Band 
Dritter Kursus.
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Neue Geschichte.

ner Mächte für höchst widerrechtlich hielt. Sie schrieb in dieser Angelegen-heit an Kaunitz: „Als alle meine Länder angefochten wurden, und garnicht mehr wußte, wo ruhig hingehen sollte, steifte ich mich auf mein gutesRecht und den Beistand Gottes. Aber in dieser Sach, wo nicht allein dasoffenbare Recht himmelschreiend wider Uns, sondern auch alle Billigkeit unddie gesunde Vernunft wider Uns ist, muß bekennen, daß zeitlebens nicht sobeängstigt mich befunden und mich sehen zu lassen schäme. Bedenk derFürst, was wir aller Welt für ein Beispiel geben, wenn wir um ein elendesStück von Polen oder von der Moldau und Wallachey unser Ehr undReputation in die Schanz schlagen." Endlich aber willigte sie ein, unddarauf vereinigten sich Rußland, Preußen und Oesterreich in einem Traktate

1. Theilung (August 1772) zur ersten Theilung Polen's. Rußland nahm das LandPolen's bis zur Düna und dem Dniepr, 2000 Quadratmeilen; Preußen das jetzige

1772. Westprcußen, außer Danzig und Thorn, und den Netzedistrikt, 700 Qua-dratmeilen; Oesterreich Galizien und Lodomirien, 1500 Quadratmeilen.

3. Seit dieser Theilung übte Rußland auf die Verhältnisse Polen'sden entschiedensten Einfluß. Die Kaiserin Katharina II. nährte absichtlichdie inneren Zwistigkeiten des unglücklichen Landes, um daraus später Vor-theil zu ziehen. Die Polen merkten die russischen Absichten und suchtensie zu durchkreuzen. Als geeignet erschien ihnen der Zeitpunkt, da Ruß-land in Krieg mit der Türkei (S. 211) verwickelt war. Sie gaben sich

Konstitu- daher am 3. Mai 1791 eine konstitutionelle Verfassung, welche mit

tion Preußen's Zustimmung in's Leben trat. Aber viele Große waren mit der

1701. ^stgemäßen Aenderung unzufrieden, schlössen die Konföderation zu Targo-

1792 ^ witz i (1792) und gingen zur Wiederherstellung der „polnischen Freiheit"die Russen um Hilfe an. Katharina, welche eben mit der Pforte den Frie-sen zu Jassy geschlossen, gewährte dieselbe bereitwilligst und ließ ihre Ko-lonnen in Polen einrücken. Umsonst riefen die Patrioten Preußen's Hilfean; in Berlin war man auf andere Gedanken gekommen, man zog dasBündniß mit Rußland der Freundschaft mit Polen vor, um so mehr, alsman in der neuen Verfassung eine Nachahmung der neufranzösischen Ideenund Staatsformen erblickte. Doch verzweifelten die Polen nicht an ihrer

Kosciusko. gerechten Sache. Kosciusko, der in Amerika unter Washington für dieSache der Freiheit gefochten, trat an die Spitze der Patrioten und kämpfteanfangs auch mit glücklichem Erfolge (Schlacht bei Dubienka* 17. Juli1792). Allein Verrath und Zwietracht hemmten den Fortgang des begon-nenen Kampfes. Sobald der König Stanislaus Poniatowski, bisher einbegeisterter Anhänger der neuen Verfassung, der Kaiserin Gehör gab undsich den Konföderirten anschloß, mußten die Patrioten die Waffen nieder-legen und ihr Vaterland verlassen. Nachdem dieß geschehen, verlangten

2. Theilung Rußland und Preußen eine zweite Theilung des Landes. Der polnische1793. ^Reichstag widersprach, aber russische Truppen umstellten das Sitzungshaus

und erzwängen (Oktober 1793), daß Volhynien, Theile Podolien's, halbLitthauen, 4500 Quadratmeilen, an Rußland, und Posen, Gnesen, Kalisch,Danzig, Thorn, 1000 Quadratmeilen, an Preußen abgetreten wurden.Den Polen verblieb kaum ein Drittel ihres ehemaligen Gebiets.

Seit dieser Zeit ging eine dumpfe Gährung durch das ganze Land-1 Largo Witz, Stadt in der Ukraine, südlich von Kiew, an einem Nebenflüssedes Bug. — Dubienka, Stadt am Bug, südöstlich von Warschau.