14 Erstes Buch: Die französische Revolution und die Neugestaltung Europas. Z 7.
daß er die späteren Änderungen nicht billigte; deshalb wurde auch dieentworfene Staatsreform sehr kalt aufgenommen. Namentlich fand der Sah.daß niemand in seinem Eigentum gekränkt werden sollte, Anstoß, weildie privilegierten Stände gerade alle die Rechte als Eigentum beanspruchten,die der dritte Stand abgeschafft wünschte. Zum Schluß erklärte der König:„Ich befehle Ihnen, meine Herren, sofort auseinanderzugehen und sich morgenfrüh in den abgesonderten Beratungszimmern, Stand für Stand, zurWiederaufnahme Ihrer Arbeiten einzusinken!" Die Regierung gewährtein Worten viel, behielt aber die Sonderung nach Ständen, die den Gegnernder Reform zwei, ihren Anhängern eine Stimme gab, bei. Nachdem derKönig den Saal verlassen hatte, fast alle Bischöfe und der größte Teil desAdels sofort gefolgt waren, blieben die übrigen wortlos zurück, doch eindumpfes Murren zeigte die Erregung. Als dann der Zeremonienmeisterzum Gehorsam aufforderte, rief Mirabeau, nachdem er die Versammlungan ihren Eid erinnert und zum festen Widerstand ermähnt hatte,dem erschreckten Höfling zu: „Sie haben hier nicht Sitz noch Stimme;übrigens sagen Sie Ihrem Herrn (nmttrs), daß wir hier sind kraft derMacht des Volkes, und daß wir nur der Macht der Bajonette weichenwerden." Der gutmütige König wagte es nicht, die Bajonette anzu-wenden. Die Versammlung erklärte sich für unverletzlich, und baldschloß sich wiederum ein Teil des höheren Klerus (darunter Talleyrand-Perigord, Bischof von Autun, und Henry Gregoire, nachmals Bischofvon Blois) und des Adels (den lasterhaften, reichen und ehrsüchtigenHerzog von Orleans an der Spitze) dem dritten Stande an, so daß27. JuniiiM nunmehr der König selbst zu einer vollständigen Vereinigung riet.
§ 7. Erstürmung der Bastille. Einen Weg gab es noch, vieleswieder gutzumachen: der König mußte aus den mächtigsten undbedeutendsten Mitgliedern der Nationalversammlung, wie Mirabeau schonam 10. Juni geraten hatte, ein Ministerium bilden und mit der Mehr-heit regieren. Mirabeau wäre dazu der rechte Mann gewesen; er warein Todfeind des alten Staates, aber auch der Anarchie. Aber seineBemühungen, mit Necker in nähere Verbindung zu treten, blieben erfolg-los. Das war um so bedenklicher, weil nun als neuer Faktor die Be-völkerung von Paris in die Bewegung eingriff und ihren vonVersailles unabhängigen Willen geltendzumachen begann.
NeAchemss Es geschah, als man in Hofkreisen auf den Gedanken eines gewalt-str°ichs samen Einschreitens kam. Ein rascher, auffallender Truppenwechsel fandstatt; wallonische, vlämische, deutsche Regimenter wurden zusammen-gezogen. Die Nationalversammlung verlangte den Abzug dieser Truppen.Aber ihre Adresse wurde sehr kühl ausgenommen, und ehe sie noch einenweiteren Schritt tun konnte, war schon die schlimmste Befürchtung wahrgeworden. Am 11. Juli sollte der Staatsstreich geschehen; bis zuletztwar alles geheimgehalten worden, Necker ohne jede Ahnung. Als er ebenzu Tische gehen wollte, überreichte ihm ein königlicher Lakai den Befehl,sich sofort an die Grenze zu begeben; erst als er den Genfer See erreichtNbcke^ent- hatte, erfuhr Paris seine Entlassung. Das neue Ministerium Foulon,12. Juli 1789 Broglie, Breteuil war Übel gewählt; Foulon hatte sich als Intendantverhaßt gemacht; man erzählte, daß er bei einer Hungersnot gesagt habe:„das Volk solle Heu und Stroh fressen, es sei ja doch nur Vieh"-Die Antwort des Volkes auf diesen Ministerwechsel war rasch und
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