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Vierter Band.
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168
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168 Zweites Buch: Literatur und Kunst Europas im Zeichen der Romantik. Z 82.

WaSenrodsr1773 - 1798

Berliner

Kreis

Schleier-

macher

1768—1834

Lyriker

Tiedge

I75L-184I

Matthisson1761 1831

Chamtsso

1781-1838

Tieck schwankte lange in seiner Richtung, ehe er die seiner Eigenart entsprechendenStoffe und Formen ergriff. Seine ersten Romane, das Schauergemälde Abdullah undder in Rousseans Sinne verfaßte Briefroman William Lovell, erinnern in nichts an diespätere Art des Dichters, die erst mit den Volksmärchen von Peter Lebrecht, einerSammlung phantastischer, auf humoristische Weise dramatisierter Märchen mit Anspielungenauf lebende Schriftsteller (Ritter Blaubart, Der gestiefelte Kater, Die ver-kehrte Welt, Prinz Zerbino oder die Reise nach dem guten Geschmacke)hervortritt. Seine Richtung auf das Mittelalter entschied sein frühverstorbener FreundWilhelm Heinrich Wackenroder mit den Herzensergießungen eines kunst-liebenden Klosterbruders. Auf seine Anregung, vielleicht auch unter seiner Beihilfeverfaßte Tieck die ausgesprochen romantische Erzählung Franz Sternbalds Wande-rungen, die zuerst die Grundsätze von der religiösen Heiligung der Künste, von der Voll-endung des Künstlers durch den „unmittelbaren göttlichen Beistand" aufstellte. Ihr Einflußauf die „sternbaldisierende" deutsche Malerschule in Rom (Friedrich Overbeck und Peter vonCornelius 95. 98) ist bekannt. In seinen Dramen vernachlässigte Tieck vollständig dieAnforderungen der Bühne, — eine Willkür, die um so auffälliger erscheint, als er in Dresdeneifrig und verständnisvoll für Theater und Bühncnwesen tätig war, sowohl durch dieFortsetzung der Schlegelschen Übersetzung Shakespeares und eigene Aufsähe überdiesen Dichter und das Altenglische Theater als durch seine DramaturgischenBlätter. Zahlreich waren seine Novellen, wie Der junge Tischlermeister, Dichter-leben (Shakespeare), Des Dichters Tod (Camoöns), Vittoria Accorombona, dochungleich an Wert. Neben Kabinettstücken der Erzählerkunst finden sich Erzeugnisse fast lehr-hafter Redseligkeit. Ein träumerischer, energieloser Zug haftet allen Gestalten Trecks an.

Mit den Gebrüdern von Schlegel hatte sich Tieck in Berlin zusammengetan.Dadurch wurde die Hochburg der Aufklärung zur Geburtstätte der Romantik,die sich erst später Jena zum Sitz auserkor.

Die Verehrung Goethes hatte in Berlin eine Reihe hervorragender Geister und schönerSeelen zu einer ästhetischen Gemeinde vereint, zu der der Philosoph und Prediger Schleier-macher (Z 64), der neben seinen begeisternden Reden über die Religion an dieGebildeten unter ihren Verächtern auch die seltsamen Vertrauten Briefeüber Schlegels Lucinde zur Rechtfertigung des leichtfertigen Dichters verfaßte, fernerder Prinz Ludwig Ferdinand von Preußen (Z 47), die beiden Komponisten GoethischerLieder Reich ardt und Zelter, endlich die gefeierten Jüdinnen Rahel Levin, die spätereGattin Varnhagens von Ense, Henriette Herz, deren Verehrer Schleiermacher war, MosesMendelssohns Tochter Dorothea, die Friedrich von Schlegel ihrem Gatten Veit entführte,zählten.

Während seiner Tätigkeit in Dresden wurde Tieck wieder der Mittelpunkteines literarischen Kreises, zu dem Christoph August Tiedge, der vielgeprieseneSänger der Urania und Seelenfreund Elisas von der Recke, einen gewissenGegensatz bildete.

Seine Begeisterung stammt „aus Nächten tiefer Trauer"; seine Poesie wird nur „inEinsamkeit und Natur" rege. Immerhin ist seinem Lehrgedichte von der UnsterblichkeitWohllaut und Glätte nachzurühmen.

Die nämlichen Vorzüge zeigen die Gedichte seines Landsmannes undFreundes Friedrich von Matthisson, der sich sogar Schillers Anerkennungerrang.

In seinen klangreichen elegischen Naturschilderungen weht „eine duftige Mondschein-poesie voll sanfter Schwermut, voll beschaulicher Schwärmerei, voll Natursinn und weichermelancholischer Anklänge".

Der Hang zur Schwermut, eine Vorliebe für das Herzerschütternde mischtsich mit harmloser Heiterkeit und französischer Schalkhaftigkeit in den GedichtenAdalberts von Chamisso. Mit seinen Eltern war er vor der Staats-umwälzung von dem Stammschlosse Boncourt nach Preußen geflüchtet.

Allbekannt ist sein berühmtes Märchen Peter Schlemihl, das sich manche Deutunghat gefallen lassen müssen. In seinen Balladen, Romanzen und sonstigen Gedichten erscheinter durchaus als deutscher Sänger. Zu der ergreifenden Erzählung in Versen Salas YGomez, in dem „der Ausdruck schroffster Öde und Weltverlassenheit in marmorharte Vers-tafeln gegraben ist", wurde er auf seiner Reise um die Welt angeregt.