Band 
Dritter Kursus.
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Neue Geschichte.

nehmen. Sie erklärten an Dänemark den Krieg und setzten (1. Februar1864) 72000 Mann in Marsch gegen die Schlei. Innerhalb wenigerMonate waren die starken Befestigungen des Danewerks i (5. Februar)eingenommen, die Düppler Schanzen^ erstürmt (18. April), die InselAlseni erobert (29. Juni) und ganz Schleswig, sowie der größte Theilvon Jütland besetzt. Nach solchen Verlusten bequemte sich Dänemark zumWiener Wiener Frieden (30. Oktober 1864), in welchem es die HerzogthümerFriede Holstein, Schleswig und Lauenburg an den Kaiser von Oesterreich und

1864. dxn König von Preußen abtrat. In dem gemeinschaftlichen Besitz der wie-dergewonnenen Nordmarken lag aber für Preußen und Oesterreich der Keimzu neuen Zerwürfnissen.

Preußen, welches in dem Kriege am meisten gethan, war nicht ge-sonnen, aus den Herzogthümern einen souveränen Mittelstaat entstehen zulassen, welcher, wie fast alle anderen, an Oesterreich sich anlehnend, einegegen Preußen gerichtete Politik befolge. Dazu betonte es, daß solch' einStaat doch zu schwach sei, trotz seiner Lage an zwei Meeren, für Deutsch-land irgend Ersprießliches zu leisten. Daher ging seine Erklärung dahin— und dies sprach es gegen Oesterreich auch in den sogenannten Februar-forderungen (22. Februar 1865) aus —, daß es die Herzogthümer nurdann als selbständigen Staat und den „Augustenburger" als ihren Herzoganerkennen werde, wenn dem König von Preußen zum mindestens die un-bedingte Verfügung über ihre Land- und Seemacht zugesprochen würde.Da weder die Herzogthümer noch Oesterreich einwilligten, so schärfte sichder Gegensatz zwischen Oesterreich und Preußen so zu, daß man im Laufedes bevorstehenden Sommers einen Zusammenstoß in Deutschland befürch-Konvention ten mußte. Die Konvention von Gastein (14. August 1865), durchvon welche das Herzogthum Lauenburg gegen eine Entschädigung von 7^/zMill.

Gastein Mark von Oesterreich an Preußen abgetreten und, unbeschadet der gcmein-

1865. samen Besitzrechte, die Regierung Schleswig's an Preußen und die Hol-stein's an Oesterreich überlasten wurde, wandte für diesmal die Gefahr ei-nes Krieges noch ab 2 .

Und doch war die genannte Konvention nur ein Waffenstillstand.Neue Zer- Da Oesterreich nach wie vor die Augustenburgische Partei unterstütztewnrsnisse. und Preußen's Wünsche und Beschwerden hintansetzte, so kam es von neuemzu einem sehr gereizten Depeschenwechsel, welcher in beiden Staaten umfas-sende Rüstungen hervorrief. Preußen schloß überdies im Geheimen einBündniß mit Italien, worin es sich verpflichtete, demselben zum BesitzVenetien's zu verhelfen. Auch die Mittelstaaten trafen kriegerische Vorkehr-ungen, um, wie sie erklärten, „den Frieden im Bunde zu wahren."

Bei solcher Sachlage sah sich Graf Bismarck veranlaßt, auf die Noth-wendigkeit einer Bundesreform hinzuweisen und beim Bundestage dieEinberufung eines aus allgemeinen Wahlen hervorgegangenen deutschenParlaments zu beantragen. Dieser Borschlag stieß auf den heftigstenWiderstand und blieb ohne Erfolg.

1 Danewerk, eine Reihe Schanzen von der Mündung der Schlei bis Fried-richsstadt. — Düppler Schanzen, S. 274 Anm. — Alsen, Insel an derOstküste Schleswig's.

2 v. Bismarck ward zum Lohn für den Abschluß der Gasteiner Konventionin den Grafenstand erhoben. Seit 1871 ist er zum „Fürsten" erhöht.