8 82. Erstes Kapitel: Literatur (die außerdeutsche bis zum Ende des Jahrhunderts). 169
Zu den gewinnendsten Erscheinungen der Romantik gehört Joseph vonEichendorff, der seit 1831 eine Ratstelle im preußischen Kultusministeriumbekleidete.
In seiner gefiihlsweichen Lyrik liegt etwas geradezu Verführerisches. Seine Novellen,s- B. Das Marmorbild, Aus dem Leben eines Taugenichts u. a. m., spiegelnunt großer Anschaulichkeit das Sehnen und die Stimmung der Schule, gleichwie seinRoman Ahnung und Gegenwart, in dem er ein dichterisches Bild seiner eigenen Ent-wickelung gab. Später kehrte Eichendorff seinen Katholizismus zu absichtsvoll hervor.
Dadurch wird sowohl der Wert seiner literaturgeschichtlichen Arbeiten wie die Wirkungseiner erzählenden Dichtungen beeinträchtigt.
Ein Nachfolger Matthissons ist Johann Gaudenz von Salis-Seewisaus Graubünden. Seine gemütvollen Gedichte und Naturschilderungen ent-standen zum Teil während eines bewegten Kriegslebens. Der MecklenburgerKosegarten schädigte seine fruchtbaren Anlagen durch die Sucht, Erhabenesschaffen zu wollen. Unter seinen Werken Gedichte, Romantische Dich- 'tun gen, Rhapsodien usw. steht obenan Ju künde.
Heinrich von Kleist ist der bedeutendste Bühnendichter der Romantik, Dramatikervielleicht überhaupt der größte nach Schiller. Nach dem Höchsten strebend, aber ^Kielst""unstet und nie von seinem Schaffen befriedigt, dazu in Verzweiflung überbis politische Lage, schied der hochgemute Mann 1811 freiwillig aus dem Leben.
Seine Dramen, wie Die Familie Schroffenstein, Guiskard, das Kleist zumVößten Teil eigenhändig verbrannt hat, Penthesilea, Küthchen von Heilbronn,
Prinz Friedrich von Homburg, zeugen durchweg für eigenständige, schöpferische Kraft,während Der zerbrochene Krug noch heute als Muster echt deutscher LustspieldichtungAlt. Trefflich ist die Erzählung Michael Kohlhaas. Seinen Ingrimm gegen dieFremdherrschaft strömte Kleist in dem Drama Die Hermannsschlacht und in dem Ergüsseeiner unbändigen Leidenschaft Germania an ihre Kinder aus.
Weit hinter ihm blieben die Bruder von Collin aus Wien zurück, Josephuut hauptsächlich antiken Stoffen, wie Regulus,Coriolanusw., Matthäus i 772 °-i 8 nmit der BefreiungWiens, Marius, den Feindlichen Brudern u. a.
In die Sagengeschichte der germanischen Vorzeit führte der Däne Adam Oehlen- 1779-1824schläger (Z 86), der dänisch und deutsch dichtete, zurück z. B. mit Palna-ioke (II, Z 108 ), Hakon Jarl u. a. i7?s-i8so
Am lebensfähigsten sind sein dramatisiertes Märchen Aladdin oder die Wunder-lampe und die Künstlertragödie Correggio gewesen, diese das Vorbild einer ganzen ReiheVerartiger Stücke, jenes ein echtes Kind der Romantik, zu der sich der Dichter auch in den^ebenserinnerungen bekennt.
Zacharias Werner trägt die Hauptschuld daß „die Dramatik des Tages ganz Zach. Wernerverwilderte und den Schauspielern jeder Sinn für Natur und Wahrheit wieder E-i8Wentwöhnt ward".
Ein regelloser Geist in Kunst wie Leben, erntete er doch für seine wüsten, spukhaftenStücke, wie Die Söhne des Tals, Das Kreuz an der Ostsee, Attila, denbefolg, um den ein Kleist vergeblich rang. Haltlos, wie er war, verstand er sich dazu,vach dem Übertritte zum Katholizismus sein beifällig aufgenommenes Drama Martin^hther oder Die Weihe der Kraft durch die schwächliche Weihe der klnkraft zuwiderrufen. Seitdem bearbeitete er nur katholische Stoffe.
Sein Trauerspiel in einem Akt Der 24 . Februar wurde der Ausgangs-Punkt für die Schicksalstragödie, die den hehren Begriff des Altertums vom«atuin in kindlicher Weise veräußerlichte. Freilich meinten ihre Vertreter sich aufSchillers Braut von Messina berufen zu dürfen.
Am ärgsten trieb es der poesielose, aber dünkelhafte „Advokat von Weißenfels"llbolf Müllner mit dem 29. Februar, der Schuld, König Pngurd, der ^fllbaneseriu. Er verfaßte auch viele Lustspiele und spielte sich in seinen literarischenZeitschriften als Kunstrichter in Deutschland aus. — Der als Jugendschriftsteller bekanntefernst von Hon Wald aus der Niederlausitz huldigte mit den Dramen Das Bild, DerLeuchtturm u. a. ebenfalls dem Schickfalsglauben, dem er innerlich ganz fremd war, wie