Band 
Dritter Kursus.
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Deutschland 1851—1863.

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Hände der katholischen Geistlichkeit kam und die Protestanten sich vielfachbeeinträchtigt fühlten, nicht blos unter den letzteren, sondern auch unter denKatholiken' großen Anstoß. An Unzufriedenheit zwischen den verschiedenenVölkerschaften, sowie zwischen Regierung und Unterthanen fehlte es daher nicht.

In Preußen war inzwischen ein noch viel schlimmerer Konflikt aus- Preußen,gebrochen. König Wilhelm I., welcher seinem am 2. Januar 1861 ver-storbenen Bruder auf dem Throne gefolgt war, hatte die Ueberzeugung,daß Preußen nur dann zu seiner ihm gebührenden Stellung gelangenkönne, wenn es über eine große Kriegsmacht verfüge. Darum verlangteer eine Reorganisation des Heeres, durch welche dessen Stärke er-höht, die aktive Dienstzeit ausgedehnt, dagegen die in der Landwehr verkürztwerde. Aber der Landtag wollte die dazu nöthigen Mehrausgaben nichtbewilligen, und da der König festblicb, so folgte Ministerium auf Mini-sterium, Kammerauflösung auf Kammcrauflösung. Am 9. Oktober 1862berief Wilhelm I. den bisherigen Gesandten in Paris, Otto v. Bismarck, v. Bismarckzum Ministerpräsidenten. Dieser, ein Mann von scharfer Beobachtungsgabe 1862.und großer Willenskraft, hatte während seiner diplomatischen Laufbahn die-selbe Anschauung wie der König gewonnen und machte sich anheischig, dieArmeereorganisation mit oder ohne Genehmignng der Stände durchzufüh-ren. Bei Antritt seines Amtes hätte er sich gern mit den Abgeordnetenin Einklang gesetzt, aber das gesteigerte Mißtrauen ließ Vielen seinen Pa-triotismus als Junkerthum, seine Energie als Ueberhebung erscheinen. DasBudget und eine Anleihe wurden wiederum verworfen, worauf Bismarckoffen erklärte: „In diesem Falle werde er die Mittel, deren er bedürfe,nehmen, wo er sie bekomme." Inzwischen wurde die neue Heereseinrich-tung thatsächlich durchgeführt; doch stieg auch die Verbitterung in Preußen(1862—1864) höher, denn je.

Die Verlegenheit des preußischen Staates glaubte Oesterreich zur Be-festigung seiner Macht in Deutschland benutzen zu können. Der KaiserFranz Joseph berief daher einen Fürstenkongreß nach Frankfurt Fürstenlon-(16. August bis 1. September 1863) und legte demselben einen Reformplau greß

vor, durch welchen das Uebergewicht Oesterreichs im Bunde verbürgt wer- 1863.

den sollte. Doch schon das Nichterscheinen des Königs von Preußen ließden Reformplan im Entstehen scheitern.

III. Deutschland 1863—1870.

1. Schleswig-Holstein 1864. Wiener Friede. Konvention von Gastein 1865.

Neue Zerwürfnisse. 2. Der deutsche Krieg 1866. Friede zu Prag. Neuge-staltung Deutschland's ohne Oesterreich. Preußen: Indemnität. Annexionen.Norddeutscher Bund. Süddeutschland. Zollparlament. Die Luxemburger Frage1867. 3. Oesterreich seit 1866.

1. Trotz der gegenseitigen Eifersucht sahen sich die beiden deutschen Schleswig-Großmächte um diese Zeit (1864) zu gemeinsamem Handeln berufen. Chri- Holstein

stian IX. war (15. November 1863) König von Dänemark geworden 1864.

und hatte als solcher die schon früher entworfene „Gesammtstaatsverfassung"genehmigt, durch welche Schleswig (S. 274 f.) der dänischen Monarchie einver-leibt wurde. Dagegen erhob sich der deutsche Bund, beschloß Exekution und ließ12,000 Mann Hannoveraner und Sachsen in Holstein einrücken (23. Dezember1863). Um auch Schleswig zu gewinnen, hielten es indeß die beidenGroßmächte für gerathen, die ganze Angelegenheit in eigene Hand zu