Polen.
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Zu spät sah jetzt die Konföderation von Targowitz ihr Vergehen am Va-terland ein und entsagte dem russischen Bündniß. Bald erhob sich dasganze Volk in edler Begeisterung. Jung und Alt, Arm und Reich, selbstWeiber und Kinder brachten wetteifernd ehr Opfer auf den Altar des tief-beleidigten Vaterlandes. Kosciusko stellte sich an die Spitze der Be-waffnung, und das Häuflein der Polen focht gegen die übermächtigen Rus-sen und Preußen den letzten Kampf der Verzweiflung. Zwar ward mancheherrliche Kriegsthat von ihnen verrichtet, jedoch am Ende unterlagen sie in demallzu ungleichen Streite. Am 10. Oktober 1794 gewann der russische FeldherrSuwarow einen blutigen Sieg bei Matschiowitz'. Kosciusko, voneiner Kugel getroffen, sank — der Ruf: »bänis kolonial ist Sage —vom Pferd und gerieth in russische Gefangenschaft. Nach diesem Siegestürmte Suwarow Praga, die Vorstadt von Warschau, worauf sich diesesselbst ergab. Poniatowski mußte die Krone niederlegen; Polen aber, dasunglückliche Polen, wurde (Januar 1795) zum drittenmal getheilt,wobei der Süden mit Krakau an Oesterreich, das Land links der Weichselmit Warschau an Preußen, alles übrige an Rußland fiel. So schwand daseinst ruhmreiche und mächtige Polen aus der Reihe der selbständigen Staa-ten, ein Opfer selbstverschuldeter Schwäche und fremdes Recht verachtenderGewaltthat. — Poniatowski lebte bis 1798 in Petersburg von einem Gna-dengelde der Kaiserin. Kosciusko, von Kaiser Paul dem I. in Freiheit gesetzt,starb als Privatmann in der Schweiz (Oktober 1817). Sein Leichnam wurdenach Krakau gebracht.
79. Kunst und Wissenschaft 1659-1899.
1. Verstandesmähige Auffassung der Religiouswahrheiten. Englische und franzö-sische Freidenker. Die Encyklopädisten; Voltaire, Rousseau, Montesquieu. Strebennach kirchlichen und politischen Umgestaltungen. Werth der französischen Aufklärung.Geringer Widerstand Frankreich's gegen die antichristlichcn Ideen, größerer Wider-stand England's und Deutschland's (Methodisten und Pietisten). 2. Zweite schle-fische Schule. Aufschwung der deutschen Literatur in der Mitte des 18. Jahrhun-derts: Gottsched und die Schweizer; Haller, Hagedorn, Geliert und der Hainbund.Zweite klassische Periode: Klopstock, Lessing, Wieland, Herder, Schiller, Göthe.Musiker: Bach, Händel, Gluck, Mozart, Hahdn. Schöne Literatur der Englän-der, Spanier, Italiener und Dänen. Stand der Malerei. 3. Fortschritte inden Wissenschaften. Philologen: Geßner, Ernesti, Heyne, Voß; Geschichlsschrei-ber: Hume, Robertson, Gibbon, Schröckh, Schlözer, Johannes von Müller; Phi-losophen: Spinoza, Kartesius, Leibnitz, Kant; Naturforscher: Buffon, Blumeubach,Linus. Entdeckungsreisen Cook's.
1. Nach den großen religiös-politischen Kämpfen im 16. und 17.Jahrhundert erfolgte ein mächtiger Umschwung der Denkungsart und Ge-sinnung. Während man bis dahin sich dem geoffenbarten Gotteswort mitvollem Herzen hingegeben hatte, so trat jetzt eine mehr nüchterne, verstan-desmäßige Auffassung der Religionswahrheiten hervor. Diese Richtunghatte ihren Ursprung' in dem bürgerlich freien, aber kirchlich zerrissenenEngland. Dort zeigte sich eine große Anzahl von Freidenkern (Hobbcsf 1679, Locke ch 1704, Shaftesbury st 1713), welche das Leben in Kircheund Staat nach den Grundsätzen der reinen Vernunft umbilden wollten.In England blieb jedoch diese falsche Aufklärung auf vornehme und ge-
> Matschiowitz, Stadt in Polen, südöstlich von Warschau, am rechten Uferder Weichsel.
Suwarow'sSieg beiMatschio-witz 1794.
3. Theilung1795.