksgruppen zum Christenthume bekehrten, da nahmenbm gothischen (suevischen) Stämme den arianischen (S. 99) und die an-vern d en ath anastanischen Glauben an. — Der Name Sueve * lebt noch, * Die Abstammung des Wortes Sueve ist unsicher. Manche leiten es von

Meisen ab, sofern die Sueven ursprünglich nomadisch und kriegerisch umher-snv?en, andere von dem hinter dem Kopf zusammengebundenen und lang herab-senden Haarschweife, der zu ihrer Volkstracht gehörte.