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Vierter Band.
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214
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214 Zweites Buch: Literatur und Kunst Europas im Zeichen der Romantik. 8 96.

1851

1. Deutsch-land1697—17531733-18081788-1791s 18111810

1766— 1826

1767- 18451774-1854

Schinkel

1781-1841

1771—1800

Leo v. Klenze1784—18641782—1820

Friedrich v.

Gärtner

1792-1847

Ziebland

1800-1873

1800-1643

1804—1886

1795—1863

1788-1865

und ähnlich auch bei den anderen bildenden Künsten zeigte sich ihr Wesen in derVerwertung christlich-mittelalterlicher Stile oder Stoffe, wodurch sie ihre Ver-wandtschaft mit der Schwester im Reiche der Dichtkunst bekundet (§ 81). Nament-lich war es deutscher und englischer Boden, auf dem „die blaue Blume der Romantik"gedieh: in Deutschland wurde sie durch Sturm und Drang begünstigt, in Eng-land durch den Einfluß der bürgerlichen Kunst und der englischen Gotik. Aberbald nach Beginn des neuen Jahrhunderts geht die Bewegung wieder zurück;1770 schreibt Goethe seinen begeisterten Aufsatz über das Straßburger Münster, seinAufenthalt in Italien zwingt ihn jedoch vollständig zur Nachfolge Winckelmanns.Der Versuch, den Klassizismus mit der Romantik zu verquicken, blieb ein ver-gebliches Unterfangen der Dichter und Gelehrten; ebenso war das Preisaus-schreiben der Akademie, das König Maximilian II. anregte, die Gotik durchdie italienische Renaissance zu veredeln, ohne praktischen Erfolg.

° § 96. Architektur. Als Vorläufer des klassizistischen Stiles in Deutschland sind

zu nennen: Georg Wenzel von Knobelsdorff, als Erbauer des Berliner Opernhauses,Johann Gotthard Langhaus, als Schöpfer des Brandenburger Tores (dorisch, Propyläenfront). Später baut Heinrich Gentz das Mausoleum in Charlottenburg. In Süddeutschlandbaut Friedrich Weinbrenner, nach langjährigem Aufenthalte in Italien, in seinerVaterstadt Karlsruhe die katholische Kirche, das Rathaus, das (alte) Hoftheater in nüchternemDorismus. Friedrich von Thouret, 1793 bis 1796 in Rom, baut unter Goethes Beiratdas Schloß in Weimar. In Wien baut Peter von Nobile das Burgtor und dasThescion (im Volksgarten) in dorischem Charakter. Zu derselben Zeit, als Thorwaldsen denJason schuf, betrat auch der feinsinnigste Vertreter neuhellenischer Baukunst, Karl FriedrichSchinkel, angeregt durch seinen Lehrer, den Architekten Friedrich Gilly (Romantiker),den klassischen Boden. In seinen Werken verfügt er mit genialer Sicherheit über dieantiken Formen und weiß sie den praktischen Anforderungen seiner Zeit ungezwungen an-zupassen und der beabsichtigten Stimmung dienstbar zu machen. Das alte Museum (Wandel-halle mit ionischen Säulen), die Hauptwache (römisches Kastell mit dorischer Tempelfront),das Schauspielhaus in Berlin und die Pläne zum Schloß Orianda (Krim) und zum BerlinerDom sind dafür sprechende Zeugen, während Schloß Charlottenhof bei Potsdam, SchloßBabelsberg (normannisch), die Bauakademie (Backstein, Baumaterial des deutschen Nordens)in Berlin, das Palais des Grafen Redern (florentinisch), die Werdersche Kirche (gotisch) unddie Nikolaikirche in Potsdam sein vielseitiges Können beweisen. In den Jahren deutscherSchmach war er auch als Maler tätig (Veduten nach seinen italienischen Studien undPhantasielandschaften mit gewaltigen Bauformen, wie das Panorama von Palermo); vonseinen plastischen Werken ist die Bronzestatue Drakes vor der Bauakademie das gelungenste-Literarisch-künstlerische Arbeiten sind eine Sammlung architektonischer Entwürfe (26 Hefte),Werke der höheren Baukunst (36 Blätter), Grundlagen der praktischen Baukunst und die vonLohde herausgegebenen Möbelentwürfe.

Streng stilgetreu, aber nüchterner und weniger genial schuf der Architekt Ludwigs l.,Leo von Klenze in München Bauten nach antiken Vorbildern; nachdem bereits Karlvon Fischer im Hof- und Nationaltheater und in Privatgebäuten (Palais Salabertam Englischen Garten) neben dem Renaissancestil (Palladio) auch römischem Klassizismusgehuldigt hatten. Unter den Klenzeschen Bauten ragen besonders hervor: die Glyptothek(außen und innen griechisch vornehm), die alte Pinakothek, der Typus moderner Museunissarchitektur (Bramantischc Renaissance), der Königsbau nach dem Vorbilde des Palazzo Pittiin Florenz und die Propyläen in München, die Walhalla, „der Tempel teutscher Ehren"bei Regensburg; dagegen ist der griechische Bau der Eremitage iu Petersburg ziemlichunbedeutend. Neben ihm erbaut Friedrich von Gärtner nach italienischen Vorbilderndie Ludwigskirche, die Staatsbibliothek, die Feldherrnhalle (Kopie der Loggia dei Lanziin Florenz) und später Georg Friedrich Ziebland die Bonifatius-Basilika (im Stile derältesten christlichen Kirchenbanten) und das Kunstausstcllungsgebüude (Prosthlos mitkorinthischen Säulen). Klassizistisch (Schinkels Schule) sind auch die Schloßbauten KarlTheodor Ottmers in Braunschweig und Adolf Demmlers in Schwerin (GroßherzElisches Schloß, französischer Renaissance-Hochbau, ähnlich dem Schloß Chambord von PierreNepven).

In Karlsruhe baut der Romantiker Heinrich Hübsch, ein Schüler Weinbrenners, inflorentiner Rundbogenstil die Kunsthalle, das Hofthcater, sowie die Trinkhalle in Baden-Baden, und Karl Alexander vonHeideloff führt in Nürnberg gotische Kirchenbauten aus-