Erstes Kapitel: Literatur (die außerdeutsche bis zum Ende des Jahrhunderts). 183
Moore
z 779—1852
Euiccioli, Tbo xroxboo^ ok Kants gegenüberstellte, begann auch sein genialstes Werk, denunvollendeten Don Juan in 16 Gesängen von achtzeiligen Versen. „In diesem Gedichteherrscht eine gewisse Universalität, die sich alle Tonarten des Lebens zu eigen gemacht, inallen Abgründen und aus allen Höhen heimisch ist. Byron hat den höchsten Aufschwungund die höchste Erschöpfung seines Geistes darin gemalt; er hat gezeigt, daß er alles Großeund Erhabene der Welt erkannt und sich mit dieser Erkenntnis in den Abgrund der Ver-achtung gestürzt hat." Diese Zerrissenheit, der „Weltschmerz" ward nun der Grundtonder Poesie in der Neuzeit. Geschmäht und verfolgt von seinen Standesgenossen, übersättigtau den Genüssen des Sinnenlebens, zerfallen mit aller Kultur, griff Byron zu Hohn undSswtt, klagte voll Wehmut über sein verlorenes Glück und flüchtete seinen Seelenschmerz in
erträumtes Land der reinen Natur und der freien Empfindung. Und ebendarin liegtPe Macht seiner alles bewältigenden, alle Regungen der Menschenseele durchdringenden undifl bezaubernder Sprache ausdrückenden Poesie, daß man überall den unmittelbaren EindruckMnes eignen Seelenzustandes empfindet. In Ravenna entstand sein Trauerspiel Llarinohalioi-o, bald danach Larckavaxalns mit der herrlichen Frauengestalt der JonerinMyrrha, weiter Tbs Tvo lkosoari und endlich das Mysterium Oaiv. Den Z 80^wähnten Southey, der ihn und seine Freunde in der Vision okUuckgment hart an-Legriffen hatte, vernichtete er durch die heftige Satire gleichen Namens. Verdächtig desCarbonarismus, flüchtete er nach Pisa, dann nach Genua. Unter den in dieser Zeit ver-faßten Werken verdient 1bs islanä hervorgehoben zu werden, daneben Dbs IrisbKvutur (Avatar in der indischen Göttersage das Herabsteigen der Götter auf die Erde),ein Spottgedicht auf Georg IV. 1824 fand er während des Kampfes für GriechenlandsUnabhängigkeit in Missolunghi (H 113) den Tod. Seine Afche ruht in einer englischen Dorf-iirche, da die hochkirchliche Geistlichkeit ihre Aufnahme in die Westminsterabtei verbot.
Thomas Moore aus Dublin begründete nach einträglichen, aber un-selbständigen Jugendwerken, einer Übersetzung Anakreons und den anonym ver-deutlichten lkoin I-ikkle's xoeins in der Art des griechischen Sängers,seine Stellung in der Literatur mit den Irisb mslollios zu den vonStevenson gesammelten irischen Volksweisen.
Die ganze Folge von Gefühlen, vom freiheittrunkenen Bardensang bis zum hin-schmelzenden Klagelied über Irlands verschwundene Herrlichkeit, findet in den „Melodien"chren allezeit meisterhaften Ausdruck, wie auch die eigentümliche Schönheit der Natur und
Leiden deS Volkes ergreifend geschildert sind. Eine Stelle im englischen KolonialdiensteLab Moore bald wieder auf. Die Abwehr eines übelwollenden Kritikers führte zu einemZwiste auch mit Byron; doch erwuchs aus dem Mißverständnisse ein herzlicher Freundschafts-bund. Den „Melodien" stehen die National airs und 8as.rs<1 songs ebenbürtigZur Seite. Vaterländischer Ingrimm über die Hartherzigkeit der Torys gegen das un-glückliche Irland gab seinen politischen Satiren, z. B. Ivtsrespteä lotters ok tbol^o-xonnx postbag (Aufgefangene Briefe aus dem Postbeutel) und Ksttors oklhs Nuckgs kawilx in karis, angeblichen Briefen einer in Paris lebenden FamilieHut scharfen Ausfällen auf die Heilige Allianz, den Charakter haßvoller Leidenschaft. Mits^alla 8 oobb (Tulpenwange) nach einer indischen Erzählung, nach der die Prinzessin LallaRookh ihr Herz an einen Sänger verliert, schließlich aber in ihm ihren Bräutigam erkennt,whrte Moore zur reinen Kunst zurück. In diesem seinem Hauptwerke sind dem Sängerwer Erzählungen in den Mund gelegt '11>s Vsiisci kroxbet ok Lborassan (der ver-schleierte Pr-), lös karackiss anä tbo kori, llbs Niro-IVorosbippors (Feueranbeter) und
Kigbt ok tbs klarem (Haremslicht), die wahre Perlen malender Dichtung sind. Als^eitenstück zu Kalla Itoobb können die mehr lyrisch gehaltenen Kovos ok tbs angolsiErigellixbe) gelten. Ein Lehrgedicht ist der sentimentale Roman b-pieursan. Mit den^loiaoirs ok tbo liko ok Laptain 8oeb, Vlomoirs ok Korä Qäv. lkit^Zoralck, schätz-baren Beiträgen zur irischen Geschichte, und andern Denkwürdigkeiten wandte sich Mooreber Prosa zu, in der auch seine Schutzrede des Katholizismus llravols ok a Irisb Asntis-wan in ssareb ok roligion, ein wunderliches Buch voll glänzender Mystik, verfaßtM- Erwähnenswert bleibt noch die Lebensbeschreibung Sheridans, der als Dichter undRedner im Parlament gleich unabhängig erscheint. In dem witzigen Lustspiel Tbs sokoolor seanckal (Lästerschule) lebt er noch heute auch bei uns fort.
Ein anderer Freund Byrons, der seine Zweifelsucht bis zur Gottesleugnungsteigerte, war der hochbegabte, aber innerlich zerrissene Percy Bysshe Shelley.
Schon in den Schülerjahren wurde ihm sein Unglaube zu einer Quelle des Leides.Verfolgungen, Seelenkämpse und körperliche Leiden verdüsterten sein Leben, bis er auf einer