Band 
Dritter Kursus.
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Polen.

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in Polen gesteigert, weil fast keine Thronbesetzung ohne Parteiung undblutigen Kampf abging. Nach dem Tode des berühmten Königs Sobieski Sobieski.erwählte man (1697) den Kurfürsten Friedrich August den I. von Sachsenals August den II. unter der Bedingung zum König, daß er zur katho- August II.lischen Kirche übertrete. Die tumultuarischcn Auftritte des polnischen Reichs- v- Sachsenlages aus dieser Zeit, welche jede Berathung erfolglos machten, sind sprich-^97-1733.wörtlich geworden. Die Krone mußte im eigentlichen Sinne des Worteserkauft werden, und auch August II. hatte sich dieselbe viel Geld kosten las-sen. Aber trotz der großen Opfer, die er gebracht, konnte er nur wenigmehr als die Ehre des Königsnamens erlangen. Und selbst diese Ehrewurde ihm bestritten, als der schwedische König Karl XII. einen Einfallin das Königreich Polen machte und einen Theil der Stände (1704) zwang,den Starosten Stanilaus Leszinski zum König auszurufen. Erst nach StamslausKarl des XII. Niederlage bei Pultawa' (1709) kam August II. wieder in Leszinski.Besitz des polnischen Thrones.

2. Nach dem Tode August des II. (1733) entstand der polnischeErbfolgekrieg, in welchem Stamslaus Leszinski (der als Flüchtlingsich lange im Elsaß unter ärmlichen Umständen herumgetrieben hatte, biser durch Vermählung seiner Tochter mit König Ludwig dem XV. ausaller Noth kam) und August III., der Sohn August des II., um die Krone August III.stritten. Durch Rußland's und Oesterreichs Einfluß wurde endlich (1735)1733—63.August III. ^ als König von Polen anerkannt, wogegen Stamslaus dasHerzogthum Lothringen, jedoch unter der Bedingung erhielt, daß es nachseinem Ableben an Frankreich fiele. Nun war Friede bis zum Tode Au-gust des III. (1763). Da aber verlangte Katharina II. von Rußland, die Poma-Polen sollten Stanislaus Poniatowski, der früher Gesandter inPetersburg gewesen und ihr ganz ergeben war, zum Könige wählen. Zur ^64-Unterstützung ihres Verlangens ließ sie russische Truppen in Polen einrü-cken und erzwäng so die Erwählung Poniatowski's (1764). Mit diesergewaltsamen Beeinflussung der Wahl beginnt die Leidensgeschichte Polen's.

Der größere Theil des polnischen Adels war unzufrieden mit der getrof-fenen Wahl, griff zu den Waffen und entzündete einen Bürgerkrieg (Kon- Bar

föderativ» zu Bar ' 1768), der mehrere Jahre fortdauerte. Indeß über- 1768.

zeugte sich Katharina II. immermehr, „daß man sich in Polen nur zubücken brauche, um ein Stück Land aufzuheben." Auch Preußen, das Pom-mern mit seinen östlichen Ländern in geographischen Zusammenhang zubringen wünschte, huldigte dieser Ansicht. Friedrich der Große schickte des-halb seinen Bruder Heinrich nach Petersburg, und hier ward nun dieTheilung Polen's verabredet. Damit Oesterreich aber nicht etwa dazwischenträte und den Poleu beistände, so wurde auch dieses zur Theilung freund-schaftlich eingeladen. Der Kaiser Franz I., der kaum mehr als den Kai-sertitel geführt hat, während alle Macht in. den Händen seiner Gemahlin,der berühmten Maria Theresia, blieb, war im Jahre 1765 gestorben, undsein Sohn Joseph II. an seine Stelle getreten. Dieser sowohl, als seinerster Minister, der Fürst Kaunitz, wurden zu dem angesuchten Beitritteleicht vermocht; nicht so leicht aber Maria Theresia, die das Vorhaben je-

r Pultawa, Stadt östlich vorn Mittellauf des Dniepr. — Bar, Stadt inPodolien, an einem westlichen Nebenflüsse des Bug.

2 August III. heißt als Kurfürst von Sachsen Friedrich August II.