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Vierter Band.
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8 84. Erstes Kapitel: Literatur (die außerdeutsche bis zum Ende des Jahrhunderts). 173

die Fälst seiner oft überraschenden Betrachtungen sowie die Wahrheit der Charakteristik, einErgebnis seiner quälerischen Selbstbeobachtung. Außer dem erwähnten Hauptwerke verfaßte.montow zahlreiche Epen, wie Ismail Bey, Der Tscherkessenknabe, ein er-gehendes Lied vom Heimweh, Hadschi Abrek mit allen Schrecken der Blutrache. Inferner reichen Lyrik mögen neben dem Wiegenlied der Kosakin die Gaben des-^erek, das Hohelied von der Frauenschönheit, den Preis behaupten.

Auch dem hochgestellten Beamten und späteren Gesandten in Persien Gribo -sbdoiv wurde ein unfreiwilliger Aufenthalt im Kaukasus Anlaß, in einem Lust-Iplel Kork ot umst (etwa: Mißgeschick eines Verständigen) seinen Ingrimm überden Mischmasch russisch-nationaler und westlicher Gesittung auszuschütten.

Das Stück, das einzige Werk Gribojedows, ist ein satirisches Charakterbild, das zusolcher Volkstümlichkeit gelangte, daß einige Personen zu feststehenden Gattungsbegriffen,einzelne Kernsätze sprichwörtlich wurden. Erst 1831, sieben Jahre nach seiner Entstehungund zwei Jahre nach des Dichters Tode, durfte es aufgeführt werden.

Es liegt im Wesen der Romantik überhaupt, auf die Quellen unverfälschterVolksdichtung zurückzugehen. Ihr wandte sich auch in Rußland im Anfange desdOten Jahrhunderts das Interesse von Dichtern und Forschern zu.

Einem glücklichen Funde von Volksepen, Velins,, der gerade um diese Zeit erfolgte,fügte rühriger Sucherfleiß bald aus allen Gegenden des Reiches eine Menge Volksliederbmzu, die, durchweg alt, zum Teil bis auf die Blütezeit Kiews zurückgehen und ihremStoffe nach verschiedenen Sagenkreisen angehören.

^ Der Begründer der realistisch-humoristischen Sozialliteratur war Gogol-^anowsky, der größte Humorist Rußlands, unter dessen Schilderungen man wos-issoÄnlich den Schmerz erkennt, den der Verfasser über das sittliche Elend, überdie Torheiten und verkommenen Zustände des Volkes, des Adels und der Be-omtenwelt empfindet.

Mit seinem Lehramte an der Universität Petersburg scheiterte er bald. Das Endeseines Lebens verdüsterten religiöse Wahnvorstellungen. Unter seinen Werken, den ErzählungenAbende aus einem Meierhofe, der Sammlung Mirgorod u. a. m., haben zweiSchöpfungen seinen Namen am bekanntesten gemacht: Die toten Seelen, ein satirisch-komisches Zeitbild des Landadels, das den eigentlichen Ausgangspunkt der später vor-herrschenden Anklage- und Enthüllungsliteratur bildet, und das Lustspiel Der Revisor,das sich besonders gegen die Bestechlichkeit des nichtsnutzigen Beamtentums wendet.

Weit leidenschaftlicher indessen gebärdete sich die schriftstellerische Tätigkeitoos Herausgebers der „Glocke" (Loloüol), Herzen.

Von der Mutter her deutschen Geblütes, ein Schüler Hegels, vereinte er deutscheAftssenschaftlichkeit und Idealität mit der Leidenschaft des für sein Vaterland begeistertenBussen. Schon früh zog er sich politische Verfolgungen zu, war vorübergehend wiederBeamter, ist aber doch in der Verbannung gestorben. Das Erbarmen mit der Not seinesVolkes machte ihn zum Aufrührer und Aufwiegler (8 203). Seine freiheitlichen Ideen verfochter in Flugschriften aller Art, wie in dem Offenen Brief an Kaiser Alexander II.wegen Aufhebung der Leibeigenschaft, gegen Napoleon III. Vom andern Ufer usw.,besonders aber in seiner Zeitschrift Loloüol (Glocke), die von ungemessenem Einflüsse war.

Schließlich stehen auch seine Novelle Dr. Krupow und sein ernster Roman Wer istiehuld? im Dienste seiner politischen Bestrebungen. Den erbitterten Kampf gegen dasZarische Rußland hat er selbst durch eine Übersicht der unter Nikolaus dahingegangenenDichter zu rechtfertigen gesucht. Er sagt: „Die Geschichte unserer Literatur ist ein Ver-zeichnis von Märtyrern oder ein Register von Sträflingen. Rylejew wurde auf NikolausVefehl gehenkt. Puschkin ward im Duell getötet. Gribojedow ist in Teheran ermordetworden. Lermontow fiel im Duell im Kaukasus. Wenewitinow ging durch die GesellschaftZugrunde. Kolzow wurde von seinen nächsten Verwandten zu Tode geärgert. Belinskikam im Elend um. Poleschajew starb im Militärhospitale, nachdem er gezwungen gewesen,acht Jahre im Kaukasus zu dienen. Baratynski starb in der Verbannung, Bestuschew erlag"ach ganz jung im Kaukasus nach vorausgegangener Zwangsarbeit in Sibirien.' Von Poleschajewaen hier erwähnten Dichtern war Poleschajew Lyriker, Wenewitinow hatte sich an isw-isWputschen und englischen Vorbildern geschult; Kolzow, ursprünglich Hirt und Viehhändler,

Mng Lieder im Volkstone; Belinsky entlehnte von Hegel und Schopenhauer das Wissen, Bsiinriywit dem er die ästhetische Kritik in Rußland begründete; Baratynski schloß sich der 1811 —1848romantischen Richtung Puschkins an. 18 M -1844