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Vierter Band.
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172
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172 Zweites Buch: Literatur und Kunst Europas im Zeichen der Romantik. A 84-

Stägsmann August von Stägemann aus der Ukermark, unter Stein (Z 64) verdienter Staatsmann,verfehlte in seinen schwungvollen Oden den volkstümlichen Ton, der allein die Massen mitI 7 gi-i 8 ig fortreißt. Gerade dieser aber war die Stärke Theodor Körners, der mit einem glücklichenWorte dem Kampfe sein Gepräge aufdrückte, das des „Kreuzzugs". Die liedumwobeneJünglingsgestalt des Sängers von Leier und Schwert war von jeher und wird in alleZeit der Liebling, das leuchtende Borbild der deutschen Jugend bleiben. Unberechenbar sinddie Wirkungen seiner Kriegslyrik, um so mehr, da er als Lützowscher Jäger durch denHeldentod bei Gadebusch mit seinem Blute besiegelte, was seine Lieder gepredigt, verkündigtund gefordert hatten lZ 67). Durch ihn kam das feurige Jugendungestüm zum Wort, wiein Arndts Gedichten der gereifte Mannesmut. Die Liebe zur Kunst war frühe in Körnererwacht. Freudig nahm er darum die Stelle eines Theaterdichters in Wien an, für die ihnseine ersten Bühnenwerke empfahlen. Dem Lustspiel gehören u. a. Der grüne Domino,Der Nachtwächter, Der Better aus Bremen an. In seinen Tragödien, wieToni, Hedwig und besonders dem erfolgreichen Zriny, erscheint er als SchülerSchillers, in dem er den Freund seines Vaters verehrte.

Z 84. Die Romantik und die neuere Literatur Rußlands. Die Richtungi7sg-i8S7 auf Heimat und nationale Eigenart gibt der Poesie Puschkins ihr eigentüm-liches Gepräge. Seine Werke spiegeln das Volksleben in allen seinen Erscheinungenab. Darum gilt er auch den Russen als ihr Nationaldichter. Jedenfalls be-deutet er einen Wendepunkt im Schrifttume seiner Heimat, das erst durch ihneine beachtliche Höhe erreichte und bestimmte Ziele erhielt.

Es ist oft bemerkt worden, daß Puschkin im Leben wie in der Dichtung mancheÄhnlichkeit mit Byron (I 88) hatte. Beiden gemeinsam war das kurze, rasche Leben, das sichrastlos verzehrte und mit einem tragischen Ausgange in jungen Jahren endete. Puschkinward im Zweikampfe erschossen. Beiden gemeinsam war die bittere Spottsucht, durch die siesich den Haß der vornehmen Welt zuzogen, aber auch, daß sie den Roman in Bersen zuwTräger und Spiegelbild ihrer Lebensanschauungcn zu machen wußten. Der Eugen Onäginist der „Don Juan der russischen Sitten". Aber damit schließt der Vergleich. In allenübrigen Dingen ist Puschkin der Sohn seines Landes, und während Byrons Held stets dasstolze Bewußtsein des britischen Edelmannes abspiegelt, ist Eugen Onägin ein blasierter,kraft- und saftloser Salonmensch, ein romantischer Faust ohne ideale Züge. Auf heimat-lichem Boden bewegen sich die übrigen Erzählungen Puschkins, z. B. Der Gefangeneim Kaukasus, das düstere Familienstück Poltawa mit der heldenhaften Gestalt desHetmanns Mazeppa. Auch seine Lyrik fand viel Anerkennung, die Ode an die Frei-heit sogar bei Alexander I-, der dem Dichter die staatsmannifche Laufbahn eröffnete. Dochvermochte Puschkin seine satirische Anlage nicht zu beherrschen. Er wurde verwiesen undschließlich der Teilnahme an der Verschwörung von 1825 angeklagt, freilich bereits ein Jahrdarnach dem Ministerium wieder zugeteilt.

Bestuschew

1797-1837

Lermontow

1814—1841

Minder glücklich war Bestuschew.

Wie seine drei Brüder wurde er als Dekabrist verbannt, während sein Freund, derDichter Rylejew, 1826 als Hochverräter hingerichtet ward. Die Öde des Garnifonlebensim Kaukasus machte Bestuschew zum Erzähler. In Romanen, Novellen und kleinenGeschichten, wie Amallat Beg, Skizzen aus dem Kaukasus, Mullah Nur,schildert er die gewaltige Natur, das Leben und Treiben der Bewohner in erkennbarer An-lehnung an Walter Scotts Humor und behagliche Breite. Die ihm eigene NeigungBetrachtungen anzustellen, tritt besonders in der Liebesgeschichte Die Fregatte Na-deschda hervor, die auch gut angeschaute Bilder aus dem Seeleben enthält. Bestuschewbesitzt eine ungewöhnliche Anlage zum Beschreiben, dazu guten Humor. Wissenschaftlich ha^er sich betätigt durch die Geschichte der russischen Literatur. — Lebensschicksal undKunstrichtung stellen Lermontow neben, dichterische Anlage noch über Puschkin. Eineüberschäumende Natur, erlag der stutzerhafte Gardeleutnant in jähem Wechsel den An-wandlungen pessimistischen Lebensüberdrusses, wie in dem Gedichte Dankbarkeit, undtiefer Melancholie, wie in Dämon, oder stürmischsten Lebensdranges. So ließ thuinnere Verwandtschaft in Byron ein entsprechendes Vorbild auch für seine Dichtung er-blicken. 1837 wurde Lermontow wegen seines Gedichtes auf Puschkins Tod in denKaukasus verbannt und hier fiel er 1841 im Zweikampf. Die erhebenden Eindrücke aber,die er von der gewaltigen Herrlichkeit der Natur und der ungezügelten Leidenschaft der Berg-stämme erhielt, hat er niedergelegt in seinen Werken, deren farbenprächtige Schilderungen,besonders in den Helden unserer Zeit, Kaukasische Lebensbilder ihm den erstenPlatz unter seinen Zeitgenossen anweisen. Nicht minder hoch stellen ihn die Eigenart uno