Kunst und Wissenschaft von 1500 bis 1650. 197
weiter verbreitet. In großen und kleinen Städten des protestantischenDeutschland's erhoben sich Schulen, auf welchen man in Melanchthon'sGeiste lehrte. Das Kirchenlied erlangte durch Luther (P 1546), Paul Kirchenlied.Speratus <ch 1554), Nikolaus Decius ich 1541), Paul Eber (P 1569), Ni-kolaus Hermann (ch 1561), Ringwald ich 1598) u. A. eine bewunderns-würdige Blüthe und trug wesentlich zur Ausbreitung der evangelischen Lehrebei. Nicht so hoch stand die weltliche Dichtung, wenn auch HansSachs (S. 143) und seine Gesinnungsgenossen für dieselbe überaus thätigwaren. Blos in Martin Opitz (si 1639) und Paul Flemming ich 1640),den Vertretern der ersten schlestschen Dichterschule, nahm die Poesie wiedereinen höheren Aufschwung, entartete aber bald in der zweiten schlestschenSchule durch Bombast und geistlose Nachäffung französischer Vorbilder.
Der Hauptsttz der Kunst blieb in diesem Zeitraum Italien, wo diefürstlichen Höfe und insbesondere der prachtliebende Papst Leo X. ihre Ent-wickelung förderten. Doch wurden nicht mehr ausschließlich kirchliche, son-dern auch heidnisch-mythologische Gegenstände dargestellt. Von den großenBaumeistern Jtalicn's ist besonders Michel Angelo ssi 1563) hervorzu-Italienischeheben, welcher in der Malerei, Baukunst (Renaissance) und Bildhauerei Maler,gleich tüchtig war und die von Bramante zu Rom entworfene Peterskircheweiter führte. Sein jüngstes Gericht schmückt noch jetzt die sixtinische Ka-pelle in Rom. Bonden römischen Malern merken wir den großen Rafael(ch 1520), dessen Marienbilder (Madonnen) eine vollendete Schönheitder Formen bieten; aus der venezianischen Schule Tizian (ch 1576) undPaul Veronese (P 1588), aus der lombardischen Leonardo da Vinci (s-1519),durch sein Abendmahl, und Correggio (1534), durch seine mit dem Namender „Nacht" bezeichnete Anbetung der Hirten berühmt. Von Italien auserhielten dann auch die nördlichen und westlichen Länder Europa's einenmächtigen Anstoß zu weiterer Kunstentwickelung, und die Deutschen Al- Deutschebrecht Dürer von 'Nürnberg (P 1548), Hans Holbein (s- 1554) und Lukas u. nieder!.Kranach (si 1553), sowie die Niederländer Rubens (P 1640), van Maler.Dyk (ch 1641) und Paul Rcmbrandt (P 1674) müssen neben den italieni-schen Malern mit Auszeichnung genannt werden. Die kirchliche Musik erhieltdurch Palcstrina (si 1594) und Allegri (i 1652) einen epochemachendenAufschwung. Auch Meisterwerke der Dichtkunst erschienen damals in Ita-lien, Spanien und England. Ariosto (P 1533) dichtete den rasenden Ro- Dichter,land, Torquato Tasso (si 1595) die Befreiung Jerusalem's. Der spanischeDichter Cervantes (si 1616) schrieb den komischen Roman Don Quixotc;die ausgezeichneten Dramatiker Lopez de Vega (7 1635) und Calderon(ch 1681) traten mit vortrefflichen Schauspielen hervor, und der Portu-giese Camoens (7 1569, verfaßte ein Heldengedicht, „die Lusiadc", durchwelches er die Großthaten seines Volkes verherrlichte. In Englandwirkten der berühmte Shakespeare (7 1616) und Milton (s- 1674), derDichter des verlorenen Paradieses.
2. Unter den Männern, welche damals in den Naturwissenschaf-ten neue Bahnen gebrochen haben, müssen wir vor allem den großen Astro-nomen Nikolaus Kopernikus von Thorn ls-1543) nennen. Das sogenannte Kopernikus»Ptolomäische Weltsystem", welches die Erde für den Mittelpunkt des s- 1543.Weltalls hielt, stürzte er durch die Entdeckung, daß auch die Erde ein Planetsn und gleich den übrigen Planeten sich um die im Mittelpunkte des Pla-