180 Zweites Buch: Literatur und Kunst Europas im Zeichen der Romantik. 8 87,
I. Schwe-den
Dichtung
Atterbom
1790 — 1855
Palmblad
1788—1852
Dahlgren
1791 — 1844
Geijsr
1783-1847
Tegner
1782-1846
Almquist
1793-1866
Fred.Bremer1891-1865
Flygare
Larlln
1807—1892
vonKnorring
1797—1848
Bsstow
1796—1868
Böttiger
1807-1878
Grafström
1790—1870
Strandberg
1818—1877
Malmström
1816—1865
Rydberg
1828—1895
Snoilsky
1841-1993
Norwegens von Sars folgten verwandte Werkeln größerer Zahl, wie von Blom, Birke-land, Rygh. — Ausgedehnte Pflege erfuhren die Hilfswissenschaften der Geschicht-schreibung: Mutzen-, Denkmäler- und Bautenkunde. — Endlich fehlte es in Norwegenauch nicht an Denkwürdigkeiten.
8 87. Die Romantik und die neuere Literatur Schwedens. Finnland.
In Schweden verfochten die neubekehrten Jünger der romantischen Schule in denZeitschriften Polyphem und Phosphorus ihre Ideen. Jene leitete Askelös,diese Atterbom. Jetzt vermochte sich die Auseinandersetzung mit der altenRichtung öffentlich und darum für die von Deutschland überkommenen An-schauungen vom Wesen der Kunst und vom Rechte der Einbildungskraft um sowirksamer und erfolgreicher zu vollziehen.
Atterbom, ein Schüler Hegels und Schellings, verstieg sich freilich in seinerDichtung, und zwar im Bogel Blau mehr als in den Romanzen Blumen und inder Insel der Glückseligkeit, ebenso in seinen Kunstansichten zu einer nebelhaftenPhantastik, die auch seiner Schule, den Phosphoristen, wie Hammerskiöld, Palm-blad, Elg ström, Dahlgren, dem Verfasser des alle Ausländerei scharf durchhechelndenkomischen Epos Markalls schlaflose Nächte, das Gepräge der Überspanntheit gab.Neben diesem Zweig der Romantik entwickelte sich im Anschlüsse an den Herausgeber desPolyphem, Askelöf, der in seinen Anschauungen und Zielen gesündere Gotische Bund,der sich später eine eigene Zeitschrift Jduna schuf. Ähnlich wie Oehlenschläger inDänemark auf altnordische Stoffe zurückgegriffen hatte, waren nun die Häupter der Gotenbeflissen, ihr Volk wieder für seine Vergangenheit zu erwärmen. Erik Geiser, der sichals Geschichtsforscher europäischen Rufes erfreute, hat in wenigen, aber meisterhaften Balladenund Romanzen den echt nordischen Ton in unerreichter Weise erneuert und dem BischöfeEsaias Tegner sichern vor allem seine Nachtmahlskinder, die Frithjofsageund der Sonnengesang Namensdauer und eine Beliebtheit, die sich nicht auf Schwedenbeschränkt. Rein nationale Töne schlug er im Kriegslied für die Landwehr vonSchonen und in der Romanze Axel an. Sein Heldenideal feiert sein Karl XII. DasEpos Gerda zu vollenden hinderten ihn geistige Umnachtung, dann der Tod.
In der langen Reihe der nun folgenden Dichter hebt sich Almquist merklich ab durchseine entschiedene Richtung auf religiöse, politische und soziale Fragen. Er ist ganz modernrealistisch in seiner Kunst, dazu gleich phantasievoll wie Meister der Form. Der volleGegensatz zur gotischen Schule, war der hochgebildete, in der Wissenschaft wohlbewanderteMann vor anderen berufen, für die schwedische Literatur eine neue Zeit, die das Nationalin der Gegenwart entdeckt hätte, herauszuführen. Aber er zersplitterte seine Kraft, so daßseine Muse nie ein einheitliches Kunstwerk zu schaffen vermochte. Am vollendetsten sind dieim Dornröschenbuch gesammelten Erzählungen und unter seinen größeren Romane»Amalie Hitler, Drei Frauen in Smaland und die Mühle Skällnora.Aus der gleichzeitigen Novellistik hat sich in Deutschland Fredrika Bremer am bekannteste»gemacht. Ihre Romane, wie Die Nachbarn, DasHaus, stellen schwedisches Familien-leben schlicht und wahrheitsgetreu dar. Ein frömmelnder Zug macht diese Bilder aus deMAlltag kaum schmackhafter. Die Behandlung sozialer Fragen war vollends ein MißgsN'Bändereicher, dafür auch phantasievoller war die Verfasserin der Rose von Distel»,"'Frau Flygare-Carlen, die mit der Freiin von Knorring auch in Deutschland v»>Beifall erntete, wie die ernste Kämpferin für Menschenrechte Ellen Key.
Neuere Dichter von Namen sind außer Runeberg, der mit seinen Stammesgenosst"in der Übersicht der finnischen Literatur zu besprechen ist, der Lyriker und DramatikerBeskow, der Balladendichter Böttiger, der Elegiker Grafström, der Sängergeharnischter Lieder und Übersetzer Byrons Strandberg, dann Malmström, ferner »erstreitbare Freidenker Rydberg, der auch Goethes Faust in die Sprache Schwedens über-trug, endlich die Könige Karl XV. (1826—72) und sein feinsinniger, aufgeklärter BrudeOskar (geb. 1829), der Herders Eid und Goethes Tasso übersetzte, mit seinen Gedichte»und Gedanken. Als größter Lyriker der jüngsten Zeit galt Gras Sno ilsky, Schwede»„letzter Klassiker".
Mit auffälliger Empfänglichkeit kam Schweden dem Realismus u"dseinem derberen Ableger, dem Naturalismus, entgegen. In ihrem Gesmö»haben dann all die jüngeren Literaturrichtungen mit pessimistischer, sozialistischeund individualistischer Spitze ihren Einzug gehalten; auch das Übermenschentuwfand Anhänger. Sie bestimmen noch heute Schwedens Schrifttum, trotz »e